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Albert Edwards: Asien-Krisen-Stratege sieht Parallelen zum KI-Boom

Der SocGen-Analyst Albert Edwards warnt vor Parallelen zwischen der Asienkrise 1997 und dem aktuellen KI-Investmentboom.

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Albert Edwards: Asien-Krisen-Stratege sieht Parallelen zum KI-Boom

Drei Jahrzehnte nach seiner Vorhersage der Asienkrise von 1997 zieht ein erfahrener Stratege erneut Parallelen zu einem aktuellen Marktphänomen. Albert Edwards, Londoner Analyst bei der französischen Großbank Societe Generale, sieht Ähnlichkeiten zwischen der damaligen finanziellen Ansteckung, die sich über die asiatischen Volkswirtschaften ausbreitete, und dem heutigen Investmentboom rund um künstliche Intelligenz (KI). Den KI-Boom hält Edwards für eine Blase.

Der als „uber bear“ (überaus bärenhaft) bekannte Stratege ist für seine pessimistische Marktsicht berühmt. Dass er nun einen Vergleich zur Asienkrise von 1997 herstellt, ist für Marktbeobachter ein deutliches Warnsignal. Schließlich gilt Edwards als einer der wenigen Analysten, die die damalige Krise frühzeitig vorhergesagt hatten.

Was den Vergleich auslöste

Ausgelöst wurde der Vergleich durch einen Forschungsbericht von Torsten Slok, dem Chefvolkswirt bei Apollo Global Management. Slok stellte darin enttäuschende Werte eines wirtschaftlichen Indikators in den Vordergrund: des Wachstums der „total factor productivity growth“ (totale Faktorproduktivität). Dieser Indikator misst, wie viel Output eine Volkswirtschaft aus einer gegebenen Menge an Arbeit und Kapital erzeugt. Er gilt damit als Maß dafür, wie effizient eine Wirtschaft ihre Produktionsfaktoren einsetzt.

Die schwachen Werte dieser Kennzahl erinnerten Edwards an die Anfangsphase der asiatischen Kontamination. Das ist der Kern seiner Argumentation: Wenn die Produktivität nicht mit den Investitionen Schritt hält, entsteht ein Missverhältnis zwischen dem eingesetzten Kapital und dem tatsächlich erwirtschafteten Ertrag.

Für deutsche Anleger ist dieser Zusammenhang relevant, weil der KI-Boom auch hierzulande einen erheblichen Teil der Zuversicht an den Aktienmärkten trägt. Große Technologieunternehmen und Zulieferer investieren weltweit massiv in Rechenzentren, Chips und KI-Modelle. Die Frage, ob diese Investitionen durch entsprechende Produktivitätsgewinne gedeckt sind, steht im Zentrum der aktuellen Debatte.

Ein Begriff mit Sprengkraft

Der Verweis auf die Faktorproduktivität ist dabei kein Zufall. Anders als das reine Wirtschaftswachstum, das auch durch mehr Arbeitseinsatz oder mehr Kapitaleinsatz entstehen kann, misst sie den Teil des Wachstums, der nicht auf zusätzliche Inputs zurückgeht. Bleibt sie hinter den Erwartungen zurück, deutet das darauf hin, dass zusätzliche Investitionen weniger Ertrag abwerfen als erhofft.

Edwards verbindet diese Beobachtung mit seiner grundsätzlichen Skepsis gegenüber dem KI-getriebenen Investmentboom. Seine These: Ähnlich wie in Asien vor knapp drei Jahrzehnten könnte eine Welle von Investitionen auf einer zu optimistischen Erwartung an künftige Erträge basieren.

Ob sich diese Parallele bewahrheitet, ist offen. Fest steht, dass die Debatte über die Nachhaltigkeit des KI-Booms an Fahrt gewonnen hat. Mit Torsten Slok und Albert Edwards melden sich zwei profilierte Stimmen zu Wort – der eine mit nüchternen Produktivitätsdaten, der andere mit einem historischen Vergleich, der nachdenklich stimmen soll. Für Anleger, die auf den KI-Trend setzen, lohnt es sich, beide Perspektiven ernst zu nehmen.

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