Agrar-Erzeugerpreise fallen erneut – Kartoffeln und Milch besonders betroffen
Landwirtschaftliche Erzeugerpreise sinken im Juli um 13,7 Prozent zum Vorjahr.

Der Preisverfall für die deutsche Landwirtschaft hat sich im Juli fortgesetzt. Die Erzeugerpreise für Agrarprodukte sanken um 13,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Damit bleiben die Rückgänge nahe am Rekordniveau von Mai und Juni, als mit minus 13,9 Prozent die stärksten Einbrüche seit mehr als elf Jahren verzeichnet wurden. Immerhin: Von Juni auf Juli zogen die Preise leicht um 0,5 Prozent an.
Die Entwicklung auf Produzentenebene kommt meist verzögert bei den Verbrauchern an. Während die allgemeine Inflationsrate im August vor allem wegen höherer Energiepreise bei 2,9 Prozent lag, stiegen die Lebensmittelpreise lediglich um 0,1 Prozent. Experten zufolge könnte sich dies jedoch in den kommenden Monaten ändern.
Hintergrund: Energiepreise als Kostentreiber
„Energie steckt in Dünger, Treibstoff, Verarbeitung und Transport, und diese Kosten erreichen die Ladenkassen erst mit erheblicher Verzögerung“, sagte Ökonomin Lena Dräger vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). Sie verwies zudem auf Ernteschäden durch die diesjährige Sommerhitze. Diese Faktoren könnten die Lebensmittelpreise in den kommenden Monaten nach oben treiben – ein Aspekt, den Anleger bei der Bewertung von Einzelhandels- und Agrarwerten im Blick behalten sollten.
Besonders deutlich fielen im Juli die Preise für Kartoffeln: Sie gaben um 45,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat nach. Tafeläpfel verbilligten sich um 42,0 Prozent ähnlich stark, während Erdbeeren 2,9 Prozent weniger kosteten. Für Verbraucher bedeutet dies aktuell günstigere Einkaufspreise, für Landwirte hingegen schrumpfende Margen.
Gemüse wird teurer – tierische Produkte verbilligen sich
Teurer wurde dagegen Gemüse, das sich binnen Jahresfrist um 10,4 Prozent verteuerte. Insbesondere Eissalat (+60,8 Prozent), Gurken (+48,9 Prozent) und Tomaten (+10,6 Prozent) legten kräftig zu. Preissenkungen gab es hingegen bei Blumenkohl und Spargel, die sich um 16,8 Prozent beziehungsweise 2,0 Prozent verbilligten.
Auf Erzeugerebene sanken zudem die Preise für Tiere um 16,6 Prozent. Maßgeblich dafür war der Preisrückgang bei Schlachtschweinen um 25,7 Prozent. Auch Rindfleisch verbilligte sich um 13,4 Prozent, Geflügel kostete 2,1 Prozent weniger. Einen Preisverfall gab es zudem bei Milch mit minus 24,8 Prozent. Eier hingegen verteuerten sich um 9,2 Prozent.
Für Anleger an den internationalen Börsen sind diese Entwicklungen relevant: Agrarrohstoffwerte und Unternehmen der Lebensmittelverarbeitung könnten von der aktuellen Preisdynamik profitieren oder unter Druck geraten. Die anhaltend niedrigen Erzeugerpreise bei Milch und Fleisch belasten insbesondere kleinere landwirtschaftliche Betriebe, während sich große Lebensmittelkonzerne durch günstigere Rohstoffeinkäufe kurzfristig Vorteile verschaffen könnten.
