BoE-Umfragewechsel lässt Inflationserwartungen der Briten sinken
Methodenwechsel statt Stimmungswandel: Britische Inflationserwartungen fallen deutlich – doch die Bank of England warnt vor voreiligen Schlüssen.

Die Bank of England (BoE) hat im August einen deutlichen Rückgang der Inflationserwartungen der britischen Bevölkerung verzeichnet. Allerdings ist dieser Rückgang maßgeblich auf einen Wechsel des mit der Durchführung der Umfragen beauftragten Anbieters zurückzuführen. Die Zentralbank selbst warnt davor, aus den neuen Zahlen voreilige Schlüsse zu ziehen.
Die Inflationserwartungen der Öffentlichkeit gelten als entscheidender Faktor für viele Entscheidungsträger der BoE, wenn es um die Einschätzung des Risikos einer persistent hohen Inflation geht. Sie beeinflussen das Verhalten von Verbrauchern und Unternehmen und damit letztlich die tatsächliche Preisentwicklung.
Neuer Anbieter, andere Ergebnisse
Die Umfrage des neuen Anbieters Savanta im August ergab Inflationserwartungen für das kommende Jahr von 3,2 Prozent. Im Mai hatte der bisherige Anbieter Ipsos noch 4,0 Prozent gemeldet. Auch die mittel- und langfristigen Erwartungen gaben nach: Die Zwei-Jahres-Erwartungen sanken von 3,5 auf 2,9 Prozent, die Fünf-Jahres-Erwartungen fielen von 3,9 auf 3,2 Prozent.
Die BoE erklärte jedoch ausdrücklich: „Vergleiche von Veränderungen (in) den Inflationserwartungen zwischen den Ergebnissen vom Mai – Ipsos – und den Ergebnissen vom August – Savanta – sollten … mit Vorsicht betrachtet werden, da sie teilweise auch Änderungen beim Anbieter sowie gleichartige Veränderungen der Erwartungen widerspiegeln.“
Methodische Unterschiede als Erklärung
Um die Vergleichbarkeit zu prüfen, hatte die BoE Savanta ebenfalls beauftragt, die Erwartungen im Mai zu ermitteln. Diese Ergebnisse lagen bei allen drei Zeithorizonten rund einen halben Prozentpunkt unter denen von Ipsos: bei 3,6 Prozent (Ein-Jahr), 3,1 Prozent (Zwei-Jahre) und 3,3 Prozent (Fünf-Jahre). Ein Großteil des Rückgangs dürfte daher auf den Anbieterwechsel und nicht auf eine tatsächliche Veränderung der Stimmungslage zurückzuführen sein.
Bemerkenswert: Beide Unternehmen ermittelten einen identischen Wert von 5,0 Prozent für die öffentliche Wahrnehmung der aktuellen Inflation. Dies deutet darauf hin, dass die Unterschiede vor allem bei den Erwartungswerten methodisch bedingt sind.
Kritik von Pantheon Macroeconomics
Das Analysehaus Pantheon Macroeconomics übte scharfe Kritik an der Vorgehensweise der BoE. Der Wechsel lasse die Zahlen in einem ungerechtfertigt positiven Licht erscheinen. „Unserer Ansicht nach hätte die BoE eine bruchbereinigte, konsistente Zeitreihe veröffentlichen sollen, damit alle dieselben, konsistenten offiziellen Zahlen berichten können, anstatt einen Vergleich von Äpfeln und Birnen anzustellen“, sagte Rob Wood, Chefvolkswirt für Großbritannien bei Pantheon.
Nach Korrektur der Bruchstelle habe sich die Erwartungslage nur leicht entspannt, was im Einklang mit einer geringeren Inflation bei Kraftstoffen und Lebensmitteln stehe. Die Fünf-Jahres-Erwartungen lägen lediglich knapp unter dem im zweiten Quartal erreichten Rekordhoch.
Hintergrund des Anbieterwechsels
Die BoE teilte mit, dass sie Savanta den Auftrag im Rahmen eines wettbewerbsorientierten Neuausschreibungsverfahrens vergeben habe. Auf eine Anfrage zur Begründung für die Unterschiede zwischen den Ergebnissen von Ipsos und Savanta reagierte die Zentralbank zunächst nicht.
Für Anleger und Marktbeobachter bleibt die Entwicklung der Inflationserwartungen ein wichtiger Indikator. Die BoE hatte ihren Leitzins zuletzt bei 5,0 Prozent belassen, nachdem sie im August erstmals seit Beginn des Zinserhöhungszyklus eine Senkung vorgenommen hatte. Die künftige Geldpolitik wird maßgeblich davon abhängen, ob sich die Inflationserwartungen nachhaltig abschwächen.
