FTSE 100 im Plus: Starkes BIP überwiegt Nahost-Sorgen
FTSE 100 legt zu – starke BIP-Daten aus Großbritannien überwiegen Eskalation im Nahen Osten

Der britische Leitindex FTSE 100 legte am Freitag um 0,58 Prozent zu und trotzte damit den zunehmenden geopolitischen Spannungen im Nahen Osten. Ausschlaggebend waren überraschend starke Konjunkturdaten aus Großbritannien, die Sorgen vor einer Eskalation des Nahost-Konflikts vorerst in den Hintergrund drängten.
Auch die anderen großen europäischen Börsen zeigten sich freundlich: Der deutsche DAX gewann 0,42 Prozent, der französische CAC 40 stieg um 0,61 Prozent. Das Pfund Sterling notierte zum US-Dollar unverändert bei 1,3512 Dollar.
Britische Wirtschaft überrascht mit Wachstum
Das britische Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im Juli um 0,4 Prozent und übertraf damit deutlich die Erwartungen der Volkswirte, die mit einer Stagnation gerechnet hatten. Damit setzte sich der Aufwärtstrend vom Juni fort, als ein Plus von 0,3 Prozent verzeichnet worden war. Im Jahresvergleich ergab sich ein Wachstum von 1,6 Prozent – der stärkste Anstieg seit Februar 2025, wie das britische Statistikamt Office for National Statistics (ONS) mitteilte.
Liz McKeown, Direktorin für Wirtschaftsstatistik beim ONS, führte die positive Entwicklung auf den Dienstleistungssektor zurück. „Die anhaltende Stärke im Dienstleistungssektor wurde nur teilweise durch Rückgänge in der Produktion und im Bauwesen ausgeglichen“, erklärte sie. Besonders bemerkenswert: Künstliche Intelligenz treibe offenbar die Softwareentwicklung an.
Allerdings warnte James Smith von der ING davor, die Zahlen überzubewerten. Etwa die Hälfte des Anstiegs im Juni stamme aus der IT-Branche, die lediglich sieben Prozent der britischen Wirtschaft ausmache. Zudem habe das britische BIP eine etablierte saisonale Tendenz, im ersten Halbjahr stark zu wachsen und sich im zweiten Halbjahr abzukühlen.
Geopolitische Spannungen im Nahen Osten eskalieren
Trotz der positiven Börsenentwicklung blieb die Lage im Nahen Osten angespannt. Huthi-Kämpfer schlossen eine 18-stündige Offensive ab und erlangten die volle Kontrolle über die Rotes-Meer-Küste des Jemen, einschließlich der strategisch bedeutenden Straße von Bab al-Mandeb. Zuvor hatten sie den Hafen von Mocha eingenommen.
Saudi-arabische Streitkräfte reagierten mit Luftangriffen auf den Flughafen von Mocha, wie der huthi-nahe Sender Al-Masirah berichtete. Satellitenbilder, die von Reuters zitiert wurden, zeigten zudem Rauch nahe der saudischen Ost-West-Pipeline, einer wichtigen Arterie, die derzeit genutzt wird, um Rohöl um die Straße von Hormus herumzuleiten.
Der iranische Revolutionsgardenkorps gab an, seine Marine habe ein US-„Saildrone-ähnliches“ unbemanntes Schiff in der Straße von Hormus getroffen und dessen „aggressive Mission vereitelt“. Diese Behauptung folgte auf einen Beschluss der Atomenergieaufsichtsbehörde der Vereinten Nationen (IAEA), der Iran wegen „Nichteinhaltung“ seiner Nichtverbreitungsverpflichtungen beschuldigte und die Angelegenheit an den UN-Sicherheitsrat verwies – die erste derartige Resolution seit 20 Jahren. Der iranische UN-Botschafter Gholamhossein Darzi wies die Vorwürfe als „politisch und nicht technisch begründet“ zurück.
Ölpreise geben nach – Gold uneinheitlich
Die Ölpreise fielen am Freitag und gaben einen Teil der scharfen Gewinne der vorherigen Sitzung wieder ab. Brent-Rohöl verbilligte sich um 3,12 Prozent auf 104,28 Dollar pro Barrel, während US-Öl der Sorte WTI um 3,17 Prozent auf 99,19 Dollar nachgab. Am Donnerstag waren Brent und WTI noch um 6,3 beziehungsweise 6,7 Prozent in die Höhe geschnellt.
Vorläufige Schiffsverfolgungsdaten zeigten, dass die Durchfahrten durch die Straße von Hormus am Donnerstag von elf am Vortag auf sieben sanken – deutlich unter dem Zehn-Tage-Durchschnitt von 15, wie Reuters meldete.
Gold-Futures rutschten auf 4.371,80 Dollar, während Gold Spot um 0,3 Prozent auf 4.330 Dollar stieg.
Ausblick: Bank of England vor Zinsentscheid
Die ING erwartet, dass die Bank of England die Zinsen am kommenden Donnerstag bei 3,75 Prozent unverändert lässt. Die energiebedingte Inflation habe noch keine sekundären Effekte ausgelöst, argumentieren die Analysten. Die Lebensmittelinflation sei von 3,6 Prozent im Januar auf 1,3 Prozent gefallen. Eine Zinserhöhung im November sei jedoch „nicht unmöglich“.
Berkeley Group und Trainline im Fokus
Der Immobilienkonzern Berkeley Group warnte vor einer schwachen Käuferstimmung und politischer Unsicherheit, die die Nachfrage nach Wohnimmobilien belasteten. Das Unternehmen forderte dringende Reformen bei der Grunderwerbsteuer und regulatorischen Rahmenbedingungen, um Transaktionen und den Wohnungsbau anzukurbeln.
Der Bahnticket-Anbieter Trainline übertraf mit Umsatz und Nettoticketverkauf im ersten Halbjahr die Prognosen. Das langsamere Segmentwachstum wurde durch die Bestätigung der Guidance für das Geschäftsjahr 2027 und ein neues Aktienrückkaufprogramm in Höhe von 100 Millionen Pfund ausgeglichen.
