Zwei unterbewertete Autoaktien: Rivian und Carvana im Fokus
Zwei US-Autoaktien gelten als unterbewertet – und kluge Investoren schauen genauer hin.

Viele Anleger haben Rivian schlichtweg übersehen, weil sich das Unternehmen noch in den allerersten Phasen seiner Entwicklungsgeschichte befindet. Und viele verstehen Carvanas Schritt in den Verkauf neuer Fahrzeuge nicht. Doch kluge Investoren könnten diese beiden Aktien nicht mehr lange ignorieren. Das berichtet der US-Finanzdienst The Motley Fool in einer aktuellen Analyse.
Carvana hat sich von der nahen Insolvenz erholt und verschiebt nun erneut grundlegend seine Strategie. Der Online-Gebrauchtwagenhändler steigt in den Neuwagenverkauf ein – ein Schritt, der Synergien mit seinen historischen Geschäftsbereichen schaffen könnte. Parallel dazu steht Rivian vor einem entscheidenden Wendepunkt: Die R2-Modelle sowie die kommenden Fahrzeuge für den Massenmarkt könnten dem Hersteller die nötige Skalierung verleihen, um Investoren anzuziehen.
Die Details
Carvana, der US-Online-Autohändler, der vor einiger Zeit noch am Rande der Insolvenz stand, hat sich nach Angaben von The Motley Fool erholt und verfolgt nun eine neue strategische Ausrichtung. Der Einstieg in den Verkauf neuer Fahrzeuge ist ein fundamentaler Schritt für das Unternehmen, das bislang vor allem auf Gebrauchtwagen spezialisiert war. Die Analyse sieht darin das Potenzial, Synergien mit den bestehenden Geschäftsbereichen zu schaffen – etwa in den Bereichen Logistik, Aufbereitung und Online-Vertrieb.
Rivian wiederum befindet sich laut The Motley Fool noch in den allerersten Phasen seiner Entwicklungsgeschichte. Viele Anleger hätten das Unternehmen deshalb bislang übersehen. Der Elektroauto-Hersteller setzt große Hoffnungen auf seine R2-Modelle sowie auf kommende Fahrzeuge für den Massenmarkt. Diese könnten dem Unternehmen die Skalierung bringen, die es benötigt, um eine breitere Investorenbasis anzusprechen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 13.02.2026 berichtete aktien.news, dass die Rivian-Aktie um 24 Prozent gestiegen war, nachdem das Unternehmen eine optimistische Prognose für sein neues, günstigeres SUV-Modell R2 abgegeben hatte. Der Wagen sollte ab dem zweiten Quartal zu einem Startpreis von rund 45.000 Dollar auf den Markt kommen – ein direkter Konkurrent zu Teslas Model Y. Der Schritt markierte eine strategische Neuausrichtung für Rivian, das bislang vor allem für seine hochpreisige R1-Fahrzeugfamilie bekannt war.
Am 18.02.2026 berichtete aktien.news, dass Analysten uneins über die Zukunftsaussichten des E-Auto-Herstellers waren. Während Stifel optimistisch auf die Entwicklung blickte und sein Kursziel von 17 auf 20 Dollar anhob, warnte Davidson vor überzogenen Erwartungen. Die Analysten von Stifel bestätigten ihre Kaufempfehlung und hoben die Verbesserung der Margen sowie das Hochfahren der Produktion hervor.
Am 05.06.2026 berichtete aktien.news, dass die Rivian-Aktie erneut um 25 Prozent zugelegt hatte – ohne eine einzige offizielle Pressemitteilung. Der Kursanstieg wurde durch die direkte Kommunikation von Rivian mit den Inhabern von R2-Reservierungen ausgelöst, die die Vorfreude auf die bevorstehende Markteinführung des neuen Elektro-SUVs schürte.
Zu Carvana berichtete aktien.news am 19.02.2026, dass Morgan Stanley die Aktie des US-Autohändlers trotz eines deutlichen Kursrückgangs als attraktive Kaufgelegenheit einstufte. Analystin Daniela Haigian erwartete zwar kurzfristig weitere Abwärtskorrekturen beim Bruttogewinn pro Fahrzeug im Einzelhandel, betonte jedoch, dass die fundamentale Wachstumsstory intakt bleibe. Das Unternehmen meldete im vierten Quartal einen Gegenwind von 220 Dollar pro Einheit, verursacht durch höhere Instandsetzungskosten an weniger produktiven Standorten.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger bieten beide Unternehmen interessante, wenn auch unterschiedliche Risikoprofile. Rivian steht mit dem R2 vor dem entscheidenden Schritt vom Nischenanbieter zum Massenhersteller. Die bisherigen Kursausschläge von 24 und 25 Prozent zeigen, wie sensibel die Aktie auf Neuigkeiten zum R2 reagiert. Wer in Rivian investiert, setzt im Wesentlichen darauf, dass das Unternehmen die Skalierung schafft und die Produktion des R2 erfolgreich hochfährt.
Carvana hingegen hat bereits bewiesen, dass es eine existenzielle Krise überstehen kann. Der Einstieg in den Neuwagenverkauf ist eine strategische Erweiterung, die Synergien mit dem bestehenden Geschäft heben könnte. Allerdings warnte Morgan Stanley bereits im Februar vor kurzfristigen Abwärtskorrekturen beim Bruttogewinn pro Fahrzeug. Anleger sollten die Margenentwicklung genau im Auge behalten.
Beide Aktien gelten laut The Motley Fool als unterbewertet, weil viele Marktteilnehmer die strategischen Entwicklungen noch nicht vollständig eingepreist haben. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus jedoch nicht ableiten – die Analyse dient lediglich der Information.
Ausblick
Bei Rivian steht die Markteinführung des R2 im Mittelpunkt. Der Wagen soll zu einem Startpreis von rund 45.000 Dollar auf den Markt kommen. Die direkte Kommunikation mit den R2-Reservierungsinhabern deutet darauf hin, dass das Unternehmen die Vorfreude auf den Launch aktiv steigern will. Ob und wann die ersten Auslieferungen erfolgen, geht aus dem Quelltext nicht hervor.
Bei Carvana steht die Umsetzung der neuen Strategie im Neuwagenverkauf im Fokus. Das Unternehmen muss zeigen, dass es die Synergien mit den bestehenden Geschäftsbereichen tatsächlich heben kann. Konkrete Termine oder Meilensteine nennt der Quelltext nicht.
Kurz erklärt
- Skalierung: Die Fähigkeit eines Unternehmens, sein Geschäftsmodell bei wachsender Produktion profitabel auszuweiten, ohne dass die Kosten überproportional steigen.
- Synergien: Vorteile, die entstehen, wenn verschiedene Geschäftsbereiche eines Unternehmens zusammenarbeiten und dadurch Kosten sparen oder höhere Erlöse erzielen.
- Bruttogewinn pro Fahrzeug: Eine Kennzahl, die angibt, wie viel Gewinn ein Autohändler im Durchschnitt mit jedem verkauften Fahrzeug vor Abzug der Betriebskosten erzielt.
