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Vanessa Paradis und die Kunst der Langlebigkeit im Rampenlicht

Mit 53 Jahren bleibt die Sängerin, Schauspielerin und Model Vanessa Paradis eine französische Institution – ein Porträt über Ruhm, Wandel und Beständigkeit.

• 6 Min
Vanessa Paradis und die Kunst der Langlebigkeit im Rampenlicht

Mit der Lücke zwischen ihren Frontzähnen, die Generationen von Franzosen verzaubert hat, tritt Vanessa Paradis aus der Garderobe. Sie ist 53 Jahre alt, wirkt aber immer noch wie die 14-Jährige, die in den 1980er Jahren mit „Joe le taxi" berühmt wurde – dem Lied, das Taxifahrer ganz Europas dazu brachte, ihre Fahrzeuge „Joe" zu nennen. Der FT-Journalist Simon Kuper hat die Sängerin, Schauspielerin und Model für die Financial Times porträtiert, die Fotografien stammen von Jessica Madavo.

Schon beim Fotoshooting in Paris zeigt sich, wie selbstverständlich Paradis den Betrieb beherrscht. Sie wird sofort von Fotografen, Studiomanagern und Maskenbildnern umringt, die im Alter ihrer Kinder sind – und die heute auch ihre Mitwirkenden sind. Die Arbeitssprache des Shootings ist Englisch, was der Ex-Partnerin von Johnny Depp nicht ins Geheime geht. Ebenso wenig stört sie der Mann, der ihr Haar mit einem Gerät bläst, das an einen Laubbläser erinnert, oder die Frau, die Puder auf ihre nackten Oberschenkel streicht.

Paradis scannt den Raum und erfasst alle Anwesenden, so wie es Performer tun. Zwischen den Aufnahmen läuft sie in hohen Absätzen hin und her – von der Garderobe ins Studio –, eine 40-jährige Veteranin der industriellen Produktion von Ruhm. Es ist ein schwüler Tag in Paris, und bevor sie sich dem Interview unterzieht, legt Paradis etwas Eis auf Kopf und Hals. Nachdem sie sichergestellt hat, dass sie niemanden auf dem Hof unter ihr verletzen wird, wirft sie die Eiswürfel elegant aus dem Fenster.

Die Details

Paradis ist inzwischen Teil des französischen Nationalkulturguts. Aufgewachsen in den äußeren Vororten von Paris, wurde sie von ihren Eltern und ihrem Onkel Didier Pain, einem Schauspieler, zur Kunst ermutigt. Nach „Joe le taxi" schrieb Serge Gainsbourg ihr zweites Album. Den Schritt ins Kino wagte sie ebenfalls und gewann mit 17 Jahren den César als talentierteste neue Darstellerin in Jean-Claude Brisseaus „Noce Blanche". Später fügte sie eine dritte Karriere hinzu: Als Model posierte sie als gefangenes Vögelchen in der legendären Werbekampagne für das Parfum Coco von Chanel. Noch heute arbeitet sie mit der Marke zusammen.

Auf die Frage, wie sie vom Ruhm nicht zerstört wurde wie ihre Heldin Marilyn Monroe, verweist sie auf ihr Elternhaus: „Als ich mit 14 berühmt war, hätte ich sehr schlecht enden können. Aber meine Eltern waren voller Liebe und Intelligenz und standen im Dialog mit mir." Eines Tages, als ihr die Arbeit sehr schwerfiel und sie weinte, hätten ihre Eltern gesagt: „Vanessa, du bist 14, du bist nicht verpflichtet zu arbeiten. Wenn es dich unglücklich macht, kannst du jetzt aufhören." Aufhören wollte sie natürlich nicht. Auf dieses Kind blickt sie heute „mit viel Zärtlichkeit" zurück und würde ihm gerne sagen: „Keine Sorge, alles wird gut."

Sie versteht die Verhöhnungen, denen sie als Teenager ausgesetzt war. Sie sei unreif gewesen, sagt Paradis: „Das Talent kam später. Ich musste viel daran arbeiten." Die Teenagerin floh vor Frankreich nach New York, wo sie niemand kannte und „einfach Vanessa" sein konnte. Das Englische, das sie damals sprach, stammt aus dem Singen in dieser Sprache – „Singin' in the Rain", Marilyn Monroe und später Prince. In New York ging sie mit dem Singer-Songwriter Lenny Kravitz aus. Beim Umgang mit seinen Freunden in Hoboken lernte sie den Dialekt von Jersey.

Sie fügte auch amerikanischen Soul ihrem Repertoire hinzu, der in ihrem neuesten Album „Le retour des beaux jours" zu hören ist, sagt aber: „Ich bin kein Soulsänger, ich bin eine französische Varieté-Sängerin." Für das Album arbeitete Paradis mit dem Songwriter Étienne Daho zusammen, einem Freund seit 40 Jahren. „Vanessas Stimme ist sofort erkennbar", sagt Daho. „Ich vergleiche sie mit einem Musikinstrument. Sie hat eine wirklich starke vokale Identität. Als ich für sie schrieb, musste sie es nur singen, und es wurde sofort zu einem Vanessa-Paradis-Lied. Es ist erstaunlich."

Wie sie ihre Mitwirkenden auswählt, erklärt Paradis so: „Es ist eine Frage des Geschmacks und der Bewunderung. Ich möchte meine Kunst mit ihrer vermischen. Dann machen sie nicht ihre Musik oder meine, sondern wir machen gemeinsam eine andere Musik. Die Zusammenarbeit mit anderen Menschen und neuen Menschen hilft mir, mich neu zu erfinden." Zwei neue Personen, mit denen sie am neuesten Album arbeitete, sind ihre Kinder von Depp, Lily-Rose und Jack. Ein Gedicht von Lily-Rose, die ihr in den Chanel-Stall gefolgt ist, lieferte den Text für ein Lied, während Jack die Musik für ein anderes schrieb.

Obwohl Paradis und Depp sich 2012 trennten, trat sie 2020 als Zeugin für ihn in seinem Prozess wegen übler Nachrede gegen The Sun auf. Vor dem Interview wurde dem Autor mitgeteilt, dass Paradis diese Themen nicht diskutieren würde. Sie balanciert auf dem Drahtseil, ihr Privatleben zu schützen, während sie eine öffentliche Figur ist. „Die Leute sagen: ‚Ooh la la, du bist so positiv, du bist so stark'", sagt sie. „Nein, das liegt einfach daran, dass ich meine Schwächen nicht der Öffentlichkeit teile. Ich weine, ich bin zerbrechlich, ich habe große Momente des Wertlosigkeitsgefühls. Ich habe kein Bedürfnis, das mit Ihnen zu teilen."

Durchweg blieb sie ein dreifacher künstlerischer Erfolg. „Jede Disziplin hilft der anderen", sagt sie. Ihr musikalisches Ohr ermögliche es ihr, genau die Intonation zu finden, die ein Filmregisseur will, während ihre Schauspielerei ihr auf der Konzertbühne helfe. „Deshalb singen, tanzen und spielen Menschen an amerikanischen Kunsthochschulen. Jeder muss wissen, wie man alles macht." Als Sängerin drücke sie sich selbst aus, als Schauspielerin dagegen die Visionen von Filmregisseuren: „Sie wählen die Einstellung, setzen sie zusammen. Daher ist es am besten, ihre Marionette zu sein."

Auf den Vergleich mit Édith Piaf oder Jacques Brel reagiert Paradis zurückhaltend. „Das ist enorm. Vielleicht für eine andere Generation und in Bezug auf die Langlebigkeit. Aber ich kann nicht von Talent sprechen. Es ist, als würde sich eine Schauspielerin mit Meryl Streep vergleichen. Das ist nicht möglich." Gleichwohl ist „Joe le taxi" von einer Novelty-Single zu einem französischen Klassiker geworden. „Musik ist immer da, man hört sie, sie dringt in uns ein", sagt Paradis. „Sogar Menschen in Frankreich, die keine Fans meiner Musik sind, kennen meine Musik, aus dem Auto im Stau oder in Restaurants. Lieder repräsentieren Momente unseres Lebens." Das größte Vergnügen bereite es ihr, wenn die Leute ihre Songs nutzten, um ihnen im Leben zu helfen.

Hintergrund: Was bisher geschah

Der Beitrag erschien im Umfeld der wöchentlichen FT-Auswahl von Roula Khalaf, der Herausgeberin der Financial Times, die dort ihre Lieblingsgeschichten kuratiert. Bereits am 04.04.2026 berichtete aktien.news, dass die Financial Times eine Auswahl der 20 beeindruckendsten Hütten und Refugien weltweit zusammengestellt hat – kuratiert von Roula Khalaf in ihrem wöchentlichen Newsletter. Am 10.04.2026 folgte der Hinweis auf eine Ausgabe, die sich ausschließlich sogenannten Ein-Produkt-Spezialisten widmete. Am 15.05.2026 berichtete aktien.news über sechs Filmempfehlungen der FT-Redaktion, am 30.05.2026 über 16 Organisationshelfer für mehr Ordnung im Alltag. Der rote Faden dieser Berichte ist derselbe wie im vorliegenden Porträt: die persönlich kuratierte Auswahl der FT-Chefredakteurin.

Was das für Anleger bedeutet

Das Porträt ist ein Kultur- und Personenbeitrag und enthält keine Unternehmenszahlen, Kurse oder Bewertungen. Ein direkter Investment-Bezug besteht daher nicht. Beachtenswert ist allenfalls die strukturelle Beobachtung, dass Paradis seit Jahrzehnten mit einer Luxusmarke zusammenarbeitet – ein Beispiel für die Langlebigkeit von Markenpartnerschaften im Luxussegment. Konkrete Kennzahlen zu dieser Zusammenarbeit nennt der Quelltext nicht, sie lassen sich daraus also nicht ableiten. Anleger sollten solche Personen- und Kulturgeschichten nicht als Grundlage für Kauf- oder Verkaufsentscheidungen nutzen.

Ausblick

Konkrete Termine oder Planungen nennt der Quelltext nicht. Festgehalten wird lediglich, dass „Le retour des beaux jours" das neueste Album von Paradis ist und dass sie weiterhin mit der Marke Chanel zusammenarbeitet. Weitere Projekte, Tourneen oder Veröffentlichungstermine werden nicht erwähnt.

Kurz erklärt

  • César: Der wichtigste französische Filmpreis, der jährlich für herausragende Leistungen im französischen Kino vergeben wird.
  • Muse: Eine Künstlerin oder ein Künstler, die oder der eine Modemarke oder einen Designer über Jahre hinweg inspirierend begleitet.
  • Varieté-Sängerin: Eine Sängerin, die sich selbst dem klassischen französischen Unterhaltungs- und Chanson-Repertoire zuordnet, statt einer einzelnen Musikrichtung wie Soul.
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