Yen unter Druck: Bank of Japan enttäuscht Märkte
Der japanische Yen gerät nach der Zinsentscheidung der Bank of Japan weiter unter Druck. Trotz angehobener Wirtschaftsprognosen bleibt die Notenbank bei ihrer vorsichtigen Geldpolitik.

Der japanische Yen notiert am Freitag bei 158,54 je US-Dollar und damit schwächer als vor der Zinsentscheidung der Bank of Japan (BoJ). Die Zentralbank ließ ihren Leitzins unverändert, obwohl sie ihre Wirtschafts- und Inflationsprognosen nach oben korrigierte.
Märkte enttäuscht von BoJ-Rhetorik
Die Entscheidung enttäuschte Marktteilnehmer, die auf eine energischere Reaktion der Notenbank zur Stützung des Yen gehofft hatten. "Die Zentralbank hat die gleiche Rhetorik beibehalten – ein Ergebnis, das für die Märkte ziemlich neutral war", erklärt Moh Siong Sim, Devisenstratege bei OCBC. Händler befürchten, dass ein Durchbruch über die Marke von 160 Yen pro Dollar Tokyo zu Interventionen am Devisenmarkt veranlassen könnte.
Fokus auf Gouverneur Uedas Pressekonferenz
Alle Augen richten sich nun auf die Pressekonferenz von BoJ-Gouverneur Kazuo Ueda um 07:30 Uhr deutscher Zeit. Analysten erwarten Hinweise auf den Zeitpunkt der nächsten Zinserhöhung. Fred Neumann, Chefvolkswirt für Asien bei HSBC, prognostiziert: "Gouverneur Ueda wird in seinen Äußerungen wahrscheinlich eine restriktivere Richtung einschlagen, was die nächsten Sitzungen für eine weitere Leitzinserhöhung 'offen' halten könnte."
Fiskalische Sorgen belasten Währung
Der Yen steht seit dem Amtsantritt von Premierministerin Sanae Takaichi im Oktober unter erheblichem Druck und verlor über 4 Prozent an Wert. Die angekündigten Steuersenkungen und vorgezogenen Neuwahlen für Februar verstärken die Nervosität der Anleger hinsichtlich der fiskalischen Lage Japans. Die Renditen japanischer Staatsanleihen stiegen diese Woche auf Rekordhochs.
Experten fordern konkrete Maßnahmen
"Wenn es keine Maßnahmen gibt, sind es nur Worte. Das wird den Markt nicht stabilisieren", warnt Carol Lye, Portfoliomanagerin bei Brandywine Global. Die Expertin kritisiert, dass die Zinserhöhungen nicht schnell genug kommen, um den Yen zu stabilisieren. Die Behörden müssten einen konkreteren Plan vorlegen, um die Märkte zu beruhigen.
Dollar profitiert von geopolitischer Entspannung
Parallel zur Yen-Schwäche steuert der US-Dollar auf einen starken Wochenverlust zu. Die sich wandelnde geopolitische Landschaft mit Trumps Grönland-Abkommen und dem Abrücken von Zolldrohungen gegen Europa belastete diese Woche die amerikanische Währung. US-Vermögenswerte trugen die Hauptlast der Anlegerängste an den Devisenmärkten.
