Westwood-CEO Brian Casey: Y'all Street und neuer KI-Energie-ETF
Brian Casey, CEO von Westwood Holdings, erklärt den Aufstieg von Dallas als Finanzzentrum und den neuen ETF fürs KI-Energie-Ökosystem.

Dallas hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Hotspot für Finanzdienstleistungen entwickelt und trägt inzwischen den Spitznamen „Y'all Street". Die texanische Metropole tritt damit in direkten Wettbewerb mit der New Yorker Wall Street. In diesem Jahr machte dieser Wettbewerb einen weiteren Schritt nach vorn: Mit der Texas Stock Exchange (TXSE) ist eine neue Börse an den Start gegangen, an der bereits erste Unternehmen ihre Börsennotierungen verlagert haben.
Brian Casey, CEO des in Dallas ansässigen Asset-Managers Westwood Holdings, sieht die Stadt und den Bundesstaat Texas auf einem erfolgreichen Weg. Der Manager ist Mitglied des CNBC CEO Council und damit nach eigener Darstellung nah an den Entwicklungen dieser „Y'all Street" dran. Im Gespräch mit CNBC erklärt er, warum Dallas für Unternehmen attraktiv ist und warum sein Haus ausgerechnet jetzt einen ETF auf das Energie-Ökosystem der Künstlichen Intelligenz (KI) auflegt.
Casey ist nicht nur Beobachter, sondern auch Investor in der TXSE. Gegenüber CNBC sagte er, er sei „sehr bullisch" bezüglich der Entwicklungen an der Börse. Damit verbindet der Westwood-Chef zwei Trends: den Aufstieg von Dallas als Unternehmensstandort und den wachsenden Kapitalbedarf der KI-Infrastruktur.
Die Details
Der Aufstieg von Dallas zum Finanzzentrum ist kein Zufall. In den vergangenen Jahren kündigten Unternehmen wie Goldman Sachs, Morgan Stanley und JPMorgan Chase massive Büroflächen und Personalzuwächse an. Texas untermauert diese Entwicklung mit strukturellen Kennzahlen: Der Bundesstaat weist derzeit die meisten Fortune-500-Unternehmen unter allen US-Bundesstaaten auf und verzeichnet einen massiven Bevölkerungszuwachs.
Neben niedrigeren Steuern und geringerer Regulierung nennt Casey weitere Standortvorteile. „An erster Stelle steht, wie ich stets gesagt habe: Wir befinden uns im Zentrum des Landes", sagte er. Dallas verfüge über einen der größten und meistfrequentierten Flughäfen der Welt, sodass man innerhalb eines Tages sowohl zur Ost- als auch zur Westküste reisen könne. „Es ist ein sehr bequemer Ort für Ein- und Ausreisen."
Casey zufolge hat Texas zudem versucht, Delaware als bevorzugten Gründungsstandort herauszufordern – „vom Standpunkt der Stärkung unserer Handelsgerichte, der Kodifizierung der Business-Judgment-Rule und der Vereinfachung sowie Kostensenkung bei der Gründung von Unternehmen in Texas". Hintergrund ist, dass Führungskräfte und Unternehmen Bedenken hinsichtlich der rechtlichen Auslegungen aus Delaware geäußert haben, darunter Elon Musk und ExxonMobil.
Die Botschaft scheint anzukommen. Die Pipeline-Firma Energy Transfer und der Kraftstoffverteiler Sunoco haben kürzlich beide angekündigt, ihre Notierungen von der NYSE auf die TXSE zu verlagern. Auch der Einzelhändler Dillard's gab an, von der NYSE auf die TXSE umzuziehen, nachdem das Unternehmen 2025 seine Neuregistrierung in Texas vorgenommen hatte.
Hinter der TXSE stehen nach Angaben von CNBC einige der größten institutionellen Investoren der Welt, darunter BlackRock, Citadel und Charles Schwab. Westwood wiederum legt den ersten neuen ETF der Börse auf: den Westwood Salient Enhanced Power & Infrastructure ETF. Er kommt zu anderen ETFs der Firma hinzu, die bereits an der NYSE und Nasdaq notiert sind – Westwood selbst ist an der NYSE gelistet.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 18.01.2026 berichtete aktien.news, dass sich Künstliche Intelligenz von einem reinen Technologie-Thema zu einem Infrastruktur-Play entwickelt. Investoren, die sich ausschließlich auf Chip-Hersteller und Software-Konzerne konzentrieren, riskierten demnach, die nächste Wertschöpfungsphase zu verpassen, weil Stromversorgung, Kühlung und Netzstabilität zu entscheidenden Engpässen würden.
Am 23.05.2026 meldete aktien.news, dass Aktien aus dem Bereich KI-Energieinfrastruktur zunehmend in den Fokus von Investoren rücken. Mehrere Midstream-Öl- und Gasunternehmen notierten nahe an ihren charttechnischen Einstiegsmarken und erhielten gleichzeitig positive Einschätzungen von Analysten der Wall Street. Genannt wurden The Williams Companies (WMB), Kinder Morgan (KMI) und Energy Transfer (ET).
Am 25.07.2026 berichtete aktien.news unter Berufung auf den „Guide to ETFs" von J. P. Morgan Asset Management, dass KI-thematisierte ETFs gemessen am verwalteten Vermögen bereits zu den fünf wichtigsten Themen am ETF-Markt zählen – obwohl Volatilität dem Sektor im zweiten Quartal erheblich zusetzte. Jon Maier, Chef-ETF-Stratege bei JPMorgan Asset Management, sprach davon, dass sich „viele [Themen] in Richtung KI und des sie umgebenden Ökosystems" wandeln.
Erst am 23.09.2026 berichtete aktien.news über den Fondsmanager Brock Campbell vom BNY Mellon Global Infrastructure Income ETF (BKGI). Dieser setzt im KI-Infrastruktur-Boom ebenfalls nicht auf Rechenzentren oder Chipkonzerne, sondern auf klassische Versorger und Energiepipelines.
Was das für Anleger bedeutet
Caseys These richtet sich an Anleger, die den KI-Boom bislang vor allem über Chip- und Megacap-Werte gespielt haben. Der Westwood-Chef räumt ein, dass der Fokus aus Anlegersicht „weitgehend" auf „diesen großkapitalisierten Unternehmen und Chipfirmen" lag. Das zugrunde liegende Energie-Ökosystem, das dies antreiben werde, sei nun aber „der richtige Anlageort".
Zur Einordnung: Die KI-Ausgaben unter den Megacaps haben in diesem Jahr laut Casey mehr als 750 Milliarden Dollar erreicht; Nvidia ist das wertvollste börsengehandelte Unternehmen. Der neue ETF setzt nicht auf diese Firmen, sondern auf das gesamte Strom-Ökosystem – von traditionellen Versorgungsunternehmen über Netzinfrastruktur bis hin zu Technologien der nächsten Generation.
Casey verweist darauf, dass jede Einheit Rechenleistung zusätzliche Infrastruktur nach sich zieht – große Gasturbinen, wassergekühlte Server, Kühlanlagen und die qualifizierten Arbeitskräfte, die für den Bau dieser Anlagen erforderlich sind. Für deutsche Privatanleger bedeutet das: Das Thema ist breiter als der reine Chip-Handel, aber auch kapitalintensiver und langfristig angelegt. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Westwood erwartet für den Energieboom eine „10-jährige Aufbauphase", die Investitionen in Höhe von mehr als 600 Milliarden Dollar nötig machen werde. Casey nennt konkrete Zielmarken: Bis 2030 würden für Rechenzentren 50 Gigawatt Leistung benötigt. Gleichzeitig stünden derzeit 2.000 Gigawatt in der Verbindungs-Warteschlange (Interconnection), um Anschluss an das Stromnetz zu erhalten.
Der Westwood-Chef bremst dabei die Erwartung an immer schnellere Chips: „Man erreicht einen Punkt, an dem man eigentlich keinen schnelleren Chip mehr benötigt", sagte er. „Man hat den schnellsten Chip, den man braucht, aber wenn es um Strom und all die damit verbundenen Dinge geht, kann man nicht einfach den Schalter umlegen und das über Nacht bauen. Es dauert Jahre und Jahre und Jahre."
Mit Blick auf die neue Börse und den neuen Fonds betont Casey die Symbolik: Ein in Dallas ansässiger Asset-Manager mit einem in Houston beheimateten Energieteam lege an einer in Dallas ansässigen Börse einen energieorientierten ETF auf. Für ihn spiegelt dieser Moment „das nächste Kapitel der amerikanischen Kapitalmärkte" wider. „Wir erleben gerade ein echtes wirtschaftliches Wunder in Texas und in Dallas", sagte Casey.
Kurz erklärt
- ETF: Ein börsengehandelter Fonds, der einen Korb verschiedener Wertpapiere bündelt und wie eine Aktie an der Börse handelbar ist.
- Hyperscaler: Ein sehr großer Cloud-Anbieter, der Rechenleistung in enormem Umfang für Rechenzentren bereitstellt.
- Business Judgment Rule: Eine juristische Regel, die Managern bei unternehmerischen Entscheidungen einen Ermessensspielraum zugesteht.
