Wer hält die meisten Bitcoin? Missverständnis schafft Kaufgelegenheit
Privatanleger besitzen zwei Drittel aller Bitcoin – nicht Institutionen. Dieses Missverständnis eröffnet laut Analyse eine strategische Kaufchance.

Wer glaubt, dass Konzerne, Fonds und Regierungen den Bitcoin-Markt dominieren, liegt falsch. Laut dem Bitcoin-Adoptionsbericht 2026 von River halten Privatanleger rund 14 Millionen BTC – das entspricht etwa zwei Dritteln der maximal möglichen Gesamtmenge von 21 Millionen BTC. Diese Erkenntnis widerspricht einer weit verbreiteten Annahme und hat direkte Konsequenzen für die Einschätzung des Marktpotenzials.
River wurde 2019 mit dem Ziel gegründet, die „Bitcoin-Bank der Welt" aufzubauen. Der Bericht des Unternehmens liefert eine detaillierte Aufschlüsselung der aktuellen Eigentümerstruktur – und zeigt, wie viel Spielraum institutionelle Käufer noch haben, um ihren Anteil auszubauen.
Die Details
Der größte Einzelbesitzer von Bitcoin ist aller Wahrscheinlichkeit nach Satoshi Nakamoto, der pseudonyme Schöpfer der Kryptowährung, der 2011 von der Bildfläche verschwand. Viele Beobachter schreiben ihm Wallet-Adressen mit rund 968.000 Coins zu – das entspricht 4,6 % der maximal möglichen Menge. Eine Untersuchung von Cointelegraph vom September 2026 beziffert die Schätzungen auf eine Spanne von knapp unter 900.000 bis zu etwa 1,2 Millionen BTC. Da diese Coins seit Jahren unberührt sind und Nakamotos Identität unbekannt bleibt, gehen die meisten Marktbeobachter davon aus, dass sie dauerhaft aus dem Umlauf verschwunden sind.
Hinzu kommen schätzungsweise 1,6 Millionen Coins, die als dauerhaft verloren gelten – also für ihre ursprünglichen Besitzer nicht mehr zugänglich sind. Beide Bestände zusammen verknappen das effektiv verfügbare Angebot erheblich.
Unter den Unternehmen sticht Strategy mit 848.000 BTC hervor, was rund 4 % der Gesamtmenge entspricht. Alle anderen Unternehmen zusammen kommen auf etwa 3,9 %. Börsengehandelte Fonds (ETFs), obwohl von großen Vermögensverwaltern aufgelegt, hielten als Gruppe lediglich 7,1 % des Angebots. Regierungen weltweit besaßen Anfang Oktober 2026 etwa 2,5 % der gesamten Bitcoin-Bestände.
Im Jahr 2025 verkauften Privatanleger netto 696.000 BTC. Auf der Käuferseite standen Unternehmen mit 489.000 BTC, Fonds und ETFs mit 205.000 BTC sowie Regierungen mit 135.000 BTC – so die Daten von River. Der Trend zeigt klar: Institutionelle Akteure bauen ihre Positionen systematisch aus, während Privatanleger per Saldo Bestände abgeben.
Bereits am 9. April 2026 berichtete aktien.news, dass die New York Times Adam Back – CEO von Blockstream – als stärksten Kandidaten für die Identität von Satoshi Nakamoto identifiziert hatte. Die Frage, wem die Nakamoto-Wallets gehören und ob diese Coins jemals bewegt werden, bleibt damit ein zentrales Thema rund um die Bitcoin-Angebotsstruktur. Und am 22. April 2026 hielt aktien.news fest, dass Bitcoin mit fast 60 % der gesamten Krypto-Marktkapitalisierung unangefochten der König der Kryptowährungen bleibt – eine Dominanz, die den Coin für institutionelle wie private Anleger zur bevorzugten Wahl im digitalen Asset-Bereich macht.
Was das für Anleger bedeutet
Die Eigentümerstruktur von Bitcoin hat eine direkte Implikation: Kein einzelner Akteur kann den Preis durch Angebotsmanipulation diktieren. Da der Besitz von Coins kein Stimmrecht über die zugrunde liegende Blockchain-Software verleiht, ist auch eine politische Einflussnahme durch Großbesitzer ausgeschlossen.
Für deutsche Privatanleger ist besonders relevant, dass die Gruppen mit dem größten Nachholbedarf – Unternehmen, Fonds und Regierungen – heute noch eine Minderheit der Bestände halten. Wollen diese Akteure ihre Positionen ausbauen, müssen sie die Coins von bestehenden Haltern erwerben. Das setzt voraus, dass sie einen Preis bieten, den die aktuellen Besitzer als attraktiv empfinden.
Gleichzeitig wird das Angebot an neu geminten Bitcoin nach jedem sogenannten Halving weiter reduziert. Das bedeutet: Je mehr Zeit vergeht, desto weniger frische Coins kommen auf den Markt, und desto stärker konkurrieren potenzielle Käufer um den verbleibenden Bestand. Dieser strukturelle Mechanismus ist im Bitcoin-Protokoll fest verankert und unabhängig von Marktentwicklungen.
Ausblick
River prognostiziert auf Basis des aktuellen Trends, dass Unternehmen, Fonds und Regierungen bis 2036 gemeinsam etwa 11,7 Millionen BTC halten könnten – das entspräche 56 % der maximalen Angebotsobergrenze. Sollte sich der Kauftrend dieser drei Gruppen fortsetzen, würde der für Privatanleger verfügbare Anteil am Gesamtangebot entsprechend schrumpfen.
Die Analyse betont ausdrücklich, dass dieser Prozess Jahre dauern kann und nicht garantiert ist. Zudem besteht jederzeit die Möglichkeit, dass große Akteure sich entscheiden, Bestände zu verkaufen statt zu kaufen. Langfristig sei es jedoch schwer vorstellbar, was institutionelle Investoren dazu bewegen könnte, Bitcoin dauerhaft abzustoßen und einen Wiedereinstieg zu verweigern, wenn der Preistrend nach oben zeigt – so die Einschätzung der Analyse.
Kurz erklärt
- Halving: Ein im Bitcoin-Protokoll verankertes Ereignis, bei dem die Belohnung für das Mining neuer Coins halbiert wird und so das Angebotswachstum verlangsamt.
- ETF (Exchange Traded Fund): Ein börsengehandelter Fonds, der einen Basiswert wie Bitcoin abbildet und Anlegern den Kauf ohne direkte Coin-Verwahrung ermöglicht.
- Wallet: Eine digitale Geldbörse, die den privaten Schlüssel zum Zugriff auf Bitcoin-Bestände speichert – geht der Schlüssel verloren, sind die Coins dauerhaft unzugänglich.
