Weltbank: Westbalkan wächst 2026-27 durchschnittlich um 3,1 Prozent
Stärkere Exporte und EU-finanzierte Infrastrukturprojekte sollen das Wachstum in der Region antreiben, trotz nachlassendem Konsum.

Die Weltbank erwartet für die sechs Länder des Westbalkans – Albanien, Bosnien, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien – ein gemeinsames Wirtschaftswachstum von 2,9 Prozent im Jahr 2026 und 3,2 Prozent im Jahr 2027. Im Durchschnitt ergibt sich damit eine Wachstumsrate von rund 3,1 Prozent für den Zweijahreszeitraum. Als wesentliche Wachstumstreiber nennt der Kreditgeber von der Europäischen Union finanzierte Infrastrukturprojekte sowie andere öffentliche Investitionen.
Diese öffentlichen Investitionen sollen dabei die erwartete Abschwächung des Konsumwachstums ausgleichen. Robuste Dienstleistungsexporte – insbesondere im Tourismus sowie im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) – werden das Wachstum laut Weltbank zusätzlich stützen. Gleichzeitig dürfte sich das Konsumwachstum jedoch merklich abkühlen.
Konsum unter Druck – mehrere Faktoren belasten
Als Ursachen für die schwächere Konsumentwicklung nennt die Weltbank geringere Lohnzuwächse sowie nachlassende Investitionen. Letztere sind auf das Auslaufen eines vom Tourismus getriebenen Baubooms und auf schwächere Zuflüsse bei ausländischen Direktinvestitionen (FDI) zurückzuführen. Diese Kombination dürfte die Kaufkraft der Bevölkerung in der Region spürbar beeinträchtigen.
Zusätzlich belastet der Energiepreisschock infolge des Krieges im Iran die wirtschaftliche Lage. Laut dem Bericht der Weltbank wird dieser Schock voraussichtlich die Inflation anheizen. Besonders hart trifft dies einkommensschwache Haushalte, die einen überproportional großen Anteil ihres Einkommens für Energie ausgeben. Die Folge: Das Reallohnwachstum sinkt, und das Tempo der Armutsbekämpfung in der Region verlangsamt sich.
EU-Beitritt als Reformmotor – grüne Transformation im Fokus
Alle sechs Länder des Westbalkans streben einen Beitritt zur Europäischen Union an. Die Weltbank sieht in diesem Kontext industriepolitische Maßnahmen – insbesondere die grüne Transformation – als Chance, die Energiesicherheit der Region zu stärken. Gleichzeitig könnten diese Maßnahmen dazu beitragen, die Energiesektoren an das EU-Stromintegrationspaket anzupassen.
Die meisten Länder der Region sind nach wie vor stark von der Kohleverstromung abhängig. Die Weltbank betont daher, dass die Regierungen den Energieübergang aktiv mitgestalten müssen. Dabei gilt es insbesondere, die wirtschaftliche Diversifizierung in jenen Gebieten zu fördern, in denen ganze lokale Wirtschaftszweige auf der Rohstoffgewinnung und der Schwerindustrie basieren.
Für deutsche Anleger und Unternehmen ist der Westbalkan als aufstrebende Wirtschaftsregion zunehmend relevant. Die EU-Beitrittsperspektive der Länder schafft mittelfristig Planungssicherheit und könnte Investitionschancen eröffnen – sofern die strukturellen Herausforderungen beim Energieübergang und der wirtschaftlichen Diversifizierung erfolgreich bewältigt werden.
