Weltbank-Chef Banga warnt vor Wachstumseinbruch durch Nahost-Krieg
Weltbank-Präsident Ajay Banga erwartet spürbare Folgen für die Weltwirtschaft – unabhängig von Dauer und Verlauf des Konflikts.

Weltbank-Präsident Ajay Banga hat vor erheblichen wirtschaftlichen Folgen des Krieges im Nahen Osten gewarnt. Unabhängig von der Dauer des Konflikts werde es zu einer Verlangsamung des globalen Wachstums und einer höheren Inflation kommen, erklärte Banga am Dienstag auf einer Veranstaltung des Atlantic Council in Washington. Seine Aussagen erfolgten im Vorfeld der für die kommende Woche geplanten Frühjahrstagungen der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF).
Das globale BIP-Wachstum lag vor dem jüngsten Konflikt bei prognostizierten 2,83 Prozent. Banga zufolge könnte dieser Wert im Basisszenario um 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte sinken. In einem längerfristigen, schwierigeren Szenario drohe sogar ein Rückgang von über einem Prozentpunkt. „In jedem Fall wird das voraussichtliche globale BIP-Wachstum, das vor diesem jüngsten Konflikt bei 2,83% lag, im Basisszenario wahrscheinlich um 0,3% bis 0,4% beeinträchtigt, in einem schwierigeren, längerfristigen Szenario sogar um über 1 Prozent", sagte Banga.
Auch die Inflation gerät unter Druck: Der Weltbank-Chef bezifferte den möglichen Anstieg auf bis zu 0,9 Prozentpunkte. Ausschlaggebend für das Ausmaß der Folgen seien die Schwere und Dauer der Störungen auf den Energiemärkten. Ein schnelles Ende des Konflikts würde eine gewisse Normalisierung innerhalb weniger Monate ermöglichen, während eine längere Eskalation die negativen Auswirkungen auf sechs bis acht Monate ausdehnen könnte.
Weltbank stellt bis zu 70 Milliarden Dollar bereit
Banga betonte die Handlungsfähigkeit der Weltbank in der Krise. Die Institution verfüge über sogenannte Krisenreaktionsfenster, über die betroffene Länder schnell auf bereits genehmigte, aber noch nicht ausgezahlte Mittel zugreifen könnten. Konkret erlauben die Regeln der Weltbank, dass Länder bis zu 10 Prozent solcher Mittel aus bestehenden Programmen kurzfristig abrufen können. „Wir als Institution können helfen, da wir über bestimmte Reaktionsfenster verfügen, die wir als Krisenreaktionsfenster bezeichnen", sagte Banga.
In den nächsten zwei bis drei Monaten könnten betroffene Länder über diese Mechanismen potenziell rund 30 Milliarden US-Dollar mobilisieren. Innerhalb von sechs Monaten stünden sogar bis zu 70 Milliarden US-Dollar zur Verfügung. Banga verwies dabei auf die Erfahrungen der Weltbank aus der COVID-19-Pandemie, als die Institution auf dem Höhepunkt der Krise ebenfalls Milliarden von US-Dollar schnell ausgezahlt hatte.
Warnung vor kostspieligen Subventionen
Gleichzeitig mahnte der Weltbank-Präsident zur Haushaltsdisziplin. Er warnte die betroffenen Länder ausdrücklich davor, ihre fiskalischen Herausforderungen durch Subventionen zu verschärfen, die sie sich nicht leisten könnten. Solche Maßnahmen könnten in künftigen Jahren noch größere wirtschaftliche Probleme auslösen.
Banga erwartet, dass die in Washington zusammenkommenden Finanzvertreter intensiv darüber diskutieren werden, wie Weltbank und IWF jenen Ländern helfen können, die durch steigende Energiepreise und kriegsbedingte Lieferkettenunterbrechungen besonders hart getroffen wurden. Die Frühjahrstagungen beider Institutionen gelten als wichtiges Forum für die internationale Koordination der Wirtschafts- und Finanzpolitik und werden von Finanzministern und Notenbankchefs aus aller Welt besucht.
