Weizen-Futures nahe Sechs-Wochen-Tief: Starker US-Dollar bremst die Erholung
Die Weizen-Futures an der CBOT halten sich nahe den Sechswochen-Tiefständen; ein saudisches Ausschreibungsverfahren stützt, der starke US-Dollar begrenzt die Gewinne.

Die Weizen-Futures an der Chicagoer Warenbörse (CBOT) notierten am Freitag nahezu unverändert und hielten sich damit nahe ihren Sechswochen-Tiefständen. Ein Importausschreibungsverfahren aus Saudi-Arabien stützte das Nachfragesentiment, doch Gewinne wurden durch die Stärke des US-Dollars begrenzt. Dies teilten Marktanalysten mit.
Der am meisten gehandelte Weizenkontrakt an der Chicago Board of Trade fiel um 0,04 Prozent auf 6,82-1/2 US-Dollar pro Bushel. Damit bleibt der Weizenmarkt in einer engen Handelsspanne gefangen, in der sich positive Nachfragesignale und der Gegenwind durch den starken Dollar die Waage halten.
Auch bei den übrigen Agrarrohstoffen an der CBOT ging es am Freitag überwiegend abwärts. Die Mais-Futures fielen und bewegten sich in der Nähe eines Sechswochen-Tiefs, während die Sojabohnen-Futures sanken. Grund für den Druck bei Sojabohnen sind große Mengen, die aus der laufenden Ernte in den USA hervorgehen.
Die Details
Der meistgehandelte CBOT-Maiskontrakt stand um 11:43 Uhr CDT (16:43 Uhr GMT) bei 4,97 US-Dollar pro Bushel und war damit um 1,05 Prozent gefallen. Er bewegte sich nahe dem Sechswochen-Tief von 4,95 US-Dollar, das am Donnerstag erreicht worden war. Der Markt reagierte damit weiterhin auf die Schätzung des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) vom Mittwoch bezüglich der US-Maisbestände, die höher ausfiel als erwartet.
Die CBOT-Sojabohnen lagen nach einem Kontakt mit einem Fünfwochen-Tief von 12,73-1/4 US-Dollar bei 12,77 US-Dollar pro Bushel und waren um 0,55 Prozent gesunken. Der Weizenkontrakt gab wie erwähnt leicht um 0,04 Prozent auf 6,82-1/2 US-Dollar pro Bushel nach.
Für zusätzliche Bewegung sorgte eine Anpassung der Ernteprognosen durch die Kommoditäten-Brokerage StoneX (Nasdaq:SNEX). Am Donnerstag senkte das Unternehmen seine Schätzung für den durchschnittlichen Maisertrag in den USA im Jahr 2026 und reduzierte auch seine Prognose für die Maisproduktion. Zugleich erhöhte StoneX seine Schätzungen für Sojabohnenertrag und -produktion gegenüber seinem vorherigen Monatsbericht, der am 8. September veröffentlicht worden war.
Die Händler beobachten sorgfältig das Ausmaß der Mais- und Sojabohnenernte in den USA im Herbst. Dies geschieht, bevor das US-Landwirtschaftsministerium nächste Woche seinen nächsten Bericht zur Pflanzenproduktion sowie den monatlichen Bericht mit dem Titel „World Agricultural Supply and Demand Estimates“ veröffentlicht.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuellen Kursbewegungen stehen in einer längeren Reihe von Berichten, die aktien.news in den vergangenen Monaten zum US-Agrarmarkt veröffentlicht hat. Bereits am 15.09.2026 berichtete aktien.news, dass die Mais-Futures an der Chicago Board of Trade deutliche Verluste verzeichneten. Die Preise für den wichtigsten Getreiderohstoff fielen damals um zwei bis fünf Cent pro Bushel. Als Haupttreiber nannte der Bericht einen sich stärkenden US-Dollar sowie überraschend positive Erntebewertungen des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA). Der CBOT-Mais-Future für Dezember notierte damals zuletzt mit einem Minus von fünf Cent bei 4,75 US-Dollar pro Bushel.
Schon am 14.08.2026 hatte aktien.news über Druck auf die US-Mais-Futures berichtet. Händler nutzten damals die Gelegenheit zur Gewinnmitnahme nach kräftigen Kursgewinnen der vorangegangenen Sitzung. Zusätzlichen Druck übten Wettervorhersagen aus, die für die kommende Woche vorteilhafte Regenfälle im Kernanbaugebiet des Mittleren Westens ankündigten. An der CBOT fiel der Dezember-Mais-Kontrakt bis 12:45 Uhr CDT um 8-3/4 Cents auf 4,72 US-Dollar pro Scheffel.
Am 29.07.2026 meldete aktien.news, dass die Mais-Futures an der CBOT nachgegeben hatten, weil Händler laut Marktanalysten mit verbesserten Wetterbedingungen für die US-Ernten rechneten. Die Dezember-Mais-Futures fielen damals um 3,5 Cent auf 4,77 US-Dollar pro Scheffel, insgesamt verzeichneten die Maispreise einen Rückgang von drei bis fünf Cent.
Ein gegensätzliches Bild zeigte sich am 01.07.2026: Damals stiegen die US-Mais-Futures deutlich, nachdem das USDA überraschende Daten zu Anbauflächen und Lagerbeständen veröffentlicht hatte. Laut dem jährlichen Flächenbericht des USDA bestellten amerikanische Landwirte im Jahr 2026 insgesamt 95,343 Millionen Acres mit Mais – ein spürbarer Rückgang gegenüber den 98,788 Millionen Acres des Vorjahres. Damit lagen die Flächen zwar über der durchschnittlichen Analystenschätzung von 94,992 Millionen Acres, signalisierten aber dennoch eine deutliche Einschränkung des Angebots.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger, die über Rohstoff-ETFs, Agrarfonds oder entsprechende Zertifikate am US-Agrarmarkt engagiert sind, zeigt sich derzeit ein Marktumfeld mit gegenläufigen Kräften. Auf der einen Seite steht die Nachfrageseite: Das Importausschreibungsverfahren aus Saudi-Arabien stützte das Nachfragesentiment beim Weizen. Auf der anderen Seite belastet die Stärke des US-Dollars die Preise, da ein starker Dollar Agrarrohstoffe für Käufer außerhalb der USA verteuert.
Bei Mais und Sojabohnen dominiert aktuell die Ernteseite. Die höher als erwartet ausgefallene USDA-Schätzung zu den US-Maisbeständen vom Mittwoch sowie die großen Mengen aus der laufenden US-Sojabohnenernte setzen die Notierungen unter Druck. Die Anpassung der StoneX-Prognosen – niedrigerer Maisertrag und geringere Maisproduktion, aber höhere Sojabohnenwerte – verdeutlicht, wie stark die Erwartungen an die kommende Ernte derzeit schwanken.
Entscheidend für die weitere Richtung dürften die offiziellen Zahlen des USDA in der kommenden Woche sein. Bis dahin bleibt abzuwarten, ob sich die Preise an den Sechswochen-Tiefständen stabilisieren können oder ob der Verkaufsdruck anhält. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Der nächste wichtige Termin steht bereits fest: Das US-Landwirtschaftsministerium veröffentlicht in der kommenden Woche seinen nächsten Bericht zur Pflanzenproduktion sowie den monatlichen „World Agricultural Supply and Demand Estimates“-Bericht. Händler beobachten bis dahin sorgfältig das Ausmaß der Mais- und Sojabohnenernte in den USA im Herbst. Von diesen Daten dürften neue Impulse für Mais, Sojabohnen und Weizen ausgehen.
Kurz erklärt
- Futures: Standardisierte Terminkontrakte, mit denen Rohstoffe wie Weizen, Mais oder Sojabohnen zu einem vorab festgelegten Preis für einen künftigen Liefertermin gehandelt werden.
- Bushel: Eine im US-Agrarhandel gebräuchliche Mengeneinheit, in der Preise für Getreide und Ölsaaten notiert werden.
- USDA: Das US-Landwirtschaftsministerium, das regelmäßig Ernteschätzungen, Bestandsdaten und Angebotsprognosen für Agrarrohstoffe veröffentlicht.
- Importausschreibung: Ein Verfahren, bei dem ein Staat oder ein Großabnehmer Liefermengen eines Rohstoffs öffentlich ausschreibt und Anbieter Angebote einreichen.
