VDMA senkt Produktionsprognose: Maschinenbau leidet unter schwacher Inlandsnachfrage
Die deutsche Maschinenbaubranche kämpft mit schwacher Inlandsnachfrage – der VDMA rechnet für das laufende Jahr mit einem Produktionsrückgang.

Die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer blicken mit wachsender Sorge auf die Nachfrage im eigenen Land. Im August sank der Bestellwert um 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, auch weil Großaufträge fehlten. Die Branche gilt als exportorientiert, doch gerade die schwache Inlandsnachfrage bereitet den Unternehmen derzeit Kopfzerbrechen.
Bemerkenswert ist, dass die Auslandsaufträge im August mit minus 6 Prozent sogar stärker zurückgingen als die Bestellungen aus dem Inland. Der einzelne Monat täuscht jedoch: Über einen längeren Zeitraum zeigt sich ein anderes Bild. Erst der Blick auf mehrere Monate macht die tatsächliche Entwicklung sichtbar.
Gernandt sieht den Standort Deutschland angeschlagen
VDMA-Chefvolkswirt Johannes Gernandt findet deutliche Worte für die Lage. „Das zeigt, wie angeschlagen der Standort Deutschland ist und wie dringend es durchgreifende Reformen benötigt", sagt er. Die Inlandsaufträge schrumpfen nach seinen Angaben von Monat zu Monat. Das ist ein Warnsignal, denn das Inland ist traditionell ein wichtiger Abnehmer der heimischen Hersteller.
Betrachtet man den Dreimonatszeitraum von Juni bis August, ergibt sich ein differenziertes Bild. Die Auslandsaufträge legten in diesem Zeitraum um 11 Prozent zu. Die Inlandsaufträge gingen dagegen um 1 Prozent zurück. Insgesamt stiegen die Auftragseingänge in diesen drei Monaten um 7 Prozent – allerdings gegenüber einem schwachen Vorjahreszeitraum.
Produktionsprognose auf minus 2 Prozent gesenkt
Auch über das Gesamtjahr bleibt die Entwicklung verhalten positiv. In den ersten acht Monaten dieses Jahres verzeichnete die Branche einen Zuwachs von 4 Prozent bei den Auftragseingängen. Die Anlagen der Hersteller sind dennoch weiterhin nicht ausgelastet. Vor diesem Hintergrund senkte der VDMA erst vor zwei Wochen seine Produktionsprognose für das laufende Jahr auf minus 2 Prozent.
Die Branche rechnet nicht mit einer raschen Erholung. Nach vier Jahren Schrumpfung wird erst 2027 wieder Wachstum erwartet. Die jüngste Korrektur der Prognose zeigt, wie groß die Verunsicherung in der Branche derzeit ist.
Was das für Anleger bedeutet
Für Privatanleger sind die Zahlen ein wichtiger Indikator für die Verfassung des Industriestandorts Deutschland. Der Maschinenbau gilt als Frühindikator für die Konjunktur, weil seine Produkte in vielen Branchen zum Einsatz kommen. Schwache Inlandsaufträge deuten darauf hin, dass Investitionen im Inland zurückhaltend ausfallen.
Wer in Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus investiert ist, sollte die Auftragseingänge und die Auslastung der Anlagen genau verfolgen. Der positive Dreimonatstrend bei den Auslandsaufträgen zeigt, dass die Exportnachfrage intakt ist. Die anhaltende Schwäche im Inland bleibt jedoch ein Risiko. Eine nachhaltige Erholung dürfte erst mit dem erwarteten Wachstum im Jahr 2027 einsetzen.
