VAE umgehen Straße von Hormus bei Öllieferungen über Fudschaira
Die Abu Dhabi National Oil Co. bietet Vertragskunden Ölladungen per Ship-to-Ship-Transfer vor Fudschaira an – außerhalb des Persischen Golfs.

Die Vereinigten Arabischen Emirate suchen alternative Wege, um ihr Öl auf den Weltmarkt zu bringen. Die staatliche Abu Dhabi National Oil Co. (ADNOC) hat einige ihrer Vertragskunden darüber informiert, dass Ölladungen außerhalb des Persischen Golfs – konkret vor der Küste Fudschairas – zur Verfügung stehen. Dies berichten Händler, die anonym bleiben wollten, da die Verhandlungen vertraulich sind.
Konkret bietet ADNOC seinen Abnehmern an, Ladungen verschiedener Sorten per sogenanntem Ship-to-Ship-Transfer (STS) aufzunehmen. Bei diesem Verfahren wird Rohöl auf offener See von einem Tanker auf einen anderen umgeladen, ohne dass ein Hafen im Persischen Golf angelaufen werden muss. Zu den angebotenen Sorten gehört unter anderem die Sorte Upper Zakum, eine der wichtigsten Rohölqualitäten der VAE.
Die betroffenen Ladungen stehen laut den Händlern primär für eine Verladung im Mai zur Verfügung. Damit reagiert der staatliche Produzent offenbar auf die Notwendigkeit, Lieferketten flexibler zu gestalten und verschiedene Routen für den Ölexport zu prüfen.
Fudschaira als strategischer Knotenpunkt
Der Hafen von Fudschaira liegt an der Ostküste der Vereinigten Arabischen Emirate, direkt am Golf von Oman – und damit außerhalb der strategisch sensiblen Straße von Hormus. Diese Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman ist eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt und gilt als neuralgischer Punkt für den globalen Ölhandel. Rund 20 Prozent des weltweit gehandelten Öls passieren diese enge Wasserstraße.
Fudschaira hat sich in den vergangenen Jahren gezielt als alternatives Öl-Drehkreuz positioniert. Die VAE haben zudem eine Pipeline – die Abu Dhabi Crude Oil Pipeline (ADCOP) – gebaut, die Rohöl vom Binnenland direkt nach Fudschaira transportiert und so eine Umgehung der Straße von Hormus ermöglicht. Diese Infrastruktur macht Fudschaira zu einem wichtigen Instrument der emiratischen Energiepolitik.
Produzenten prüfen alternative Exportrouten
Laut den Händlern prüfen Produzenten derzeit verschiedene Routen, um ihr Öl auf den Markt zu bringen. Das Angebot von ADNOC, Ladungen per Ship-to-Ship-Transfer vor Fudschaira bereitzustellen, ist ein konkretes Beispiel für diese Bemühungen. Für internationale Ölkäufer bedeutet dies mehr Flexibilität bei der Abnahme emiratischer Rohölsorten.
Der Ship-to-Ship-Transfer ist im internationalen Ölhandel ein etabliertes Verfahren. Es ermöglicht es, große Mengen Rohöl effizient umzuladen, ohne auf Hafeninfrastruktur angewiesen zu sein. Gerade in geopolitisch unsicheren Zeiten gewinnt diese Methode an Bedeutung, da sie Lieferketten widerstandsfähiger gegenüber regionalen Störungen macht.
Für deutsche und europäische Ölimporteure sowie Energieunternehmen, die VAE-Rohöl beziehen, könnte das Angebot von ADNOC neue logistische Optionen eröffnen. Die Verfügbarkeit von Sorten wie Upper Zakum außerhalb des Persischen Golfs erhöht die Versorgungssicherheit und reduziert potenzielle Risiken, die mit der Durchfahrt durch die Straße von Hormus verbunden sind.
