Iran-Verhandlungen festgefahren: Ölpreise steigen deutlich an
Festgefahrene Iran-Gespräche treiben Ölpreise nach oben – Brent könnte laut Citigroup auf 130 Dollar steigen.

Die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran befinden sich in einer Patt-Situation. Der Iran hat regionalen Vermittlern ein neues Angebot unterbreitet, um seine Angriffe auf Schiffe in der Straße von Hormus zu beenden. Als Gegenleistung fordert Teheran ein vollständiges Ende des Krieges, die Aufhebung der US-Seeblockade iranischer Häfen sowie einen Aufschub der laufenden Atomverhandlungen.
Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, machte deutlich, dass Präsident Trumps „rote Linien" gegenüber dem Iran weiterhin klar definiert seien. Sie deutete zudem an, dass sich der Präsident möglicherweise bald persönlich zur Lage äußern werde. Eine Einigung scheint damit vorerst in weiter Ferne zu liegen.
Ölpreise reagieren mit deutlichen Aufschlägen
Die geopolitische Unsicherheit rund um die Straße von Hormus – eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt für den Öltransport – schlug sich unmittelbar in den Rohstoffmärkten nieder. Nymex-Rohöl zur Lieferung im Juni verteuerte sich um 2,1 Prozent auf 96,37 Dollar pro Barrel. Die Nordseesorte ICE Brent zur Juni-Lieferung legte sogar um 2,8 Prozent auf 108,23 Dollar zu.
Angesichts der angespannten Lage haben sowohl Goldman Sachs als auch die Citigroup ihre Ölpreisprognosen nach oben revidiert. Die Citigroup erwartet für das zweite Quartal nun einen Brent-Preis von 110 Dollar pro Barrel – zuvor lag die Schätzung bei 95 Dollar. Das entspricht einer Anhebung um rund 16 Prozent.
Besonders brisant: Sollten die Warenströme durch die Straße von Hormus bis Ende Juni weiterhin gestört bleiben, könnte Brent im zweiten Quartal laut Citigroup-Analysten im Durchschnitt sogar 130 Dollar pro Barrel kosten. Ein solches Szenario würde Verbraucher und Unternehmen weltweit erheblich belasten – auch in Deutschland, das stark von Energieimporten abhängig ist.
Aktienmärkte zeigen sich wenig bewegt
Trotz der Turbulenzen am Ölmarkt reagierten die US-Aktienmärkte vergleichsweise gelassen. Der S&P 500 schloss den Handelstag mit einem minimalen Plus von 0,1 Prozent. Der technologielastige Nasdaq legte ebenfalls leicht um 0,2 Prozent zu, während der Dow Jones Industrial Average um 0,1 Prozent nachgab.
Die verhaltene Reaktion der Aktienmärkte deutet darauf hin, dass Investoren die geopolitischen Risiken zwar im Blick behalten, aber noch keine unmittelbare Eskalation einpreisen. Entscheidend für die weitere Marktentwicklung dürfte sein, ob die Verhandlungen zwischen Washington und Teheran in den kommenden Tagen Fortschritte erzielen – oder ob sich die Lage in der Straße von Hormus weiter zuspitzt.
