USTR Greer: USA halten an Handelsposition gegenüber Kanada fest
US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer verweist auf eine Wahl in Quebec und betont, Washington halte in den Gesprächen mit Ottawa standhaft.

Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer hat am Donnerstag klargestellt, dass die Vereinigten Staaten in den Handelsverhandlungen mit Kanada nicht von ihrer Position abrücken. In einem Interview mit dem US-Sender CNBC verwies Greer darauf, dass eine Wahl in der kanadischen Provinz Quebec die Regierung in Ottawa derzeit beschäftigt. „Wir halten standhaft mit den Kanadiern", sagte Greer.
Zugleich betonte der US-Handelsbeauftragte die grundsätzliche Gesprächsbereitschaft Washingtons. „Wenn die Kanadier bereit sind, eine Einigung zu erzielen, werden wir natürlich bereit sein, zu sprechen", so Greer. Die Nachrichtenagentur Reuters meldete seine Aussagen am Donnerstag aus Washington. Konkrete neue Zugeständnisse, Fristen oder Zahlen nannte Greer in dem Interview nicht.
Die Äußerungen fallen in eine Phase, in der die Verhandlungen über das nordamerikanische Freihandelsabkommen USMCA seit Monaten andauern. Greer verwies auf die laufenden Gespräche und die politische Lage im Nachbarland, ohne Einzelheiten zu nennen. Die USA und Kanada sind über das USMCA eng wirtschaftlich verbunden; Gespräche auf höchster Ebene hat es in den vergangenen Monaten wiederholt gegeben. Greers jüngste Aussagen ordnen sich in diese laufende Auseinandersetzung ein.
Die Details
Greer beschrieb den Stand der Gespräche mit deutlichen Worten. „Wir führen häufig Gespräche mit unseren kanadischen Kollegen, auch auf höchster Ebene. Ich denke, im Moment wird deutlich, wo die Dinge landen", sagte er in dem CNBC-Interview. Damit deutete er an, dass sich die Positionen beider Seiten zunehmend klären.
Auf die politische Situation in Kanada ging Greer ebenfalls ein. „Dort oben findet eine Wahl statt. … Dort oben herrscht etwas Besorgnis. Das würde ich sagen. Ich glaube, wir halten standhaft mit den Kanadiern", sagte er. Welche Wahl genau gemeint ist und welche Auswirkungen sie auf die Verhandlungen hat, führte Greer nicht weiter aus.
Klar ist: Die USA sehen derzeit keinen Anlass, ihre Haltung zu ändern. Eine Einigung hängt aus Greers Sicht davon ab, ob Kanada sich bewegt. „Wenn die Kanadier bereit sind, eine Einigung zu erzielen, werden wir natürlich bereit sein, zu sprechen", betonte er. Ein Zeitplan für weitere Gespräche wurde nicht genannt.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuellen Äußerungen sind Teil einer längeren Verhandlungsgeschichte. Bereits am 02.06.2026 berichtete aktien.news, dass der kanadische Minister für den Handel mit den USA, Dominic LeBlanc, den US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer traf. Begleitet wurde LeBlanc von Janice Charette, der kanadischen Chefunterhändlerin für den Handel mit den Vereinigten Staaten. Das Treffen fand zu einem heiklen Zeitpunkt statt: Kanada war in der Woche zuvor von bilateralen Handelsgesprächen zwischen den USA und Mexiko ausgeschlossen worden. Der genaue Zweck des Treffens wurde in der Erklärung aus LeBlancs Büro nicht näher spezifiziert.
Nur einen Tag später, am 03.06.2026, meldete aktien.news ein positives Treffen zur Überprüfung des Freihandelsabkommens USMCA. LeBlanc erklärte damals in Washington, er habe sich gemeinsam mit Charette mit Greer getroffen, lehnte es jedoch ab, nähere Details zum Inhalt der Gespräche zu nennen. „Wir haben Botschafter Greer eine Reihe spezifischer Vorschläge unterbreitet, die wir im breiteren Kontext der nordamerikanischen Wirtschaft für sinnvoll halten und die auf einige langjährige Fragen reagieren, die die Vereinigten Staaten uns gegenüber aufgeworfen haben", so LeBlanc seinerzeit.
Bereits am 08.04.2026 hatte aktien.news berichtet, dass Greer auf einer Veranstaltung des Hudson Institute einräumte, die Verhandlungen über das USMCA würden die kritische Frist am 1. Juli wahrscheinlich nicht einhalten. „Ich denke daher, dass wir bis zum 1. Juli wahrscheinlich nicht alle Probleme lösen werden", sagte Greer damals. Er betonte, Präsident Donald Trump habe „deutlich gemacht, dass er mit vielen Ergebnissen des USMCA unzufrieden ist". Als konkreten Kritikpunkt nannte Greer einen erheblichen Anstieg der Automobilimporte aus Mexiko.
Am 02.10.2026 berichtete aktien.news zudem, dass Greer klargestellt habe, ein Handelsabkommen mit Indien stehe nicht unmittelbar bevor. Die Verhandlungen zwischen Washington und Neu-Delhi liefen zwar weiter, eine Einigung sei jedoch nicht „kurz bevorstehend". Diese Äußerungen zeigen, dass die US-Handelspolitik derzeit mehrere Baustellen gleichzeitig bearbeitet.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger sind die Verhandlungen zwischen Washington und Ottawa vor allem indirekt relevant. Das USMCA regelt den Handel zwischen den USA, Kanada und Mexiko und betrifft damit einen der größten Wirtschaftsräume der Welt. Wenn sich die Bedingungen ändern, kann das Lieferketten und damit auch exportorientierte Unternehmen beeinflussen, die in Nordamerika aktiv sind.
Greers Hinweis auf gestiegene Automobilimporte aus Mexiko als Kritikpunkt zeigt, wie stark einzelne Branchen von den Verhandlungen betroffen sein können. Anleger, die in der Automobil- oder Zulieferindustrie engagiert sind, dürften die weitere Entwicklung daher besonders aufmerksam verfolgen. Eine direkte Handlungsempfehlung lässt sich aus den Aussagen jedoch nicht ableiten — die Verhandlungen sind offen.
Klar ist auch: Die USA verfolgen ihre Handelsagenda gegenüber mehreren Partnern gleichzeitig. Neben Kanada und Mexiko gehören auch Länder wie Indien dazu. Diese Parallelität kann die Verhandlungsdynamik beeinflussen, weil Washington seine Aufmerksamkeit auf mehrere Fronten verteilen muss. Für Anleger bedeutet das, dass sich Fortschritte oder Rückschläge in einem Bereich auch auf die Stimmung in anderen Verhandlungen auswirken können.
Ausblick
Konkrete neue Termine nannte Greer in dem CNBC-Interview nicht. Aus früheren Berichten ist jedoch bekannt, dass die USA und Kanada die Überprüfung des USMCA vorantreiben und dass die Frist am 1. Juli nach Einschätzung Greers vom 08.04.2026 wahrscheinlich nicht vollständig eingehalten werden kann.
Greer ließ offen, wann die nächste Gesprächsrunde stattfinden soll. Er machte deutlich, dass die USA auf eine Bewegung Kanadas warten. Sobald Kanada bereit sei, eine Einigung zu erzielen, stünden die USA für Gespräche bereit. Bis dahin bleibt die US-Position nach seinen Worten unverändert.
Kurz erklärt
- USMCA: Das nordamerikanische Freihandelsabkommen zwischen den USA, Kanada und Mexiko regelt den Handel und die Investitionen in der Region.
- USTR: Das Office of the United States Trade Representative ist die US-Behörde, die die Handelspolitik der Vereinigten Staaten verhandelt und durchsetzt.
- Handelsbeauftragter: Ein Regierungsvertreter, der im Auftrag seines Landes internationale Handelsabkommen aushandelt und vertritt.
