US-Wirtschaft im Iran-Krieg: Wie robust ist die Abschirmung?
Die US-Wirtschaft widersteht dem Iran-Krieg bislang erstaunlich gut – doch Benzinpreise, Düngemittel und Helium werden zur Achillesferse.

Die US-Wirtschaft hat in den vergangenen Jahren bewiesen, dass sie außergewöhnlich widerstandsfähig ist. Sie überstand einen eskalierenden Handelskrieg, Schocks beim Arbeitskräfteangebot und heftige Turbulenzen an den Aktienmärkten – und trotzte dabei scheinbar der wirtschaftlichen Schwerkraft. Nun steht sie vor einer neuen Belastungsprobe: einem globalen Ölschock infolge des Iran-Krieges, der am 28. Februar 2026 begann.
Zu Kriegsbeginn war die Ausgangslage der amerikanischen Volkswirtschaft vergleichsweise günstig. Robuste Konsumausgaben, sinkende Zinssätze und Rekordstände an den Aktienmärkten bildeten ein solides Fundament. Benzin kostete weniger als 3 US-Dollar pro Gallone – ein Niveau, das amerikanischen Verbrauchern und Unternehmen spürbaren finanziellen Spielraum ließ.
Benzinpreise und Versorgungsengpässe als größte Risiken
Doch die Immunität gegenüber dem Krieg ist nicht vollständig. Die Benzinpreise sind seit Kriegsbeginn sprunghaft angestiegen und belasten vor allem jene Amerikaner, die ohnehin bereits mit den Nachwirkungen der Inflation zu kämpfen haben. Besonders hart trifft es Unternehmen, die in hohem Maße von Treibstoff abhängig sind – etwa Logistik- und Transportunternehmen sowie die Landwirtschaft.
Analysten warnen darüber hinaus vor drohenden Engpässen bei zwei kritischen Rohstoffen: Düngemittel, die für die landwirtschaftliche Produktion unerlässlich sind, könnten knapp werden. Ebenso steht Helium unter Druck – ein auf den ersten Blick unscheinbares Gas, das jedoch als unverzichtbare Komponente in medizinischen Geräten und bei der Chipproduktion gilt. Engpässe hier könnten Lieferketten in der Hightech-Industrie und im Gesundheitswesen empfindlich stören.
Für die USA ist zudem die wirtschaftliche Lage in Europa von Bedeutung. Europäische Volkswirtschaften leiden unter dem Ölschock deutlich stärker als die USA, was die Kaufkraft ausländischer Kunden für amerikanische Waren und Dienstleistungen schwächt. Ein Rückgang der Exportnachfrage könnte das US-Wachstum zusätzlich bremsen.
Wie lange hält die US-Wirtschaft durch?
Die entscheidende Frage lautet: Wie lange kann die US-Wirtschaft den Belastungen standhalten? Ökonomen zeichnen dabei zwei Szenarien. Sollte der Krieg nur noch wenige Wochen andauern, dürften sinkende Benzinpreise im weiteren Jahresverlauf für wirtschaftlichen Rückenwind sorgen und die kurzfristigen Schäden begrenzen.
Hält die Belastung jedoch über mehrere Monate an, werden Ökonomen zunehmend eine konjunkturelle Abkühlung oder gar eine Rezession in Betracht ziehen müssen. Die Kombination aus höheren Energiekosten, Versorgungsengpässen und schwächerer Auslandsnachfrage könnte dann zu viel für die bislang widerstandsfähige US-Konjunktur werden.
Präsident Trump äußerte sich am Mittwoch in einer Rede zur Hauptsendezeit optimistisch: Er werde Amerikas militärische Ziele „sehr bald" erreichen und werde den Iran „in den nächsten zwei bis drei Wochen extrem hart" treffen. Ob diese Zeitplanung realistisch ist, bleibt abzuwarten.
Die Finanzmärkte zeigten sich am Donnerstag nach der Rede weitgehend unbeeindruckt: Die US-Aktienmärkte schlossen kaum verändert. Anders hingegen die Rohstoffmärkte – die US-Öl-Futures schnellten deutlich in die Höhe, ein klares Signal, dass Investoren die Unsicherheit rund um die Energieversorgung weiterhin als das zentrale Risiko einschätzen.
Für deutsche Anleger und Unternehmen ist die Entwicklung in den USA von direkter Relevanz. Als wichtigster Handelspartner und Leitmarkt der Weltwirtschaft strahlt die US-Konjunktur unmittelbar auf Europa aus. Eine US-Rezession würde auch die ohnehin unter Druck stehende deutsche Exportwirtschaft zusätzlich belasten.
