US-Wirtschaft erholt sich im April trotz Iran-Konflikt und Preisanstieg
Der US-Composite-PMI steigt auf 52,0, doch gestörte Lieferketten treiben Verkaufspreise auf Vierjahreshoch.

Die US-Wirtschaft hat im April wieder Fahrt aufgenommen. Der vorläufige US Composite PMI Output Index – ein Maß für die kombinierte Aktivität im verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungssektor – stieg laut S&P Global auf 52,0 Punkte, nach 50,3 im März. Der März-Wert war der niedrigste Stand seit September 2023 und hatte die Wirtschaft nahe an einer Stagnation gehalten. Jeder Wert über 50 signalisiert Wachstum im Privatsektor.
„Eine Erholung des Wachstums der Wirtschaftsleistung im April ist eine gute Nachricht nach der Beinahe-Stagnation im März. In den letzten drei Monaten verzeichneten wir jedoch die schwächste Ausweitung der Produktion seit Beginn des Jahres 2024, wofür eindeutig der Krieg im Nahen Osten verantwortlich ist", sagte Chris Williamson, Chefvolkswirt bei S&P Global Market Intelligence.
Verarbeitendes Gewerbe als Wachstumstreiber
Den größten Beitrag zur Erholung leistete das verarbeitende Gewerbe. Der PMI für die Industrie kletterte von 52,3 im März auf ein 47-Monats-Hoch von 54,0 Punkten. S&P Global führt diesen Anstieg auf einen verstärkten Lageraufbau zurück – Unternehmen reagieren damit auf Bedenken hinsichtlich der Lieferverfügbarkeit und steigender Preise. Auch die Auftragseingänge in den Fabriken zogen deutlich an: von 52,3 im März auf 54,8 Punkte im April.
Der deutlich größere Dienstleistungssektor erholte sich ebenfalls. Der entsprechende PMI stieg auf 51,3 Punkte, nachdem er im März mit 49,8 Punkten erstmals seit Januar 2023 unter die Wachstumsschwelle gefallen war. Die Erholung fällt hier jedoch moderater aus als in der Industrie.
Iran-Konflikt stört Lieferketten und treibt Preise
Ein zentrales Problem bleibt der Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran. Teheran schloss die Straße von Hormus faktisch, nachdem US-israelische Angriffe auf den Iran am 28. Februar begonnen hatten. Die strategisch bedeutende Meerenge ist ein zentraler Knotenpunkt für den globalen Schiffsverkehr und den Transport von Öl sowie anderen Rohstoffen wie Düngemitteln, Petrochemikalien und Aluminium. Die Unterbrechung des Schiffsverkehrs treibt die Preise für diese Güter in die Höhe.
Präsident Donald Trump verlängerte zwar am Dienstag den Waffenstillstand mit dem Iran auf unbestimmte Zeit, doch die Blockade iranischer Häfen durch die US-Marine bleibt bestehen. Die Unsicherheit in der Region hält damit an und belastet weiterhin die globalen Lieferketten.
Verkaufspreise auf höchstem Stand seit Juli 2022
Die Folgen für die Preise sind deutlich messbar. Der Index für die Verkaufspreise stieg im April auf 59,9 Punkte – den höchsten Stand seit Juli 2022 – nach 58,1 im März. Auch die von Unternehmen für Vorleistungen gezahlten Preise kletterten von 60,9 im März auf ein 11-Monats-Hoch von 62,6 Punkten. S&P Global stellte zudem fest, dass die Lieferzeiten der Fabriken so lang waren wie seit August 2022 nicht mehr.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Zulieferer bereits vor dem Krieg durch die breit angelegten Zölle der Trump-Administration unter Druck standen. Die Kombination aus Handelspolitik und militärischem Konflikt erzeugt damit einen doppelten Belastungsfaktor für die Lieferketten. Für deutsche Anleger und Exporteure ist diese Entwicklung besonders relevant, da steigende US-Inputpreise und verlängerte Lieferzeiten auch Auswirkungen auf den globalen Handel haben können.
