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SNB-Chef Schlegel warnt vor Stagflationsrisiko durch anhaltenden Energieschock

SNB-Präsident Martin Schlegel sieht die Schweizer Wirtschaft unter Druck, falls Energiepreise durch den Konflikt dauerhaft hoch bleiben.

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SNB-Chef Schlegel warnt vor Stagflationsrisiko durch anhaltenden Energieschock

SNB-Präsident Martin Schlegel hat vor den wirtschaftlichen Folgen eines langanhaltenden Energiepreisschocks gewarnt. In einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung vom Freitag erklärte er, dass die Dauer des Konflikts und die Entwicklung der Energiepreise entscheidend für den Ausblick der Schweizer Wirtschaft seien. Sollten die Preise dauerhaft hoch bleiben, drohen steigende Inflation und gedämpftes Wachstum.

Ob bereits ein Stagflationsrisiko bestehe – also eine Phase mit gleichzeitig schleppendem Wachstum und steigenden Preisen – sei laut Schlegel noch nicht abzuschätzen. „Die entscheidende Frage ist, wie lange der Konflikt andauern wird und ob die Energiepreise hoch bleiben", sagte der SNB-Chef. Bei einer raschen Normalisierung der Preise dürften die Auswirkungen auf Inflation und Wachstum nur vorübergehend sein – ein länger anhaltender Schock hätte jedoch deutlich gravierendere Folgen.

Zentralbanken vor schwieriger Abwägung

Schlegel unterschied dabei klar zwischen einem kurzfristigen Angebotsschock und strukturell verfestigten Preissteigerungen. „Momentan ist unklar, ob es sich nur um einen vorübergehenden Angebotsschock handelt. Zentralbanken können über solche Schocks im Allgemeinen hinwegsehen", erklärte er. Kritisch werde es jedoch, wenn sogenannte Zweitrundeneffekte auftreten – also wenn höhere Energiepreise zu breiten Preissteigerungen in der gesamten Wirtschaft führen. „Dann müssen die Zentralbanken handeln", so Schlegel.

Trotz der Risiken betonte der SNB-Präsident, dass sich die Schweiz in einer vergleichsweise soliden Ausgangslage befinde. Die Weltwirtschaft entwickle sich besser als erwartet, und die Schweizer Inflation sei vor Beginn des Nahost-Konflikts bereits auf einem niedrigen Niveau gewesen. Diese Faktoren verschaffen der Schweiz einen gewissen Puffer gegenüber externen Schocks.

Dennoch warnte Schlegel davor, die indirekten Auswirkungen höherer Ölpreise zu unterschätzen – auch wenn Energie in der Schweiz einen geringeren Anteil an den Haushaltsausgaben ausmacht als in vielen anderen Ländern. „Energie ist indirekt in vielen Gütern enthalten", sagte er und nannte konkret die Lebensmittelproduktion, den Transport sowie Verpackungen als Beispiele. Höhere Energiekosten wirken sich damit auf breite Teile des Konsumgüterkorbs aus.

Schlegel verteidigt strengere UBS-Kapitalregeln

Unabhängig von der Konjunkturlage verteidigte Schlegel auch die am Mittwoch vorgestellten Pläne für strengere Eigenkapitalvorschriften für die UBS. Er bezeichnete die geplanten Maßnahmen als „nicht extrem" und spielte Bedenken herunter, wonach die verschärften Regeln die Großbank zu einer Verlagerung ins Ausland zwingen könnten. Kapitalregeln seien nur ein Faktor unter vielen bei Standortentscheidungen, und er gehe davon aus, dass die UBS weiterhin einen wesentlichen Teil ihres Geschäfts in der Schweiz betreiben werde.

Die Aussagen Schlegels unterstreichen die Herausforderungen, vor denen die SNB aktuell steht: Einerseits muss sie die Preisstabilität im Blick behalten, andererseits darf sie das Wirtschaftswachstum nicht unnötig abwürgen. Die weitere Entwicklung der geopolitischen Lage und der globalen Energiemärkte dürfte damit auch die geldpolitischen Entscheidungen der Schweizer Notenbank in den kommenden Monaten maßgeblich beeinflussen.

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