US-Rentenversicherung: Neuer Vorschlag deckt Bezüge für Wohlhabende
Ein Thinktank schlägt vor, Social-Security-Zahlungen auf 50.000 Dollar jährlich zu begrenzen – und würde damit Milliarden einsparen.

Ein neuer Reformvorschlag für die amerikanische Rentenversicherung sorgt für Aufsehen: Der Washingtoner Thinktank Committee for a Responsible Federal Budget (CRFB) schlägt vor, künftige Rentenzahlungen auf maximal 50.000 Dollar jährlich für Alleinstehende und 100.000 Dollar für Paare zu begrenzen – unabhängig davon, wie viel die Betroffenen zuvor in das System eingezahlt haben. Damit würde erstmals eine harte Obergrenze für Besserverdiener eingeführt, die bislang entsprechend ihrer höheren Einzahlungen auch höhere Leistungen erhalten.
Der finanzielle Effekt wäre erheblich: Laut CRFB könnten die Leistungen für Gutverdiener in den nächsten zehn Jahren um geschätzte 190 Milliarden Dollar gekürzt werden. Über diesen Zeitraum hinaus würden die Einsparungen noch weiter steigen, da die Obergrenzen eingefroren bleiben sollen.
Mehr als die Hälfte der Finanzierungslücke könnte geschlossen werden
Der CRFB geht davon aus, dass eine Einführung und ein dauerhaftes Einfrieren dieser Obergrenzen über einen Zeitraum von 30 Jahren hinweg etwas mehr als die Hälfte der Finanzierungslücke des Programms über einen Zeithorizont von 75 Jahren schließen würde. Das ist ein bedeutsamer Beitrag zur Lösung eines der drängendsten Haushaltsprobleme der Vereinigten Staaten.
Die amerikanische Rentenversicherung Social Security steht seit Jahren unter erheblichem Finanzdruck. Demografische Veränderungen – eine alternde Bevölkerung und sinkende Geburtenraten – belasten das Umlageverfahren zunehmend. Experten warnen seit Langem, dass ohne Reformen die Mittel des Programms in den kommenden Jahrzehnten nicht mehr ausreichen werden, um die vollen Leistungen zu finanzieren.
Kleingedrucktes verdient genaue Beachtung
Trotz der positiven Wirkung auf die Finanzierungslücke empfiehlt der CRFB selbst, einen genauen Blick ins Kleingedruckte zu werfen. Denn die Deckelung würde nicht nur die Superreichen treffen, sondern künftig deutlich mehr Personen als auf den ersten Blick ersichtlich. Da die Obergrenzen eingefroren und nicht an die Inflation angepasst werden sollen, würden im Laufe der Zeit immer mehr Rentnerinnen und Rentner unter die Regelung fallen – ein Effekt, der aus der deutschen Diskussion über die sogenannte „kalte Progression" bei Steuern bekannt ist.
Für deutsche Beobachter ist der Vorschlag auch deshalb interessant, weil er grundlegende Fragen über das Verhältnis von Einzahlung und Leistung in staatlichen Rentensystemen aufwirft. In Deutschland gilt das Äquivalenzprinzip: Wer mehr einzahlt, bekommt mehr heraus. Eine Deckelung wie im CRFB-Vorschlag würde dieses Prinzip für Besserverdienende faktisch aushebeln und das System stärker in Richtung eines Solidarmodells verschieben.
Der Vorschlag stammt von Brett Arends, einem preisgekrönten Finanzjournalisten und Chartered Financial Consultant, der unter anderem für MarketWatch schreibt und zuvor als Analyst bei McKinsey & Co. tätig war. Ob der Vorschlag politisch umsetzbar ist, bleibt angesichts des polarisierten Klimas in Washington offen – er zeigt jedoch, dass die Debatte über die Zukunft der Social Security zunehmend konkrete Formen annimmt.
