Arhaus-CEO kassiert 900.000 Dollar Möbelrabatt als Vergütung
John Reed, Chef des US-Möbelhändlers Arhaus, erhielt 2025 Warenrabatte im Wert von über 900.000 Dollar – fast ein Fünftel seiner Gesamtvergütung.

John Reed, Mitbegründer, Chief Executive und Präsident des US-amerikanischen Möbelhändlers Arhaus, sorgt erneut für Aufsehen. Laut den aktuellen Proxy-Unterlagen des Unternehmens für das Jahr 2025 erhielt Reed Warenrabatte in Höhe von exakt 904.099 US-Dollar – ein Betrag, der selbst für erfahrene Vergütungsexperten ungewöhnlich ist.
Dieser Rabattbetrag macht knapp die Hälfte von Reeds „sonstiger Vergütung" für das Geschäftsjahr aus und entspricht fast einem Fünftel seiner gesamten Jahresvergütung von 4,6 Millionen US-Dollar. Zum Vergleich: Das Gesamtpaket liegt etwa ein Drittel unter dem durchschnittlichen Vergütungspaket eines CEO im britischen FTSE-100-Index – bei einer Marktkapitalisierung von Arhaus von rund einer Milliarde US-Dollar.
Kein Einzelfall – sondern eine Steigerung
Dies ist nicht das erste Mal, dass Reeds ungewöhnliche Rabattvergütung öffentliche Aufmerksamkeit erregt. Bereits im Jahr 2024 wurde bekannt, dass der Arhaus-Chef über drei Jahre hinweg insgesamt 310.265 US-Dollar an „Rabatten auf Waren oberhalb des Mitarbeiterrabatts" angesammelt hatte. Der nun offengelegte Betrag für das Jahr 2025 allein übertrifft diese Dreijahressumme um fast das Dreifache.
Besonders bemerkenswert ist dies vor dem Hintergrund, dass selbst die hochpreisigen Produkte von Arhaus im unteren fünfstelligen Bereich liegen. Um einen Rabattwert von über 900.000 Dollar zu erzielen, müsste man eine außerordentlich große Anzahl von Möbelstücken erwerben.
Wie hoch war der tatsächliche Einkaufswert?
Die genaue Höhe der von Reed getätigten Möbelkäufe lässt sich aus den Unterlagen nicht eindeutig ableiten. Erschwerend kommt hinzu, dass unklar ist, wie der erfasste Rabatt genau berechnet wurde. Es bestehen zwei mögliche Interpretationen:
- Option 1: Der erfasste Rabatt liegt über dem Standard-Mitarbeiterrabatt, schließt diesen jedoch ein.
- Option 2: Der Rabatt wurde zusätzlich zum Standard-Mitarbeiterrabatt gewährt und für Vergütungszwecke vollständig separat behandelt.
Der reguläre Mitarbeiterrabatt bei Arhaus soll Berichten zufolge bei 30 Prozent liegen – doch auch diese Information hilft nicht dabei, Reeds Gesamtausgaben zu rekonstruieren. Arhaus wurde um eine Stellungnahme gebeten, hatte jedoch bis Redaktionsschluss nicht geantwortet – wie bereits beim ersten Bericht im Jahr 2024.
Unternehmensposition: Rabatt ist „angemessen"
In den offiziellen Proxy-Unterlagen begründet Arhaus die ungewöhnliche Vergütungskomponente wie folgt: Reed habe während des Geschäftsjahres 2025 einen Mitarbeiterrabatt auf Arhaus-Waren erhalten, der über den allgemein für Mitarbeiter geltenden Rabatt hinausgehe. Der Vergütungsausschuss des Unternehmens halte diesen erhöhten Rabatt „in Anbetracht der Rolle von Herrn Reed als Mitbegründer des Unternehmens und seiner laufenden Beteiligung an Produktdesign und -entwicklung" für angemessen.
Bemerkenswert ist zudem, dass Reeds Rabattvergütung sogar die Kosten für die private Nutzung des Firmenflugzeugs überstieg – eine Vergütungskomponente, die in US-Proxy-Unterlagen üblicherweise als besonders großzügig gilt. Für deutsche Anleger und Beobachter des US-Marktes verdeutlicht dieser Fall, wie kreativ und bisweilen undurchsichtig Vergütungsstrukturen bei börsennotierten Unternehmen gestaltet sein können – und wie wichtig eine genaue Lektüre der Proxy-Unterlagen ist.
