US-Postdienst plant Portoerhöhung auf 82 Cent ab Juli
Der USPS kämpft mit einer schweren Finanzkrise und will Briefmarken um vier Cent verteuern.

Der U.S. Postal Service (USPS) hat am Donnerstag eine geplante Erhöhung der Portogebühren angekündigt. Als Begründung nannte die Behörde eine „schwere Finanzkrise" sowie kontinuierlich steigende Betriebskosten. Der Vorschlag sieht unter anderem eine Preiserhöhung von vier Cent für die sogenannten „First-Class Mail Forever"-Briefmarken vor.
Sollte die Postal Regulatory Commission – die zuständige Aufsichtsbehörde – den Antrag genehmigen, würde eine Standardbriefmarke ab dem 12. Juli 82 Cent kosten. Aktuell liegt der Preis bei 78 Cent. Insgesamt würde der Vorschlag die Kosten für den Versand von Briefen und Postkarten um 4,8 Prozent anheben.
Treibstoffzuschlag und ausgesetzte Rentenbeiträge
Der aktuelle Vorschlag ist nicht der erste Schritt des USPS in Richtung Kostensenkung und Einnahmenerhöhung. Bereits wenige Wochen zuvor hatte der Postdienst die Einführung eines Treibstoffzuschlags von 8 Prozent für Paket- und Expresssendungen vorgeschlagen. Damit sollen die gestiegenen Treibstoffkosten infolge des Iran-Krieges sowie die angespannte Finanzlage ausgeglichen werden.
Darüber hinaus gab der USPS bekannt, dass er die Arbeitgeberbeiträge zum Rentensystem für Bundesbedienstete (Federal Employees Retirement System) vorübergehend aussetzen werde. Dieser Schritt soll sicherstellen, dass die Behörde weiterhin Gehälter zahlen, Lieferanten begleichen und die Post zustellen kann.
Postmaster General David Steiner hatte bereits im März vor dem Aufsichtsausschuss des Repräsentantenhauses (House Oversight Committee) eindringlich vor der Lage gewarnt. Bei den derzeitigen Ausgaben würden dem USPS „in weniger als 12 Monaten" die liquiden Mittel ausgehen, erklärte er.
Dramatischer Rückgang des Postvolumens
Ein wesentlicher Treiber der finanziellen Misere ist der langfristige Rückgang des Briefvolumens. Seit 2006 ist das Postvolumen des USPS um mehr als 104 Milliarden Sendungen pro Jahr gesunken. Beim aktuellen Briefmarkenpreis von 78 Cent entspricht das einem entgangenen Umsatz von rund 81 Milliarden US-Dollar, wie Steiner bei der Anhörung im März erläuterte.
Dieser Trend spiegelt eine globale Entwicklung wider: Die Digitalisierung hat den klassischen Briefverkehr in den vergangenen zwei Jahrzehnten massiv verdrängt. E-Mails, digitale Rechnungen und Online-Kommunikation haben das Briefaufkommen weltweit drastisch reduziert – auch in Deutschland kämpft die Deutsche Post mit ähnlichen strukturellen Herausforderungen.
Besonders bemerkenswert ist die Finanzierungsstruktur des USPS: Obwohl es sich um eine Bundesbehörde der Vereinigten Staaten handelt, erhält der Postdienst keine Steuergelder. Er ist vollständig auf den Verkauf seiner Produkte und Dienstleistungen angewiesen, um seinen Betrieb zu finanzieren. Diese Eigenständigkeit macht den USPS besonders anfällig für Umsatzrückgänge und steigende Kosten – und erklärt, warum die aktuelle Finanzkrise so gravierend ist.
