US-Inflation steigt im April auf 3,8 Prozent – Dreijahreshoch
Krieg im Iran und explodierende Energiepreise treiben die US-Inflation auf den höchsten Stand seit fast drei Jahren.

Die US-Inflation ist im April auf 3,8 Prozent gestiegen – der höchste Stand seit fast drei Jahren. Das geht aus am Dienstag veröffentlichten Daten des Bureau of Labor Statistics (BLS) hervor. Als Haupttreiber gelten die wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges im Iran sowie stark gestiegene Energiepreise.
Besonders brisant: Die Inflation übersteigt damit erstmals seit 2023 wieder das Lohnwachstum der Amerikaner. Das Lohnwachstum hatte sich zuletzt auf 3,6 Prozent abgeschwächt, wie der Arbeitsmarktbericht für April vom Freitag zeigte. Noch im November lag es bei knapp 4 Prozent. Die Kaufkraft der US-Verbraucher gerät damit zunehmend unter Druck – eine Krise der Erschwinglichkeit, die viele Haushalte bereits spüren, dürfte sich weiter verschärfen.
Der Gesamtanstieg der Inflation entsprach auf Monatsbasis den Erwartungen der Ökonomen: Die Preise legten im April um 0,6 Prozent zu. Die sogenannte Kerninflation – also ohne Lebensmittel- und Energiekosten – stieg im Monatsvergleich um 0,4 Prozent und fiel damit höher aus als von Analysten erwartet.
Energiepreise als größter Preistreiber
Der Energiesektor war der dominierende Faktor im April. Laut BLS stieg der Energieindex im April um 3,8 Prozent und machte damit über 40 Prozent des gesamten monatlichen Preisanstiegs aus. Der Ölpreis war bis Dienstagmorgen seit Jahresbeginn um mehr als 70 Prozent gestiegen. Der Durchschnittspreis für eine Gallone Benzin lag bei 4,50 US-Dollar.
Die Citigroup warnte in einer Mitteilung an Kunden, dass die vollen Auswirkungen der Energiekosten auf die Verbraucherpreise noch nicht erreicht seien: „Es dürfte wahrscheinlich noch mindestens einige Monate dauern, bis die Energiekosten auf die Preise für Kernprodukte durchschlagen." Das deutet darauf hin, dass der Inflationsdruck in den kommenden Monaten weiter anhalten könnte.
Besonders stark betroffen ist der Luftverkehr: Der Preis für Kerosin ist seit Beginn des Krieges mit dem Iran laut Daten von Argus um 60 Prozent gestiegen. Flugpreise verteuerten sich im Jahresvergleich um 20 Prozent. Als Reaktion darauf haben mehrere große US-Fluggesellschaften – darunter Delta Air Lines, United Airlines und Southwest – ihre Gepäckgebühren erhöht. Einige internationale Airlines führten zudem Treibstoffzuschläge auf Ticketpreise ein. Auch der U.S. Postal Service reagierte und führte im April eine „zeitlich befristete Preisänderung" ein, um die gestiegenen Treibstoffkosten auszugleichen.
Lebensmittel und Dienstleistungen ebenfalls teurer
Auch abseits der Energie zogen die Preise an. Lebensmittel für den häuslichen Verzehr verteuerten sich im April um 0,7 Prozent – der stärkste monatliche Anstieg seit fast vier Jahren. Dienstleistungen einschließlich Transport stiegen im Vergleich zum Vormonat um 0,5 Prozent. Das BLS wies zudem darauf hin, dass weitere mit dem Energiemarkt verknüpfte Kategorien wie Bekleidung ebenfalls stiegen.
Es gab jedoch auch vereinzelte Lichtblicke für Verbraucher. Die Preise für Neufahrzeuge, medizinische Versorgung, Krankenversicherung und Kommunikation gingen leicht zurück. Gebrauchtwagen blieben im Monatsvergleich unverändert, und die Kosten für Fahrzeugwartung sanken leicht. Diese Kategorien konnten den breiten Preisauftrieb jedoch nicht kompensieren.
Für deutsche Anleger und Beobachter ist die Entwicklung in den USA von besonderer Bedeutung: Eine anhaltend hohe US-Inflation erhöht den Druck auf die US-Notenbank Federal Reserve, die Zinsen länger hochzuhalten oder sogar weiter anzuheben. Das hätte weitreichende Folgen für globale Kapitalmärkte, den Wechselkurs des US-Dollars sowie die Exportchancen europäischer Unternehmen.
