US-Gespräche zur Ukraine umfassen milliardenschweres Lukoil-Ölgeschäft laut NYT-Bericht
Verhandlungen der Trump-Administration mit Russland weiten sich auf ein Ölgeschäft aus, das Nahost-Unternehmern mit Kontakten zu Witkoff und Kushner zugutekäme.

Die Verhandlungen der Trump-Administration mit Russland über eine Beendigung des Krieges in der Ukraine haben sich nach einem Bericht der New York Times auf ein multibillionenschweres Ölgeschäft ausgeweitet. Profitieren sollen davon Nahost-Unternehmer, die über Verbindungen zu den US-Unterhändlern Steve Witkoff und Jared Kushner verfügen. Die Zeitung hatte am Samstag über den Vorgang berichtet, die Nachrichtenagentur Reuters griff die Informationen am 3. Oktober auf.
Im Zentrum des Geschäfts steht einem Bericht zufolge eine weitläufige Gruppe von Ölfeldern, Raffinerien und Tankstellen weltweit, die zur russischen Energiegruppe Lukoil gehören. Das Vorhaben ist von der Genehmigung durch die US-Regierung und den Kreml abhängig. Das Weiße Haus, das US-Finanzministerium und Lukoil reagierten außerhalb der regulären Geschäftszeiten nicht auf Anfragen nach einer Stellungnahme.
Russlands Präsident Wladimir Putin brachte das Geschäft nach Angaben der New York Times während eines Treffens am 5. September mit Witkoff und Kushner im Kreml zur Sprache. Die Zeitung beruft sich dabei auf mit dem Treffen vertraute Personen. Ein Teilnehmer sagte, Putin habe vorgeschlagen, das Geschäft abzuschließen, um Russen zu demonstrieren, dass sie Geschäfte mit den Vereinigten Staaten tätigen könnten.
Die Details
Zu der Gruppe, die das Geschäft vorantreibt, gehören dem Bericht zufolge der US-Investor und Milliardär Todd Boehly, zwei Nahost-Gruppierungen, die bereits Geschäfte mit der Familie von Kushner oder Witkoff abgewickelt haben, sowie eine Abteilung der US-Regierung. Die New York Times nennt in diesem Zusammenhang keine konkreten Summen für das Transaktionsvolumen, sondern spricht von einem multibillionenschweren Geschäft.
Die betroffenen Vermögenswerte verteilen sich geografisch breit: Ölfelder, Raffinerien und Tankstellen an verschiedenen Standorten weltweit. Sie gehören sämtlich zur russischen Energiegruppe Lukoil. Ohne die Zustimmung aus Washington und Moskau kann das Vorhaben nach Darstellung der Zeitung nicht umgesetzt werden. Damit hängt der Fortgang des Deals an zwei politischen Entscheidungen, die bislang nicht gefallen sind.
Bemerkenswert ist die personelle Verflechtung: Die beiden Nahost-Gruppierungen, die an dem Geschäft beteiligt sind, haben nach Angaben der New York Times bereits früher Geschäfte mit der Familie von Kushner oder Witkoff abgewickelt. Kushner ist Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump und fungiert gemeinsam mit Witkoff als Sondergesandter. Beide waren zuvor bereits in Moskau und Kiew im Einsatz, um eine Beendigung des seit Jahren andauernden Krieges auszuhandeln.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 22.01.2026 berichtete aktien.news, dass Russlands Präsident Wladimir Putin angekündigt hatte, Trumps Sondergesandten Steve Witkoff und Schwiegersohn Jared Kushner in Moskau zu empfangen. Bei einer Sitzung des russischen Sicherheitsrates erklärte Putin damals, man werde den "Dialog über die ukrainische Beilegung" fortsetzen. Im Fokus standen dabei Trumps Vorschlag eines "Board of Peace" sowie die mögliche Verwendung eingefrorener russischer Vermögenswerte. US-Präsident Donald Trump zeigte sich seinerzeit optimistisch: "Ich denke, ich kann sagen, dass wir vernünftig nahe dran sind." Er forderte beide Kriegsparteien auf, zu einer Einigung zu kommen. "Und wenn sie es nicht tun, sind sie dumm", sagte Trump mit Blick auf Putin und den ukrainischen Präsidenten.
Am 07.09.2026 berichtete aktien.news, dass US-Präsident Donald Trump seine Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner auf eine hochriskante diplomatische Mission nach Kiew schickte. Die Reise folgte auf direkte Gespräche mit Wladimir Putin in Moskau. Die beiden US-Unterhändler waren am 6. September in der ukrainischen Hauptstadt eingetroffen, um mit Präsident Wolodymyr Selenskyj über eine mögliche Beendigung des seit viereinhalb Jahren andauernden Krieges zu verhandeln. Das Treffen fand in der historischen Sophienkathedrale statt, einem Ort von hoher symbolischer Bedeutung im Herzen Kiews. Die Ankunft der Delegation wurde von Rustem Umerow, dem Chef des ukrainischen Auslandsgeheimdienstes, bestätigt.
Ebenfalls am 23.09.2026 meldete aktien.news, dass Todd Boehly sich mit Unterstützung der US-Regierung und milliardenschwerer Investoren aus den Golfstaaten in das Bieterrennen um die internationalen Vermögenswerte des russischen Ölkonzerns Lukoil eingeschaltet hat. Der US-Finanzier, der erst vor wenigen Tagen seine Anteile am FC Chelsea verkaufte, will damit die Private-Equity-Gesellschaft Carlyle Group ausstechen, die sich den Deal bereits im Januar gesichert hatte. Die Transaktion steht jedoch noch unter dem Vorbehalt der endgültigen Genehmigung durch die US-Regierung. Dem Konsortium von Boehly gehören die US International Development Finance Corporation (DFC) sowie Scheich Tahnoon bin Zayed al-Nahyan, der Bruder des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, an.
In einer weiteren Meldung vom 23.09.2026 berichtete aktien.news, dass Boehly die Unterstützung der US-Regierung sowie einflussreicher Akteure aus dem Golfraum mit Verbindungen zur Familie Trump gesichert hat, um an einem Gebot für die internationalen Vermögenswerte von Lukoil teilzunehmen. Diese wurden verkauft, nachdem das russische Ölunternehmen im vergangenen Jahr unter amerikanische Sanktionen geraten war. Boehly habe seit Monaten an einem potenziellen Deal gearbeitet, sagten zwei dem Prozess nahestehende Personen. Ziel sei es, die US-Private-Equity-Gruppe Carlyle zu verdrängen, die sich im Januar verpflichtet hatte, die Vermögenswerte zu übernehmen.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Meldung vor allem ein politisches Signal, kein unmittelbares Investment-Thema. Lukoil ist ein russisches Unternehmen, dessen internationale Vermögenswerte nach den US-Sanktionen zum Verkauf stehen. Ein Zustandekommen des Geschäfts würde nach Darstellung der New York Times sowohl die Genehmigung der US-Regierung als auch des Kremls erfordern. Beide Entscheidungen stehen aus.
Interessant ist die Verbindung zwischen Diplomatie und Wirtschaft: Dieselben Unterhändler, die über eine Beendigung des Ukraine-Krieges verhandeln, sind nach dem Bericht auch mit dem Ölgeschäft befasst. Anleger sollten solche Meldungen daher nicht isoliert als Unternehmensnachricht lesen, sondern im Kontext der laufenden Friedensgespräche. Konkrete Auswirkungen auf börsennotierte europäische Energiewerte lassen sich aus dem Quelltext nicht ableiten.
Zu beachten ist außerdem, dass die beteiligten Parteien – Weißes Haus, US-Finanzministerium und Lukoil – bislang keine Stellungnahme abgegeben haben. Der Bericht der New York Times stützt sich auf namentlich nicht genannte, mit den Vorgängen vertraute Personen. Bis zur offiziellen Bestätigung bleibt der Sachverhalt unbestätigt.
Ausblick
Der Quelltext nennt keine konkreten Termine für eine Entscheidung über das Geschäft. Bekannt ist lediglich, dass das Vorhaben von der Genehmigung durch die US-Regierung und den Kreml abhängt und dass Putin es am 5. September im Kreml zur Sprache brachte. Ob und wann eine Einigung erzielt wird, ist offen. Die weiteren Verhandlungen zur Beendigung des Ukraine-Krieges laufen parallel weiter.
Kurz erklärt
- Sanktionen: Staatliche Zwangsmaßnahmen, mit denen ein Land wirtschaftliche Beziehungen zu einem anderen Land einschränkt oder unterbindet.
- Raffinerie: Eine industrielle Anlage, in der Rohöl zu Kraftstoffen und anderen Produkten weiterverarbeitet wird.
- Private-Equity-Gesellschaft: Ein Finanzunternehmen, das Beteiligungen an nicht börsennotierten Firmen erwirbt und später mit Gewinn weiterverkauft.
