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US-Erdgas-Futures fallen, europäische Gaspreise steigen über 100 Euro

Milde Wetterprognosen drücken US-Erdgas, während Europas TTF-Preis wegen Nahost-Spannungen und Kälte zulegt.

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US-Erdgas-Futures fallen, europäische Gaspreise steigen über 100 Euro

Die US-amerikanischen Erdgas-Futures geraten im frühen Handel weiter unter Druck. Grund dafür ist die milde Wetterprognose für die erste Novemberhälfte, die den Dezemberkontrakt weiter vom Niveau von 3 Dollar zurückgehen lässt. Der Nymex-Gas-Kontrakt für die Lieferung im Dezember notierte zuletzt 2,5 Prozent unter dem Vorabendkurs bei 2,878 Dollar pro mmBtu.

„Der übermäßige Einspeisungsbericht von gestern, kombiniert mit widersprüchlichen LNG-Versorgungsdaten, hat den Markt gestern abstürzen lassen und lässt den Dezemberkontrakt heute Morgen immer noch dabei, sich an der Oberseite der Gas-Tabelle zu stabilisieren“, schreibt Gary Cunningham von Tradition Energy in einer Notiz. Das Wetter biete kaum bis keine Unterstützung, so Cunningham weiter. „Wir befinden uns immer noch in einem sehr bärigen Tal mit etwas leichter Unterstützung um die 1-Dollar-Marke herum“, zitiert die Notiz den Analysten.

Europäische Gaspreise klettern wieder über 100 Euro

Ganz anders die Lage in Europa: Dort klettern die Erdgaspreise wieder über die Marke von 100 Euro pro Megawattstunde. Getrieben wird diese Entwicklung durch die Befürchtung eskalierender Spannungen im Nahen Osten sowie durch kältere Temperaturen in Nordwesteuropa. Im frühen Handel lag der Referenzkontrakt des niederländischen TTF um 3,3 Prozent höher bei 101,10 Euro pro Megawattstunde und steuerte auf einen wöchentlichen Gewinn von fast 8 Prozent zu.

Laut Marktbeobachtern haben die Zuflüsse in die Gasspeicher mit Beginn der Heizperiode stagniert. Die Tanks sind derzeit nur zu 74,9 Prozent gefüllt. Diese vergleichsweise niedrige Speicherfüllung in Verbindung mit der einsetzenden Heizsaison erhöht die Anfälligkeit des Marktes für Preisschübe.

ING-Analysten sehen Nachfragefrage im Zentrum

Die entscheidende Frage für die weitere Preisentwicklung ist aus Sicht der ING-Analysten, ob die höheren Preise die Nachfrage zerstören werden. „Die entscheidende Frage ist, ob diese höheren Preise die Nachfrage zerstören werden“, so die Analysten. „In den Strommärkten befinden wir uns bereits tief im Bereich des Wechsels von Gas zu Kohle“, heißt es weiter.

Damit deutet sich ein klassischer Zielkonflikt an: Steigende Gaspreise könnten die Nachfrage dämpfen, weil sich die Stromerzeugung zunehmend wieder in Richtung Kohle verschiebt. Für deutsche Verbraucher und Industrieunternehmen ist die Entwicklung am TTF-Markt besonders relevant, da der niederländische Referenzpreis als Leitgröße für die europäischen Gaspreise gilt und sich auch auf die hiesigen Beschaffungskosten auswirkt.

Während der US-Markt also unter dem milden Wetter und einem überraschend hohen Einspeisungsbericht leidet, sorgen in Europa geopolitische Risiken und kühleres Wetter für die Gegenbewegung. Die beiden Märkte entwickeln sich damit kurzfristig in entgegengesetzte Richtungen. Wie nachhaltig die europäische Preiserholung ist, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie sich die Temperaturen und die Speicherstände in den kommenden Wochen entwickeln.

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