US-Arbeitsmarkt schafft 165.000 Stellen und überrascht Ökonomen im Oktober
Die US-Wirtschaft schuf im Oktober 165.000 neue Stellen, deutlich mehr als erwartet, während die Arbeitslosenquote auf 4,1 Prozent sank.

Die US-Wirtschaft hat im Oktober 165.000 neue Stellen geschaffen und damit die Erwartungen von Ökonomen deutlich übertroffen. Analysten hatten lediglich mit 65.000 neuen Arbeitsplätzen gerechnet. Die Arbeitslosenquote sank leicht auf 4,1 Prozent. Für Experten ist das ein Zeichen für die anhaltende Widerstandsfähigkeit des US-Arbeitsmarktes.
Torsten Slok, Chefökonom bei Apollo Global Management, betonte, dass die Arbeitslosenquote nun seit 61 Monaten unter 5 Prozent liegt. Er verweist damit auf eine historische Phase der Stärke. Diane Swonk von KPMG warnt jedoch vor einer gewissen Stagnation. Die geringe Fluktuation deute darauf hin, dass weniger Menschen in den Arbeitsmarkt eintreten.
Zusätzlichen Rückenwind liefern die nach oben korrigierten Vormonatsdaten. Der Wert für August wurde um 53.000 auf 186.000 Stellen angehoben, der September-Wert um 31.000 auf 60.000 Stellen. Damit fällt das Bild des Herbstes freundlicher aus als noch bei der ersten Veröffentlichung.
Der KI-Boom stützt Bau und Fertigung
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung in den Sektoren Bau und Fertigung, die teilweise vom KI-Boom profitieren. Der Bereich der nicht-wohnwirtschaftlichen Bauvorhaben legte zu, getrieben durch den Bau von Rechenzentren. Der Wohnungsbau verzeichnete dagegen aufgrund hoher Zinsen einen Rückgang um 15.000 Stellen.
Im verarbeitenden Gewerbe stieg die Zahl der Beschäftigten um 19.000. Zulegen konnten insbesondere die Computer- und Elektronikfertigung sowie der Maschinenbau. Die beiden Branchen gelten als Profiteure der Investitionen in Rechenzentren und Automatisierung.
Die Löhne wachsen langsamer als die Inflation
Trotz der positiven Beschäftigungszahlen bleibt die Lohnentwicklung gedämpft. Die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen im Jahresvergleich um 3,1 Prozent und liegen damit unter der aktuellen Inflationsrate von 3,7 Prozent. Diese Diskrepanz belastet die Haushalte, die bereits unter den Lebenshaltungskosten leiden.
Das Thema prägte auch die jüngsten Midterm-Wahlen. Dort brachten die Wähler ihre Unzufriedenheit mit der wirtschaftlichen Lage und der Politik der Regierung Trump zum Ausdruck. Ein robuster Arbeitsmarkt und sinkende Reallöhne schließen sich in der Wahrnehmung der Haushalte also nicht aus.
Der Arbeitsmarkt nahe der Vollbeschäftigung gibt der Fed Spielraum
Die robuste Lage am Arbeitsmarkt könnte der Federal Reserve (Fed) den nötigen Spielraum für eine weitere Zinserhöhung bei ihrer letzten Sitzung im Dezember geben. Ziel bleibt es, die hartnäckige Inflation zu bekämpfen. Analysten von CIBC Capital Markets wiesen darauf hin, dass der Arbeitsmarkt nahe der Vollbeschäftigung operiere. Das erlaube der Zentralbank, sich voll auf den Kampf gegen die Teuerung zu konzentrieren.
Einige Experten argumentieren allerdings, dass der Arbeitsmarkt nicht primär für die Inflation verantwortlich sei. Die Herausforderung für die Fed bleibt bestehen, die Zinsen so zu kalibrieren, dass die wirtschaftliche Aktivität nicht abgewürgt wird. Der Beschäftigungsbericht liefert dafür die Datengrundlage.
Frühere Berichte von aktien.news zeigten einen wechselhaften US-Arbeitsmarkt
Bereits am 11.02.2026 berichtete aktien.news, dass der US-Arbeitsmarkt im Januar deutlich mehr Stellen geschaffen hatte als erwartet. Außerhalb der Landwirtschaft entstanden 130.000 neue Jobs, während Ökonomen lediglich mit 70.000 neuen Stellen gerechnet hatten. Gleichzeitig sank die Arbeitslosenquote von 4,4 auf 4,3 Prozent. Die Notenbank hatte im vergangenen Monat ihren Leitzins in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent belassen.
Am 12.02.2026 folgte ein weiterer Bericht, wonach die US-Wirtschaft im Januar überraschend 130.000 neue Arbeitsplätze geschaffen hatte – nahezu doppelt so viele wie von Analysten prognostiziert. Das Lohnwachstum lag mit 3,7 Prozent ebenfalls über den Erwartungen. Die robusten Daten stützten die Strategie von Fed-Chef Jerome Powell, die Zinspause beizubehalten. Der Bericht verwies zugleich auf Äußerungen von Präsident Donald Trump, der Powell als "ahnungslos" bezeichnet hatte.
Am 04.04.2026 meldete aktien.news einen Anstieg der Nonfarm Payrolls um 178.000 Stellen im März, während die durchschnittlichen Analystenprognosen bei lediglich 60.000 bis 65.000 neuen Jobs lagen. Die Arbeitslosenquote sank gleichzeitig leicht auf 4,3 Prozent. Allerdings trübten Revisionen der Vormonatsdaten das Bild: Der Februar-Wert wurde von ursprünglich 92.000 auf 133.000 Stellen angepasst, der Januar-Wert von 126.000 auf 160.000 Stellen. Zachary Griffiths von CreditSights wies auf die hohe Volatilität der Daten hin.
Am 02.10.2026 berichtete aktien.news über eine deutliche Verlangsamung: Im September schuf die amerikanische Wirtschaft nur 29.000 neue Arbeitsplätze. Die Arbeitslosenquote stieg auf 4,2 Prozent. Die durchschnittlichen Stundenlöhne erhöhten sich gegenüber dem Vormonat lediglich um 0,1 Prozent und gegenüber dem Vorjahr um 3 Prozent. Damit markierten die Daten den sechsten Monat in Folge, in dem die Lohnentwicklung unter der Inflationsrate lag. Die Veröffentlichung war zugleich der letzte monatliche Beschäftigungsbericht vor den Zwischenwahlen in den USA.
Für deutsche Anleger sind die Zinserwartungen der Fed der entscheidende Faktor
Für Privatanleger in Deutschland ist weniger die einzelne Stellenangabe entscheidend als die Frage, wie die Federal Reserve auf die Daten reagiert. Der Quelltext nennt eine weitere Zinserhöhung bei der letzten Sitzung im Dezember als Möglichkeit, weil der Arbeitsmarkt nahe der Vollbeschäftigung operiere. Zugleich bleibt die Lohnentwicklung mit 3,1 Prozent unter der Inflationsrate von 3,7 Prozent, was die Kaufkraft der Haushalte belastet.
Die nach oben korrigierten Werte für August und September zeigen zudem, dass einzelne Monatsberichte mit Vorsicht zu lesen sind. Deutsche Anleger, die US-Aktien oder Dollar-Anlagen halten, sollten deshalb sowohl die Zinsentscheidungen der Fed als auch die monatlichen Arbeitsmarktdaten im Blick behalten. Eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf einzelner Werte lässt sich daraus nicht ableiten.
Die Fed entscheidet im Dezember über den Leitzins
Der nächste wichtige Termin ist die letzte Sitzung der Federal Reserve im Dezember. Dort könnte die Notenbank nach Einschätzung der im Quelltext zitierten Analysten die Zinsen erneut anheben, um die hartnäckige Inflation zu bekämpfen. Belastet wird der Ausblick von Sorgen über die Auswirkungen des Iran-Konflikts auf die Energiepreise. Hinzu kommen Ängste vor KI-bedingtem Stellenabbau.
Trotz dieser Risiken bleibt der US-Arbeitsmarkt ein zentraler Stützpfeiler der nationalen Wirtschaft. Die Kombination aus 165.000 neuen Stellen, einer Arbeitslosenquote von 4,1 Prozent und nach oben korrigierten Vormonatswerten stützt diese Einschätzung. Ob die Fed im Dezember tatsächlich handelt, hängt von der weiteren Inflationsentwicklung ab.
Drei Begriffe aus dem Arbeitsmarktbericht kurz erklärt
- Nonfarm Payrolls: Der monatlich erhobene Beschäftigungsaufbau außerhalb der Landwirtschaft, der als wichtiger Frühindikator für die US-Konjunktur gilt.
- Arbeitslosenquote: Der Anteil der Erwerbspersonen, die arbeitslos gemeldet sind und aktiv eine Stelle suchen.
- Vollbeschäftigung: Ein Zustand des Arbeitsmarktes, in dem nahezu alle Arbeitswilligen eine Beschäftigung finden und die Arbeitslosigkeit überwiegend strukturell bedingt ist.
