US-Aktien ersetzen – Alternativen für Anleger
Wie europäische Unternehmen eine Option für den Depotumbau bieten

In Kanada hat sich ein neuer Trend entwickelt, um gegen die Politik von US-Präsident Donald Trump zu protestieren. Verbraucher drehen in Supermärkten US-Produkte einfach um, sodass das Markenlogo nicht mehr sichtbar ist und potenzielle Käufer sie weniger wahrnehmen. Diese Form des Boykotts hat sich mittlerweile auch in Europa verbreitet. Auf der Plattform Reddit tauschen Nutzer unter dem Stichwort „BuyEU“ Alternativen zu US-Produkten aus und teilen Bilder von umgedrehten Verpackungen. Die Bewegung hat bereits über 175.500 Mitglieder. In Dänemark setzt eine Supermarktkette hingegen auf eine andere Strategie und kennzeichnet europäische Produkte gesondert, um den Konsumenten eine bewusste Kaufentscheidung zu ermöglichen.
Eine aktuelle Umfrage des „Handelsblatts“ zeigt, dass auch in Deutschland viele Verbraucher weniger US-Produkte kaufen möchten. 64 Prozent der Befragten gaben an, Waren aus den USA bewusst zu meiden. 51 Prozent berichteten, sie hätten bereits ihren Konsum von US-Produkten reduziert. Doch nicht nur im Supermarkt, sondern auch an der Börse stellt sich die Frage nach Alternativen. Viele Anleger besitzen US-Aktien, da der MSCI World Indexfonds, in den zahlreiche Investoren investieren, einen hohen US-Anteil von 72 Prozent aufweist. Die zehn größten Werte dieses Index stammen ausschließlich aus den Vereinigten Staaten.
Wer in Einzelaktien investiert, kann für viele US-Unternehmen europäische Alternativen finden. Bei Pharmakonzernen ist ein Wechsel von Eli Lilly zu Roche eine Möglichkeit. Der Schweizer Konzern investiert Milliarden in die Entwicklung von Abnehmspritzen und könnte langfristig von diesem Wachstumsmarkt profitieren. Im Konsumgüterbereich bietet sich Henkel als Alternative zu Procter & Gamble an. Die deutsche Firma hat zuletzt ihr US-Geschäft mit No-Name-Produkten veräußert und setzt verstärkt auf margenstarke Marken.
Auch in der Luftfahrtbranche gibt es eine europäische Alternative: Airbus. Boeing hat durch zahlreiche technische Probleme und Zwischenfälle an Vertrauen verloren, während Airbus gut gefüllte Auftragsbücher vorweisen kann. Bei Halbleitern könnte Infineon statt Nvidia eine Option sein, da das deutsche Unternehmen Marktanteile im Bereich der Autochips gewinnt. Wer nach einer Alternative zu Tesla sucht, könnte Renault in Betracht ziehen. Der französische Autohersteller konnte seine Gewinne steigern und plant mit neuen Elektromodellen weiteres Wachstum.
Auch im Bereich Finanzdienstleistungen existieren Alternativen zu US-Firmen. Statt S&P Global könnte der französische Anbieter Amundi für Investoren interessant sein, der mit einer Dividendenrendite von über sechs Prozent lockt. In der Drogeriebranche bietet sich Reckitt Benckiser als Ersatz für Colgate-Palmolive an. Der britische Konzern hat sein Portfolio zuletzt umstrukturiert und verzeichnet an der Börse positive Entwicklungen.
Schwieriger wird es bei Fast-Food-Ketten. McDonald's ist aufgrund seines Franchise-Modells ein stabiler Wert, doch nicht-börsennotierte Alternativen wie Hesburger oder Peter Pane stehen Anlegern nicht zur Verfügung. Insgesamt zeigt sich jedoch, dass viele US-Aktien durch europäische Unternehmen ersetzt werden können. So wie Konsumenten im Supermarkt nach Alternativen suchen, haben Anleger die Möglichkeit, ihr Portfolio entsprechend umzustellen.
