OECD senkt Wachstumsprognose für Deutschland drastisch
Experten warnen vor anhaltender Schwäche – Finanzpaket könnte Wende bringen

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat ihre Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft deutlich nach unten korrigiert. Erwartete die OECD im Dezember noch ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 0,7 Prozent, geht sie nun nur noch von einem Anstieg um 0,4 Prozent aus. Damit ist Deutschland innerhalb der Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer eines der Schlusslichter. Lediglich Mexiko schneidet in der aktuellen Prognose schlechter ab, für das Land wird ein Rückgang der Wirtschaftsleistung um 1,3 Prozent prognostiziert.
Auch für das kommende Jahr senkte die OECD ihre Prognose für Deutschland leicht ab. Statt eines Wachstums von 1,2 Prozent erwartet die Organisation nun ein Plus von 1,1 Prozent. Allerdings sind in dieser Schätzung die Auswirkungen eines geplanten Finanzpakets für Verteidigung und Infrastruktur noch nicht berücksichtigt. Das Vorhaben soll mit den Stimmen von Union, SPD und Grünen im Bundestag verabschiedet werden. Nach Einschätzung der OECD-Experten könnte dieses Paket erhebliche Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum im nächsten Jahr haben, da es sowohl öffentliche als auch private Investitionen anregen könnte. Da die Umsetzung der Maßnahmen jedoch Zeit in Anspruch nimmt, dürften die kurzfristigen Effekte im laufenden Jahr noch gering ausfallen.
Deutschland könne sich ein solches Finanzpaket durchaus leisten, so die Einschätzung der OECD. Die Schuldenstandsquote des Landes sei niedriger als in vielen anderen Mitgliedsländern. Dennoch mahnten die Experten Strukturreformen an, um langfristig finanzielle Spielräume zu erhalten. Dazu gehörten eine effizientere Nutzung der Staatsausgaben sowie eine Verbreiterung der steuerlichen Einnahmebasis. Auch das ifo-Institut rechnet mit einer anhaltenden wirtschaftlichen Schwäche in Deutschland. Es geht für 2025 nur noch von einem minimalen Wachstum des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts von 0,2 Prozent aus. Erst im Jahr 2026 sei mit einer Erholung zu rechnen.
Das Bundeswirtschaftsministerium teilt die verhaltene Einschätzung. In seinem aktuellen Monatsbericht heißt es, die wirtschaftliche Lage sei weiterhin von Unsicherheiten geprägt. Diese betreffen sowohl außenpolitische Entwicklungen, wie die unberechenbare Handelspolitik der USA und den Ukraine-Krieg, als auch innenpolitische Fragen zur Finanzpolitik der Bundesregierung. Neben Deutschland sieht die OECD auch für die Weltwirtschaft eine Abschwächung des Wachstums. Die globale Wachstumsprognose für 2025 wurde um 0,2 Prozentpunkte auf 3,1 Prozent gesenkt. Hauptgründe seien verstärkte Handelshemmnisse in mehreren G20-Ländern sowie geopolitische Unsicherheiten.
Besonders die wirtschaftspolitischen Maßnahmen der USA spielen laut OECD eine wesentliche Rolle bei der Wachstumsabschwächung. Die von der US-Regierung unter Präsident Donald Trump verhängten Handelsbeschränkungen seien in der aktuellen Prognose nicht vollständig berücksichtigt. So flossen zwar die Zölle auf mexikanische und kanadische Waren in die Berechnungen ein, nicht jedoch die erhöhten Einfuhrzölle auf chinesische Produkte sowie auf Stahl- und Aluminiumimporte aus der EU. Die OECD senkte daher auch ihre Prognose für das Wachstum der US-Wirtschaft. Für 2025 erwartet sie einen Rückgang um 0,2 Prozentpunkte auf 2,2 Prozent. Für 2026 geht die Organisation von einem weiteren Rückgang auf 1,6 Prozent aus.
