Türkeis Inflationsrate erreicht neue Höhen
Regierungsmaßnahmen und Währungsverfall als Treiber – Wie robust ist das Wirtschaftswachstum?

Die Inflation in der Türkei hat im August einen neuen Höhepunkt erreicht, mit Verbraucherpreisen, die im Vergleich zum Vorjahr um 58,9 Prozent gestiegen sind. Dieser Anstieg übertrifft die Erwartungen der Ökonomen, die im Schnitt nur mit einer Inflationsrate von 55,9 Prozent gerechnet hatten. Besonders betroffen sind die Sektoren Restaurant, Café und Hotel, in denen die Preise im Vergleich zum Vormonat um 9,1 Prozent angestiegen sind.
Finanzminister Mehmet Simsek, der nach der Wiederwahl von Präsident Recep Tayyip Erdogan im Mai ernannt wurde, kommentierte die Entwicklung mit den Worten: "Wir sind geduldig." Er betonte, dass der Abbau der Inflation einige Zeit in Anspruch nehmen werde. Simsek hatte das Amt des Finanzministers bereits bis 2018 inne und ist somit ein erfahrener Akteur in der türkischen Wirtschaftspolitik.
Die Regierung selbst hat zu den Preissteigerungen beigetragen, indem sie die Mehrwertsteuer von 18 auf 20 Prozent erhöht hat. Auch die Unternehmenssteuern sowie die Steuern auf Benzin und Diesel wurden angehoben. Diese Maßnahmen sollen dazu dienen, den Wiederaufbau nach dem verheerenden Erdbeben im Februar zu finanzieren. Zudem hatte die Regierung vor der Wahl rekordhohe Summen für Sozialhilfe ausgegeben und den Mindestlohn fast verdoppelt.
Die schwache Landeswährung hat ebenfalls ihren Teil zur Inflation beigetragen. Die türkische Lira hat in den letzten zwei Jahren gegenüber dem Dollar um etwa 70 Prozent an Wert verloren, was die Importe verteuert und somit die Inflation weiter anheizt. Um dem entgegenzuwirken, hat die türkische Zentralbank unter ihrer neuen Chefin Hafize Gaye Erkan die Leitzinsen dreimal erhöht, zuletzt am 25. August von 17 auf 25 Prozent.
Trotz der hohen Zinsen und der Inflation zeigt die türkische Wirtschaft ein robustes Wachstum. Das Bruttoinlandsprodukt stieg im zweiten Quartal um 3,8 Prozent, was die Erwartungen der Ökonomen übertraf. Allerdings warnen Experten, dass die hohen Zinsen langfristig negative Auswirkungen auf die Konjunktur haben könnten. Für das gesamte Jahr 2023 wird ein Wirtschaftswachstum von 2,9 Prozent prognostiziert, was angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen als moderat angesehen wird.
