Chinas Banken füllen Lücke in Russlands Finanzsektor
Peking nutzt geopolitische Spannungen, um den Yuan als globale Alternative zum Dollar zu etablieren

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine und dem daraus resultierenden Rückzug westlicher Banken aus Russland, haben chinesische Geldhäuser ihre Rolle im russischen Bankensektor deutlich ausgebaut. Laut Daten der russischen Zentralbank haben vier der größten Banken Chinas, darunter die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) und die Bank of China, ihr Engagement in Russland in den letzten 14 Monaten um 2,2 Milliarden Dollar auf insgesamt 9,7 Milliarden Dollar erhöht. Allein die ICBC und die Bank of China sind für rund 8,8 Milliarden Dollar dieses Betrags verantwortlich.
Dieser Anstieg der chinesischen Kreditvergabe ist nicht nur eine Reaktion auf den Rückzug westlicher Banken, sondern auch Teil einer größeren Strategie Pekings. China versucht, den Yuan als alternative Weltwährung zum Dollar zu etablieren. Derzeit beträgt der Anteil des Yuan am weltweiten Zahlungsverkehr nur 2,5 Prozent, während der Dollar mit 39,4 Prozent und der Euro mit 35,8 Prozent dominieren. Durch die verstärkte Kreditvergabe an Russland in Yuan will China die Bedeutung seiner Währung im internationalen Handel erhöhen.
Währenddessen sind einige europäische Banken, wie die österreichische Raiffeisen Bank, weiterhin in Russland aktiv. Die Raiffeisen Bank hat ihre Aktiva in Russland bis Ende März um mehr als 40 Prozent auf 29,2 Milliarden Dollar erhöht, obwohl sie derzeit nach Möglichkeiten sucht, sich aus dem Land zurückzuziehen. Dies zeigt, dass trotz der Sanktionen und des internationalen Drucks, einige westliche Geldhäuser ihre Geschäfte in Russland fortsetzen.
Die verstärkte chinesische Kreditvergabe an Russland hat auch Auswirkungen auf den Handel zwischen den beiden Ländern. Im vergangenen Jahr erreichte das Handelsvolumen zwischen Russland und China ein Rekordniveau von 185 Milliarden Dollar, wobei der Yuan mittlerweile einen Anteil von 16 Prozent ausmacht. Vor dem Ukraine-Krieg wurden mehr als 60 Prozent der russischen Exporte in Währungen wie Dollar und Euro abgewickelt, die heute von den russischen Behörden als "toxisch" eingestuft werden. Der Yuan machte damals weniger als ein Prozent aus.
