Trump setzt Russland-Sanktionen und Zölle kurz vor Inkrafttreten aus
US-Präsident Donald Trump stoppt per Executive Order Sanktionen und Zölle gegen Russland – wenige Tage vor der geplanten Umsetzung.

US-Präsident Donald Trump hat weitreichende Sanktionen und Zölle gegen Russland ausgesetzt – kurz bevor die Maßnahmen in Kraft treten sollten. Die Strafmaßnahmen waren Teil des im September unterzeichneten „Lindsey O. Graham Sanctioning Russia and Iran Act of 2026". Sie sollten den wirtschaftlichen Druck auf Moskau wegen des seit 2022 andauernden Angriffskrieges gegen die Ukraine erhöhen.
In einer am Freitag veröffentlichten Executive Order begründete Trump den Schritt mit dem nationalen Interesse der USA. Die Frist für die Umsetzung der Maßnahmen wäre der 18. Oktober gewesen. Damit stoppt der Präsident ein Gesetzespaket, das er selbst erst wenige Wochen zuvor unterzeichnet hatte.
Die Entscheidung fällt in eine Phase, in der Trump versucht, die hohen US-Dieselpreise vor den Zwischenwahlen am 3. November zu senken. Erst kürzlich hatte die US-Regierung ein Abkommen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin geschlossen, wonach Russland Diesel auf den Weltmarkt liefern soll, um die Versorgung zu stabilisieren.
Die Details
Das Graham-Gesetz hätte mehrere scharfe Instrumente vorgesehen. So waren 100-prozentige Zölle auf Waren aus den fünf größten Importländern russischen Öls und Gases geplant. Zusätzlich hätten 500-prozentige Zölle auf russische Energieimporte gegolten.
Das Gesetz zielte zudem auf Drittstaaten: Sanktionen waren gegen Länder vorgesehen, die russische Energieprodukte beziehen oder Russland bei der Umgehung bestehender Sanktionen unterstützen. Die Umsetzungsfrist wäre der 18. Oktober gewesen – also nur wenige Tage nach der jetzt veröffentlichten Executive Order.
Die Aussetzung löst heftige politische Kontroversen aus. Während Trump betont, die Maßnahme diene der nationalen Sicherheit und der wirtschaftlichen Stabilität, werfen ihm Kritiker ein „Einknicken vor Putin" und einen Verrat an den ukrainischen Partnern vor. Zu den schärfsten Kritikern zählt der demokratische Abgeordnete Don Beyer.
Auch eine parteiübergreifende Gruppe von Senatoren hatte Trump zuvor in einem Brief aufgefordert, das Diesel-Abkommen mit Moskau aufzugeben und das Graham-Gesetz konsequent umzusetzen. Der Druck auf den Präsidenten kommt damit nicht nur von der Opposition, sondern auch aus den eigenen Reihen.
Auf russischer Seite stieß die Entscheidung auf Zustimmung. Kirill Dmitrijew, ein Investitionsbeauftragter Putins, begrüßte den Verzicht als „historischen Moment". Er warnte zugleich, das Gesetz hätte die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den USA und Russland faktisch beendet.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 10.10.2026 berichtete aktien.news, dass Trump angekündigt hatte, Russland werde den Weltmarkt künftig mit Dieselkraftstoff beliefern. Die Ankündigung erfolgte weniger als einen Monat vor den Zwischenwahlen, die stark auf Themen der Lebenshaltungskosten ausgerichtet sind. Trump begründete den Schritt damit, die Maßnahme werde die Dieselpreise, die sich auf Rekordniveau befinden, rasch senken.
Am selben Tag meldete aktien.news weitere Details: Trump hatte auf seiner Plattform Truth Social erklärt, der russische Präsident Wladimir Putin werde „unverzüglich" Hunderttausende Tonnen Dieselkraftstoff auf den Weltmarkt bringen. Gleichzeitig gab das US-Finanzministerium bekannt, die bestehenden Russland-Sanktionen befristet zu lockern, um den Transport des Kraftstoffs zu ermöglichen. Das Office of Foreign Assets Control (OFAC) erließ auf Anweisung Trumps mit sofortiger Wirkung eine befristete Generallizenz.
Ebenfalls am 10.10.2026 berichtete aktien.news, dass das Abkommen die sofortige Lieferung von über 300.000 Tonnen Diesel an den US-amerikanischen und globalen Markt vorsah. Um den Import zu ermöglichen, erteilte das US-Finanzministerium eine befristete Ausnahmegenehmigung. Diese erlaubte den Import von russischem Diesel bis zum 7. April und setzte damit die seit Oktober 2025 bestehenden Sanktionen vorübergehend aus.
Ein weiterer Bericht von aktien.news vom 10.10.2026 ordnete die Kehrtwende ein: Trump hatte erst vor drei Wochen ein Gesetz unterzeichnet, das neue amerikanische Sanktionen und Zölle gegen Länder autorisiert, die russisches Öl und Gas importieren. Der Zeitpunkt des Deals fiel in einen Energiepreisschock, ausgelöst durch den anhaltenden Iran-Krieg und dessen Auswirkungen auf die globalen Energiemärkte.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Entscheidung vor allem ein Signal für erhöhte politische Unsicherheit an den Energiemärkten. Die Aussetzung der Zölle und Sanktionen verringert kurzfristig das Risiko neuer Handelskonflikte, die über die betroffenen Drittstaaten auch europäische Lieferketten treffen könnten. Länder wie China, Indien und die Türkei zählen zu den Hauptabnehmern russischer Energie und hatten bereits scharfe Kritik an den geplanten Maßnahmen geäußert.
Peking kritisierte die extraterritoriale Anwendung US-amerikanischer Gesetze, während Indien vor negativen Auswirkungen auf die bilateralen Beziehungen warnte. Wären die 100- und 500-prozentigen Zölle in Kraft getreten, hätten sie den globalen Energiehandel spürbar umgelenkt. Die Aussetzung nimmt diesen Druck zunächst heraus – beseitigt ihn aber nicht dauerhaft.
Anleger sollten beachten, dass Trump sich durch die Aussetzung die Option vorbehält, die Maßnahmen zu einem späteren Zeitpunkt zu aktivieren, sollte er oder seine Regierung dies für angemessen halten. Die Sanktionsdrohung bleibt damit als politisches Instrument bestehen. Für Energie-, Rohstoff- und Logistikwerte bedeutet das weiterhin ein Umfeld, in dem politische Entscheidungen die Preise stärker bewegen können als Fundamentaldaten.
Ausblick
Der entscheidende Termin bleibt der 3. November, der Tag der Zwischenwahlen in den USA. Bis dahin dürfte die Regierung alles daransetzen, die Dieselpreise niedrig zu halten. Die befristete Ausnahmegenehmigung für russischen Diesel läuft nach den bisherigen Berichten bis zum 7. April.
Offen bleibt, ob und wann Trump die ausgesetzten Maßnahmen des Graham-Gesetzes doch noch aktiviert. Der Präsident behält sich diese Option ausdrücklich vor. Ebenso unklar ist, wie die betroffenen Drittstaaten auf eine spätere Aktivierung reagieren würden – ihre Kritik an den Plänen ist dokumentiert.
Kurz erklärt
- Executive Order: Eine vom US-Präsidenten erlassene Anweisung an Bundesbehörden, die ohne Zustimmung des Kongresses wirksam werden kann.
- Extraterritoriale Anwendung: Die Übertragung eigener Gesetze auf Vorgänge und Akteure außerhalb des eigenen Staatsgebiets.
- Generallizenz: Eine behördliche Ausnahmegenehmigung, die bestimmte ansonsten verbotene Geschäfte befristet erlaubt.
