Trump fordert Rücktritt von Fed-Chef Powell nach Prüfbericht
US-Präsident Trump verlangt den Rücktritt von Jerome Powell wegen Kostenüberschreitungen bei der Fed-Zentralrenovierung.

US-Präsident Donald Trump hat am Mittwoch die Entlassung des Federal-Reserve-Vorsitzenden Jerome Powell gefordert. Anlass ist ein Bericht des Inspector General (Prüfungsamt) über Kostenüberschreitungen beim Renovierungsprojekt der Zentralbankzentrale in Washington. Die Renovierung der beiden historischen Gebäude der Fed auf der National Mall kostet inzwischen rund 2,4 Milliarden US-Dollar – etwa eine Milliarde Dollar mehr als ursprünglich veranschlagt.
Der Bericht des Prüfungsamts identifizierte Probleme im Projektmanagement, fand jedoch keine Hinweise auf strafbare Handlungen oder administratives Fehlverhalten. Für deutsche Anleger ist die Auseinandersetzung von Bedeutung, weil sie das Verhältnis zwischen der US-Regierung und der unabhängigen Notenbank belastet – ein Faktor, der die Erwartungen an die künftige Geldpolitik und damit auch die Kapitalmärkte beeinflussen kann.
Kritik am Projektmanagement
Laut dem Bericht des Prüfungsamts erhielt das Gremium der Fed erst im Januar 2026 eine Kostenschätzung vom Bauunternehmen – also 3,5 Jahre nach Baubeginn und nachdem das Gremium bereits mehr als 2 Milliarden Dollar an Baukosten vergeben hatte. Bis Juli 2026, mehr als vier Jahre nach Baubeginn, hatte das Gremium keinen garantierten Höchstpreis festgelegt. Diese Verzögerungen bei der Kostenkontrolle stehen im Zentrum der Kritik.
Trump erklärte in einer Stellungnahme, Powell solle gezwungen werden, sein Amt im Board of Governors der Fed niederzulegen. Der Präsident bat Attorney General Todd Blanche, den Bericht zu prüfen und die weiteren Schritte im Zusammenhang mit dem Bauprojekt zu bestimmen. Damit wird die Aufsicht über das Renovierungsvorhaben auf höchster Ebene des Justizministeriums angesiedelt.
Trump gab zudem an, er gehe davon aus, dass die Endkosten zwischen 3,5 Milliarden und 4 Milliarden Dollar liegen würden. Er betonte, er hätte die Renovierung für 25 Millionen Dollar durchführen können, wobei die ursprünglichen Merkmale des Gebäudes hätten bewahrt werden können. Diese Einschätzung des Präsidenten steht in krassem Gegensatz zu den tatsächlich vergebenen Summen.
Keine Hinweise auf Straftaten
Der Bericht des Prüfungsamts stellte ausdrücklich fest, dass keine vernünftigen Gründe vorliegen, um anzunehmen, dass gegen bundesstaatliches Strafrecht verstoßen wurde. Er skizzierte Mängel im Management des Renovierungsprojekts und empfahl Korrekturmaßnahmen, nannte jedoch kein administratives Fehlverhalten. Die Prüfer sehen demnach organisatorische Schwächen, aber keine rechtlich relevanten Verfehlungen.
Die Forderung nach einem Rücktritt Powells fällt in eine Phase, in der die Unabhängigkeit der US-Notenbank international intensiv diskutiert wird. Der Fed-Vorsitz und das Board of Governors entscheiden über Leitzinsen und damit über die Finanzierungsbedingungen der größten Volkswirtschaft der Welt. Eingriffe der Politik in diese Personalentscheidungen werden von Marktbeobachtern traditionell mit Skepsis verfolgt, da sie die Glaubwürdigkeit der Geldpolitik berühren können.
Ob der Bericht des Inspector General tatsächlich personelle Konsequenzen nach sich zieht, ist offen. Klar ist: Der Streit um die Renovierungskosten ist zu einem politischen Konflikt geworden, der weit über das Bauprojekt hinausreicht. Anleger sollten die weitere Entwicklung aufmerksam verfolgen, da sie das Vertrauen in die US-Notenbank und die Stabilität der Finanzmärkte berühren kann.
