Trump droht Kanada: Neue Grenzbrücke vor Blockade
US-Präsident eskaliert Handelsstreit und fordert Miteigentum an milliardenschwerer Detroit-Windsor-Brücke.

US-Präsident Donald Trump verschärft den Ton im Handelskonflikt mit Kanada drastisch. Der Republikaner droht nun mit der Blockade der neuen Gordie Howe International Bridge, die Detroit mit der kanadischen Stadt Windsor verbinden soll. Die Eröffnung der milliardenschweren Infrastruktur steht unmittelbar bevor.
Trump fordert über seine Social-Media-Plattform, dass die Brücke mindestens zur Hälfte den USA gehören müsse. "Wir werden die Eröffnung nicht zulassen, bis Kanada die Vereinigten Staaten mit Fairness und dem Respekt behandelt, den wir verdienen", schrieb der US-Präsident. Verhandlungen würden unverzüglich aufgenommen, konkrete Details nannte er jedoch nicht.
Die sechsspurige Brücke über den Detroit River soll auch für Fußgänger und Radfahrer zugänglich sein. Nach kanadischen Angaben trägt Ottawa die gesamten Baukosten, die über künftige Mautgebühren refinanziert werden sollen. Das Projekt zielt darauf ab, den bilateralen Handel zwischen beiden Nachbarländern weiter anzukurbeln.
Kritik an Bauprodukten und China-Annäherung
Trump wirft Kanada vor, beim Bau keine amerikanischen Produkte wie Stahl verwendet zu haben. Besonders verärgert zeigt sich der US-Präsident über die jüngste handelspolitische Annäherung zwischen Kanada und China. Premierminister Mark Carney hatte im Januar mit Chinas Staatschef Xi Jinping eine Vereinbarung zum Abbau gegenseitiger Handelsbarrieren getroffen.
Konkret senkt China die Zölle auf kanadischen Raps, während Kanada im Gegenzug die Abgaben auf chinesische Elektroautos reduziert. Trump reagierte darauf bereits mit der Androhung von 100-Prozent-Strafzöllen auf kanadische Importe. Auch Sonderzölle auf Flugzeuge aus Kanada stehen im Raum.
Mittelmächte gegen Großmächte
Kanadas Regierungschef Carney hat in den vergangenen Monaten 13 Handels- und Sicherheitsverträge auf vier Kontinenten abgeschlossen. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos warb er für eine Koalition der Mittelmächte, um nicht zwischen USA und China zerrieben zu werden. "Die alte Weltordnung kommt nicht mehr zurück", betonte Carney in seiner Rede, die als deutliche Kritik an Trumps "America First"-Politik verstanden wurde.
Trump nutzt Zölle regelmäßig als politisches Druckmittel, auch gegenüber traditionellen Verbündeten. Der US-Präsident hatte mehrfach angedeutet, Kanada solle ein US-Bundesstaat werden. Ob er seine Drohungen bezüglich der Brücke tatsächlich umsetzt, bleibt abzuwarten – in der Vergangenheit blieben manche Zollankündigungen folgenlos.
Für Investoren birgt die Eskalation Unsicherheiten für nordamerikanische Handelsbeziehungen und grenzüberschreitende Infrastrukturprojekte. Die Entwicklung dürfte besonders Unternehmen mit Lieferketten zwischen USA und Kanada betreffen.
