TRIG: 10% Dividendenrendite und Batterien an spanischen Solarstandorten
Managing Director Minesh Shah erläutert im Interview Performance, Dividendenabsicherung und die gescheiterte Fusion mit HICL Infrastructure.

Die Renewables Infrastructure Group (LSE: TRIG) hat nach mehreren schwierigen Jahren wieder an Boden gewonnen. Im Rahmen der Interviewreihe „Insider Interviews" von interactive investor sprach Managing Director Minesh Shah mit Dave Baxter über die Erholung des Trusts, die Risiken und Chancen der kommenden zwölf Monate sowie über die gescheiterte Fusion mit HICL Infrastructure PLC (LSE: HICL). Das Gespräch wurde am 28. Oktober 2026 veröffentlicht.
Als zentralen Treiber der jüngsten Entwicklung nannte Shah die Eskalation des Konflikts im Nahen Osten im Jahr 2026. Diese habe den Menschen erneut vor Augen geführt, welche Rolle erneuerbare Energien und Energiespeicher im Energiesystem spielen. Zugleich habe sich die Lage in höheren Umsätzen im Sektor niedergeschlagen – getrieben durch steigende Strompreise und eine höhere Inflation. Hinzu komme eine verbesserte operative Leistung des Unternehmens. Beides zusammen habe das Investorenvertrauen gestärkt.
Shah betonte, der Energieübergang sei gekommen, um zu bleiben, und müsse beschleunigt werden. Selbst im Fall einer Lösung im Nahen Osten zeigt er sich wenig besorgt über nachlassende Aufmerksamkeit für das Thema Energieunabhängigkeit. Der Grund: Der Übergang werde aus unterschiedlichen Motiven getragen.
Die Details
Shah verweist auf das sogenannte Energy Trilemma, das aus drei Aspekten besteht: Energiesouveränität und Energieunabhängigkeit, die Erschwinglichkeit von Energie sowie die Dekarbonisierung. Je nach politischem Lager werde der eine oder andere Aspekt stärker betont. Einig sei man sich jedoch darüber, dass erneuerbare Energien und Energiespeicher eine große Rolle spielen werden.
Mit Blick auf die Rendite nennt Shah eine Dividendenrendite von 10 Prozent und bezeichnet sie als wettbewerbsfähig gegenüber Benchmarks – auch in einem Umfeld hoher Zinsen, in dem Anleger viele Alternativen haben. Zusätzliche Erträge soll die Entwicklungspipeline liefern. Dort sieht TRIG Investitionsmöglichkeiten mit Renditen im mittleren zweistelligen Bereich.
Zur Dividendensicherung macht Shah konkrete Angaben: Sie liege auf Nettobasis bei 1,1-mal. Rechne man die Rückzahlung von Schuldkapital hinzu, liege sie deutlich über zwei Mal. Anfang des Jahres habe das Unternehmen klargestellt, dass die Priorität darin bestehe, die Dividendensicherung weiter zu steigern. Steige diese, könne der Vorstand das zusätzliche einbehaltene Kapital zur Reinvestition, für Aktienrückkäufe oder zur Erhöhung der Dividende einsetzen. Die Entscheidung über die Kapitalallokation treffe der Vorstand zu gegebener Zeit.
Ein weiteres Thema war die geografische Aufteilung des Portfolios. Sie liegt laut Shah bei etwa 60 zu 40 zwischen Großbritannien und dem übrigen Europa und habe in der Vergangenheit zwischen 50 zu 50 und zwei Dritteln zu einem Drittel geschwankt. Innerhalb dieses Rahmens fühle man sich wohl. Der Vorteil der Präsenz in allen Regionen sei die Fähigkeit, je nach besten Chancen zu pivotieren.
Als aktuelles Beispiel nennt Shah den Bau von Batterien, die neben den Solaranlagen in Spanien ko-lokalisiert sind. In Spanien gebe es so viel Solarenergie im System, dass der Preis mittags nahe null liege, weil jede Solaranlage erzeuge. Abends um 20 Uhr jedoch gingen alle zum Abendessen nach Hause, wenn die Sonne bereits untergegangen sei – dann stiegen die Strompreise deutlich. Mit Batterien neben den Solarstandorten lässt sich dieser Strom mittags aufnehmen und zum Abendessen verkaufen, nachts vom Netz kaufen und morgens verkaufen. Shah spricht in diesem Zusammenhang von potenziellen Renditen im zweistelligen Bereich.
TRIG verfügt über zwei Manager. Einer davon ist InfraRed mit seiner Investitionsexpertise. An der Seite von TRIG stehe zudem Rez, die seit über 40 Jahren im Bereich erneuerbare Energien tätig seien und effektiv zu den Gründervätern des Sektors zählten. Sie seien Experten darin, Projekte von der Entwicklung über den Bau bis hin zu einem guten Betrieb zu führen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 16.02.2026 berichtete aktien.news, dass TRIG im vierten Quartal einen Rückgang des Nettoinventarwerts (NAV) um 5,2 Prozent auf 104 Pence pro Aktie verzeichnete – ein stärkerer Einbruch als von Analysten erwartet. Der NAV sank im Quartal um 5,7 Pence pro Aktie, ausgehend von 109,7 Pence Ende September. Als Hauptursachen nannte der Bericht niedrigere Strompreisprognosen und steigende Abzinsungssätze, speziell bei britischen Anlagen.
Am 20.04.2026 berichtete aktien.news über die zehn renditestärksten Aktien-Investmenttrusts. Angeführt wurde die Rangliste von NextEnergy Solar mit einer Dividendenrendite von 18,3 Prozent, gefolgt vom SDCL Efficiency Income Trust mit 15,1 Prozent. Zahlreiche weitere Fonds aus dem Bereich erneuerbare Energien wurden demnach mit zweistelligen Abschlägen gehandelt.
Am 04.07.2026 meldete aktien.news, dass HICL Infrastructure sein langfristiges Renditeziel auf 10 Prozent pro Jahr angehoben hat – ausdrücklich ohne Garantie. Verwaltet wird HICL von InfraRed Capital Partners, einem Infrastrukturspezialisten mit mehr als 25 Jahren Branchenerfahrung. Am 24.07.2026 folgte ein charttechnischer Bericht: Der unabhängige Analyst Alistair Strang von Trends and Targets nahm die Kursperspektiven von TRIG unter die Lupe, die damals bei rund 75,10 Pence notierte.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist TRIG ein Vehikel für den Zugang zum Sektor der erneuerbaren Energien, der in Europa politisch und wirtschaftlich stark gefördert wird. Der Trust investiert in Infrastruktur zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen. Interessant ist die Kombination aus einer laut Shah 10-prozentigen Dividendenrendite und einer Dividendensicherung von 1,1-mal auf Nettobasis, die sich mit Schuldrückzahlung auf deutlich über zwei Mal erhöht.
Anleger sollten jedoch die Volatilität des Sektors im Blick behalten. Der NAV-Rückgang von 5,2 Prozent im vierten Quartal 2026 zeigt, wie stark Strompreisprognosen und Abzinsungssätze den Wert eines solchen Portfolios beeinflussen können. Auch die im April 2026 dokumentierten zweistelligen Abschläge vieler Sektorvertreter belegen die Bewertungsrisiken. Die im Interview genannten zweistelligen Renditen aus der Entwicklungspipeline sind Chancen, keine Zusagen.
Ausblick
Für die kommenden zwölf Monate sieht Shah TRIG gut aufgestellt. Die Strategie, über die Entwicklungspipeline zusätzliche Renditen zu erzielen, solle den Trust bei der Suche von Investoren nach attraktiven Werten positiv hervortreten lassen. Die geografische Mischung von etwa 60 zu 40 soll beibehalten werden. Der Bau von Batterien an spanischen Solarstandorten soll weiter vorangetrieben werden. Bei der Konsolidierung bleibt der Vorstand offen: Eine Fusion oder die Rolle als Konsolidierer komme infrage, wenn vier Bedingungen erfüllt sind – Übereinstimmung mit der Strategie, Qualität der Vermögenswerte, Einigkeit beim Preis und stimmige Kapitalallokation. Konkrete Zeitpunkte nannte Shah nicht.
Kurz erklärt
- Investmenttrust: Eine börsennotierte Investmentgesellschaft, die Kapital vieler Anleger bündelt und in ein Portfolio aus Beteiligungen investiert.
- Dividendenrendite: Das Verhältnis der jährlichen Ausschüttung zum aktuellen Aktienkurs eines Unternehmens.
- Nettoinventarwert (NAV): Der Gesamtwert aller Vermögenswerte eines Fonds abzüglich seiner Verbindlichkeiten, umgerechnet auf eine einzelne Aktie.
