Top-Investor Delfin unterstützt Intesas verbessertes 34,5-Mrd.-Angebot für MPS
Der größte Aktionär von Monte dei Paschi stützt den feindseligen Übernahmeversuch von Intesa Sanpaolo – ein wichtiger Etappensieg für Italiens größte Bank.

Der größte Aktionär des Monte dei Paschi di Siena (MPS) hat seine Unterstützung für das verbesserte Übernahmeangebot von Intesa Sanpaolo in Höhe von 34,5 Milliarden Euro ausgesprochen. Damit erhält das größte italienische Kreditinstitut erheblichen Rückenwind bei seinem feindseligen Versuch, die Kontrolle über seinen toskanischen Konkurrenten zu erlangen. Der Verwaltungsrat der Delfin genannten Holdinggesellschaft der Milliardärsfamilie Del Vecchio unterstützte das Angebot einstimmig, wie aus einer Erklärung der Bank und Angaben mit den Beratungen von Delfin vertrauter Personen hervorgeht.
Den Ausschlag für die Zustimmung gab demnach eine Aufstockung des Bargeldanteils durch Intesa um 800 Millionen Euro. Delfin hält 17,6 Prozent der MPS-Aktien und ist damit der größte Einzelaktionär der traditionsreichen Bank aus der Toskana. Das überarbeitete Angebot bewertet MPS insgesamt mit 34,5 Milliarden Euro und umfasst einen Bargeldanteil von 3,8 Milliarden Euro.
Am Samstag erklärte Intesa, den Bargeldanteil auf 0,25 bis 1,25 Euro pro MPS-Aktie zu erhöhen, während sie ihr Angebot von 1,6 neu ausgegebenen Intesa-Aktien für jede eingereichte MPS-Aktie beibehält. Der Wert des Angebots, das erstmals am 8. Juni vorgelegt wurde, ist zudem aufgrund eines Anstiegs der Intesa-Aktienkurse um rund 12 Prozent seitdem gestiegen. Für die Aktionäre bedeutet das einen zusätzlichen finanziellen Anreiz, das Gebot anzunehmen.
Lovaglios Gegenwehr und ein riskantes Doppelgeschäft
MPS-Chef Luigi Lovaglio hat bislang versucht, sich gegen die feindselige Übernahme zu wehren und gleichzeitig sein eigenes ambitioniertes Doppelgeschäft voranzutreiben. Sein Plan sieht den Erwerb der Banco BPM und der Banca Generali vor, der Vermögensverwaltungssparte des Versicherers Generali. Nach italienischen Übernahmevorschriften müssen beide Akquisitionen von den MPS-Aktionären genehmigt werden, da Intesa ein konkurrierendes Angebot für die toskanische Bank stellt. Eine entsprechende Abstimmung der Aktionäre ist für Ende dieses Monats geplant.
Intesa hat bereits klargestellt, wie ernst es die Auseinandersetzung meint: Die Bank erklärte am Samstag, sie werde ihr Angebot für MPS zurückziehen, sollten die Aktionäre der toskanischen Bank dafür stimmen, Lovaglios konkurrierenden Übernahmeplan fortzusetzen. Damit stehen die Aktionäre vor einer klaren Entscheidung zwischen zwei grundlegend verschiedenen Zukunftsszenarien für Italiens älteste Bank.
Politisches Minenfeld in Rom
Die versuchte Übernahme von MPS durch Intesa, die zur Aufspaltung der ältesten Bank Italiens führen würde, stieß bei der Regierung von Giorgia Meloni auf kalte Aufnahme. Der italienische Staat hält nach der Rettung im Jahr 2017 noch immer einen kleinen Anteil an MPS und verfolgt die Entwicklung daher mit besonderem Interesse. Intesa plant, eine eigenständige Bank einschließlich der MPS-Marke und Hunderten von Filialen an den Versicherer Unipol zu verkaufen, während sie Mediobanca und deren 13-prozentigen Anteil an Generali behalten will.
Meloni hat die Aussicht, dass MPS „auseinandergerissen" werde, öffentlich kritisiert – auch wenn sie später betonte, dass die Zukunft der Bank eine Angelegenheit des Marktes sei. Die doppelte Botschaft aus Rom unterstreicht das politische Minenfeld, in dem sich die Übernahmeschlacht abspielt.
Was für Anleger auf dem Spiel steht
Mit der Unterstützung durch Delfin hat Intesa einen wichtigen Verbündeten gewonnen. Da Delfin 17,6 Prozent der MPS-Aktien kontrolliert, dürfte die einstimmige Zustimmung des Verwaltungsrats das Kräfteverhältnis bei der anstehenden Aktionärsabstimmung deutlich verschieben. Für Investoren bleibt die entscheidende Frage, ob sich genügend MPS-Aktionäre für Lovaglios Alternativplan oder für Intesas milliardenschweres Bar- und Aktienangebot entscheiden.
Die kommenden Wochen dürften damit zu einer der spannendsten Phasen in der jüngeren Geschichte des italienischen Bankensektors werden. Beide Seiten haben viel zu verlieren, und die Abstimmung am Monatsende wird zeigen, welche Vision für MPS sich durchsetzt.
