Thyssenkrupp Nucera: Doppel-Turnaround trotz schwacher Wasserstoff-Nachfrage möglich
Elektrolysespezialist profitiert von stabilem Chemiegeschäft – Wasserstoffsektor könnte 2026 wieder anziehen

Während schwache Quartalszahlen üblicherweise auf die Börsenkurse drücken, zeigt sich Thyssenkrupp Nucera überraschend stabil. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2025/2026 sanken zwar Umsatz und Gewinn gegenüber dem Vorjahr, doch die Aktie hielt sich wacker. Investoren hatten die Abschwächung im Wasserstoffgeschäft bereits antizipiert.
Der deutsche Anlagenbauer fertigt Elektrolyseure zur Wasserstoffproduktion aus erneuerbaren Energien. Grüner Wasserstoff soll langfristig fossile Brennstoffe in energieintensiven Industrien ersetzen und CO₂-Emissionen drastisch reduzieren. Doch die anfängliche Euphorie ist verflogen – viele staatlich geförderte Projekte stehen auf dem Prüfstand.
Besonders die zweite Amtszeit von US-Präsident Donald Trump belastet den Sektor. Trump hat die Förderung erneuerbarer Energien gestrichen und durch seine Zollpolitik wichtige Komponenten für Elektrolyseure verteuert. Die Folge: Weltweit herrscht Zurückhaltung bei Wasserstoffinvestitionen.
Chemiegeschäft als Stabilitätsanker
Im Gegensatz zu reinen Wasserstoffspezialisten wie dem US-Konzern Plug Power verfügt Thyssenkrupp Nucera über ein zweites Standbein. Die Elektrolysesparte für Chemikalien läuft robust und macht das Unternehmen unabhängiger vom schwächelnden Energiesektor. Während Plug Power seit Oktober 2025 die Hälfte seines Börsenwerts verlor, bewegte sich Thyssenkrupp Nucera seitwärts.
Die Zahlen sprechen für sich: Im ersten Quartal 2025/2026 gingen Aufträge für Chemie-Elektrolyse im Wert von 70 Millionen Euro ein. Das Wasserstoffgeschäft steuerte lediglich fünf Millionen Euro bei. Die bei der Chlor-Alkali-Elektrolyse gewonnenen Chemikalien werden unter anderem für Kunststoffproduktion benötigt – ein Abnehmer ist der Chemiekonzern Covestro.
Zwar prognostiziert die IKB Deutsche Industriebank für 2026 einen Produktionsrückgang in der deutschen Chemieindustrie um 1,4 Prozent. Doch diese Schwäche ist an der Börse bereits eingepreist. Zudem könnte das EU-Südamerika-Handelsabkommen neue Impulse liefern – sofern es ratifiziert wird.
Erste Erholungssignale im Wasserstoffsektor
Trotz der aktuellen Flaute zeigen sich erste positive Tendenzen. Die angekündigten neuen Kapazitäten für weltweite Wasserstoffproduktion stiegen allein im Januar um elf Prozent. Allerdings ist noch keine dieser Anlagen tatsächlich in Betrieb gegangen. Der Aufschwung bleibt fragil.
Marktbeobachter erwarten eine Erholung des Wasserstoffgeschäfts im Laufe des Jahres 2026. Die extreme Skepsis der vergangenen Monate hat die Bewertungen gedrückt – und damit die Wahrscheinlichkeit positiver Überraschungen erhöht.
Thyssenkrupp Nucera bietet Anlegern die Chance auf einen doppelten Turnaround: sowohl in der Chemieindustrie als auch im Wasserstoffsektor. Kurzfristige Gewinne sind allerdings nicht zu erwarten. Die geopolitischen Unsicherheiten und die Konjunktursensibilität der Chemiebranche bergen Rückschlagrisiken. Geduldige Investoren könnten jedoch von der breiten Aufstellung des Unternehmens profitieren.
