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Tech-Aktien auf Talfahrt: Fed-Wetten erschüttern die KI-Rally

Starke US-Arbeitsmarktdaten und enttäuschende Halbleiterberichte lösen heftige Verkaufswelle in asiatischen Tech-Märkten aus.

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Tech-Aktien auf Talfahrt: Fed-Wetten erschüttern die KI-Rally

Die asiatischen Aktienmärkte haben den Ausverkauf der vergangenen Woche deutlich ausgeweitet. Besonders hart traf es Halbleiteraktien – der südkoreanische KOSPI brach um mehr als 4,5 Prozent ein. Auslöser war ein Kursrutsch an den US-Märkten am Freitag, nachdem starke Arbeitsmarktdaten die Erwartungen an Zinserhöhungen in diesem Jahr neu entfacht hatten.

Anleger zogen sich daraufhin aus einigen der meistgekauften Positionen des Jahres zurück. Im Fokus standen vor allem KI-nahe Technologiewerte, die in den vergangenen Monaten außergewöhnliche Kursgewinne verzeichnet hatten. Die Kombination aus geldpolitischer Unsicherheit und einem enttäuschenden Quartalsbericht eines großen US-Halbleiterunternehmens sorgte für eine überproportionale Marktreaktion.

Experten sehen Korrektur, keine Trendwende

Ecaterina Bigos, Chief Investment Officer für Asia ex-Japan Core Investments bei BNP Paribas Asset Management in Hongkong, ordnet die Bewegung als typische Marktkorrektur ein: „Die Anleger bewerten die Bewertungen neu und kalibrieren ihre Positionen neu, anstatt das KI-Thema gänzlich aufzugeben. Nach einem längeren Aufwärtstrend sind Korrekturen typisch und dienen als Atempause vor weiteren Kursgewinnen, insbesondere wenn die zugrunde liegenden strukturellen Faktoren weiterhin unterstützend wirken."

David Chao, Global Market Strategist für Asien-Pazifik bei Invesco in Singapur, sieht den Ursprung der Turbulenzen klar in den USA: „Asiatische Tech-Aktien erleben einen turbulenten Wochenauftakt nach einem Ausverkauf, der in den USA begann, nachdem ein großes US-Halbleiterunternehmen die Umsatzerwartungen verfehlt und keine Anhebung der KI-Prognosen geliefert hatte." Er betont jedoch, dass ein einzelner Quartalsbericht keinen übergeordneten Branchentrend signalisiere. Vielmehr seien die Markterwartungen schlicht zu hoch geworden.

Chao weist zudem auf ein strukturelles Problem hin: „In Asien hat sich das Narrativ der KI-Investitionen stark konzentriert. Es wird von einigen wenigen Namen in Korea und Taiwan getrieben. Diese Konzentrationsrisiken haben dazu geführt, dass der Markt weitaus fragiler geworden ist."

Zinsunsicherheit und IPO-Pläne als Belastungsfaktoren

Vasu Menon, Managing Director of Investment Strategy bei OCBC in Singapur, nennt mehrere kurzfristige Risikofaktoren: Neben der Inflation und steigenden US-Anleiherenditen könnten auch Unsicherheiten rund um die künftige Ausrichtung der US-Notenbank Fed unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh für weitere Schwankungen sorgen. Zudem hätten die geplanten Börsengänge von SpaceX und Anthropic mit aggressiven Bewertungszielen Sorgen geweckt, ob diese Mega-IPOs Liquidität von anderen Tech-Unternehmen abziehen könnten.

Ben Bennett, Head of Investment Strategy für Asien bei L&G Asset Management in Hongkong, hatte die Entwicklung bereits antizipiert: „Unser Asset-Allocation-Team hat Mitte Mai die taktische Übergewichtung im Technologiesektor aufgelöst, da wir der Meinung waren, dass viele gute Nachrichten bereits eingepreist waren." Fundamental habe sich jedoch nichts geändert – strukturell bleibe man positiv für den Sektor gestimmt.

Frank Benzimra, Head of Asia Equity Strategy bei Société Générale in Hongkong, erklärt die Heftigkeit der Reaktion mit der Marktstruktur: „Was man sieht, ist eine extreme Sensitivität des Marktes gegenüber den Gewinnen." Er verweist auf gehebelte ETFs, deren Mechanismen Rückgänge verstärken und zusätzliche Volatilität erzeugen.

Fundamentaldaten bleiben solide

Thomas Mathews, Head of Markets für Asien-Pazifik bei Capital Economics, gibt Entwarnung für das Gesamtbild: „Halbleiterunternehmen verdienen immer noch viel Geld und die breitere Wirtschaft ist stark, was normalerweise kein Hintergrund für einen anhaltenden Kursrückgang ist." Das schwächer als erwartet ausgefallene Ergebnis von Broadcom Ende der vergangenen Woche habe zwar Sorgen zurückgebracht, ändere aber nichts an den Fundamentaldaten.

Fabien Yip, Marktanalyst bei IG in Sydney, warnt dennoch vor weiteren kurzfristigen Risiken: Die erzwungene Auflösung gehebelter Positionen könnte die Volatilität verstärken, während anstehende Inflationsdaten die Anleiherenditen nach oben treiben und zusätzlichen Druck auf Wachstumsaktien ausüben könnten. Auch der schwache südkoreanische Won und eine mögliche geldpolitische Straffung in Südkorea könnten gehebelte Positionen weiter belasten.

Marc Velan, Head of Investments bei Lucerne Asset Management in Singapur, fasst die Lage prägnant zusammen: „Die Bewegung sieht eher nach einem Abbau von Positionierungen und Momentum aus als nach einer Neubewertung der langfristigen KI-Story." Die entscheidende Frage sei, ob sich die KI-Ausgaben der großen Hyperscaler verlangsamen – und dafür sehe man derzeit keine Anzeichen.

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