Take Five: Zwischenwahlen, Tech-Quartalszahlen und Zentralbanktagungen im Fokus
Die kommende Woche bringt US-Zwischenwahlen, Beschäftigungsdaten, Tech-Bilanzen und mehrere Zentralbankentscheidungen für die Anleger.

Die kommende Woche an den Finanzmärkten wird von einer geballten Ladung unterschiedlicher Themen geprägt sein: Die US-Zwischenwahlen, wichtige Wirtschaftsdaten, die Quartalszahlen großer Tech-Unternehmen sowie eine Reihe von Zentralbanktagungen dürften die Anleger auf die Probe stellen. Das berichtet Reuters unter Berufung auf Lewis Krauskopf in New York, Rae Wee in Singapur sowie Dhara Ranasinghe, Amanda Cooper, Sophie Kiderlin und Karin Strohecker in London.
Den Auftakt macht am Dienstag die US-Zwischenwahl. Sie entscheidet darüber, ob es den Demokraten gelingt, die Kontrolle im Kongress von der Republikanischen Partei von Präsident Donald Trump an sich zu reißen. Damit könnte sich die politische Landschaft für die nächsten zwei Jahre und die Aussichten für die Märkte neu gestalten. Allgemein wird erwartet, dass die Demokraten das Repräsentantenhaus gewinnen, während die Kontrolle des Senats weniger sicher ist. Während der ersten zwei Jahre von Trumps Amtszeit hatten die Republikaner beide Häuser kontrolliert.
Regulierung, Fiskalpolitik und sensible Branchen
Sollten die Demokraten siegen, rücken strengere Regulierungen im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) stärker in den Fokus der Anleger – einschließlich Widerstand gegen den Ausbau von Rechenzentren. Auch eine potenziell stärkere Aufsicht über Wall-Street-Banken und Krypto-Firmen könnte dann an Bedeutung gewinnen. Zudem könnte das Wahlergebnis die Erwartungen an die fiskalischen Ausgaben beeinflussen, wobei Verteidigungs- und Gesundheitsaktien besonders sensibel auf den Ausgang reagieren dürften.
Ein zentraler Termin ist der Bericht über die nichtlandwirtschaftlichen Beschäftigtenzahlen für Oktober am Freitag. Er krönt eine geschäftige Woche für die US-Wirtschaft und könnte neue Orientierungshilfen für den nächsten Schritt der Federal Reserve bieten. Die Daten vom September hatten gezeigt, dass die Wirtschaft mit 29.000 neu geschaffenen Arbeitsplätzen unter den Erwartungen lag. Der Arbeitsmarkt blieb jedoch widerstandsfähig: Die Arbeitslosenquote lag im vergangenen Monat bei 4,2 Prozent, während die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosengeld nahe dem niedrigsten Stand seit 57 Jahren schwankten. Die Fed hatte am Mittwoch die Zinsen unverändert gelassen und ihre Bewertung der Wirtschaft von „solide" auf „stark" angehoben. Die Märkte preisen eine Wahrscheinlichkeit von etwa 80 Prozent für eine Zinserhöhung der Fed im Dezember ein, was auf gewisse Unsicherheiten hinsichtlich des Zeitpunkts des nächsten Schritts hindeutet. Die Beschäftigungszahlen könnten hier etwas Klarheit schaffen.
Apple und KI-Werte im Blickpunkt
Im Mittelpunkt des Quartalszahlungskalenders steht Apple, eines der „Magnificent 7"-Tech-Giganten, zusammen mit einigen Stars aus der KI-Szene. Der KI-Handel steht besonders im Fokus, nachdem enttäuschende Ergebnisse der Alphabet-Muttergesellschaft von Google sowie von Amazon und Intel zu scharfen Kursverlusten geführt hatten. Die bevorstehenden Berichte von Qualcomm und dem Konkurrenten Advanced Micro Devices könnten entweder die Bedenken verstärken oder widerlegen, dass die Begeisterung der Anleger für die KI an Dynamik verliert.
In Europa hören Anleger zudem von Unternehmen, die Trumps Zöllen und den höheren Energiepreisen infolge des Iran-Krieges ausgesetzt sind. Dazu zählen Automobilhersteller wie BMW, Daimler und Ferrari sowie Fluggesellschaften wie Lufthansa, Ryanair und ICAG, der Eigentümer von British Airways.
Dicht gepackter Zentralbankkalender
Eine weitere Woche bringt einen dicht gepackten Kalender von Zentralbanktagungen. Die Reserve Bank of Australia gibt am Dienstag ihre Politikentscheidung bekannt, gefolgt von der schwedischen Riksbank am Mittwoch sowie der Bank of England und der Norges Bank am Donnerstag. Die Fed, die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of Japan hatten in dieser Woche die Politik unverändert gelassen. Die Märkte erwarten jedoch, dass RBA, Riksbank und BoE die Zinsen anheben. Für die australische Zentralbank wäre es die fünfte Erhöhung dieses Jahres, da sie mit hartnäckiger Inflation kämpft, für Schweden und Großbritannien hingegen die erste. Beide Länder hatten bislang einen abwartenden Ansatz verfolgt, doch steigende Inflationsrisiken erhöhen die Argumente für ein Handeln. Norwegens Zentralbank ist auf dem Pfad der Verschärfung bereits weiter fort, da sie die Zinsen in diesem Jahr schon zweimal angehoben hat.
Auch die Schwellenländer bleiben im Fokus. Die brasilianische Zentralbank sieht sich nach einer dramatischen Wahlkampagne einem komplexeren Umfeld gegenüber, die die Markterwartungen über den Haufen geworfen hat. Flavio Bolsonaros Sieg in der ersten Runde hatte die Märkte zunächst gestärkt, doch Luiz Inacio Lula da Silvas Comeback-Sieg in der Stichwahl kehrte diese Gewinne um und ließ den Real sowie die Aktienkurse scharf fallen. Die politische Unsicherheit hat einen Lockerungszyklus kompliziert gemacht, der die Zinsen auf 13,75 Prozent gesenkt hat. Damit werden die Politikentscheidung am Mittwoch und die begleitenden Hinweise zum zentralen Fokus für Anleger. Die Märkte achten zudem auf die Ernennung des Finanzministers durch Lula, um Signale für die künftige Fiskalpolitik zu erhalten.
In Indonesien liefert das Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das dritte Quartal, das am Donnerstag veröffentlicht wird, einen neuen Maßstab für die wirtschaftliche Dynamik. Da der Rupiah nahe an Rekordtiefs notiert, suchen Anleger nach Anzeichen von Belastungen in Südostasiens größter Wirtschaft. Hintergrund sind Bedenken bezüglich der Politik von Präsident Prabowo Subianto und seines ehrgeizigen Wachstumsziels von 8 Prozent.
