Südkorea: Wirtschaft stagniert im Q4 – Binnennachfrage bricht ein
Die südkoreanische Wirtschaft ist im vierten Quartal 2024 nahezu zum Stillstand gekommen. Schwache Binnennachfrage und rückläufige Investitionen belasten das Wachstum, während Exporte weiterhin stützen.

Die viertgrößte Volkswirtschaft Asiens wuchs im Zeitraum Oktober bis Dezember 2024 lediglich um 0,1 Prozent im Quartalsvergleich. Dies stellt eine drastische Verlangsamung gegenüber dem dritten Quartal dar, als die Wirtschaft noch um 1,3 Prozent expandierte – das stärkste Wachstum seit über einem Jahr. Dies geht aus einer Reuters-Umfrage unter 21 Ökonomen hervor.
Auf Jahresbasis wird ein BIP-Wachstum von 1,9 Prozent erwartet, kaum verändert gegenüber den 1,8 Prozent des Vorquartals. Einige Analysten befürchten sogar eine regelrechte Schrumpfung der Wirtschaft, wobei viele auf ungünstige Basiseffekte aus dem dritten Quartal verweisen.
Binnennachfrage unter Druck
Die Schwäche konzentriert sich vor allem auf die Binnennachfrage. Besonders Bauinvestitionen und der diskretionäre Konsum zeigen deutliche Rückgänge. "Das Quartalsergebnis dürfte die anhaltende Schwäche der Binnennachfrage widerspiegeln, die durch eine stabile Exportleistung ausgeglichen wird", erklärt Park Chong Hoon, Ökonom bei Standard Chartered.
Die positive Wirkung des Zusatzhaushalts von 31,8 Billionen Won, den die Regierung im dritten Quartal genehmigte, ist weitgehend verpufft. Die damals ausgezahlten Barzahlungen zur Stützung des Konsums haben ihre Wirkung bereits entfaltet. "Der Großteil der Wirkung dürfte bereits im BIP des dritten Quartals verankert sein", so Jeeho Yoon, Senior Economist bei BNP Paribas.
Exporte bleiben Lichtblick
Trotz der Herausforderungen durch US-Zölle entwickeln sich die Exporte weiterhin positiv. Im Dezember stiegen die Ausfuhren um 13,4 Prozent auf 69,58 Milliarden Dollar – der siebte Wachstumsmonat in Folge. Halbleiter und Autos führen die Exporterholung an, selbst angesichts eines 15-prozentigen Zolls auf alle in die USA exportierten Waren.
Zentralbank beendet Lockerungskurs
Die Bank of Korea (BOK) hat in der vergangenen Woche signalisiert, dass sie ihren Lockerungszyklus beendet. Die Zentralbank ließ den Leitzins unverändert und räumt der finanziellen Stabilität Priorität ein. Der Won notiert nahe 16-Jahres-Tiefs, während die Immobilienpreise im Raum Seoul weiterhin stark steigen.
"Es ist für die BOK sehr schwierig, die Zinsen zum jetzigen Zeitpunkt zu senken", erklärt Yoon. Die Kombination aus schwachem Won und steigenden Immobilienpreisen lässt wenig Spielraum für weitere geldpolitische Lockerungen. Die Argumente für Zinssenkungen hätten sich deutlich abgeschwächt.
