Südkorea setzt auf Zentralasien für kritische Rohstoffe und Energie
Erster Gipfel mit fünf zentralasiatischen Staaten soll Lieferketten sichern und Partnerschaften vertiefen.

Südkoreas Präsident Lee Jae-myung hat am Mittwoch den ersten Gipfel mit den Führungspersönlichkeiten fünf zentralasiatischer Länder ausgerichtet. Im Mittelpunkt stand die Zusammenarbeit bei kritischen Mineralstoffen, Energie und Lieferketten. Seoul will die Beziehungen zur ressourcenreichen Region deutlich vertiefen.
An dem Gipfel nahmen die Staats- und Regierungschefs von Kasachstan, Usbekistan, Turkmenistan, Kirgisistan und Tadschikistan teil. Das Treffen krönte drei Tage bilateraler Gespräche, auf denen mehr als 70 Abkommen und Memoranda of Understanding (MoUs) unterzeichnet wurden. Die Vereinbarungen umfassen die Bereiche Energie, Bergbau, Infrastruktur, Technologie und Investitionen.
Strategische Neuausrichtung Seouls
Präsident Lee erklärte im Anschluss an den Gipfel auf einem Wirtschaftsforschungsforum, Südkorea strebe danach, die Kooperation über den Import von Rohstoffen hinaus auszuweiten und industrielle Partnerschaften zu vertiefen. „Jenseits des einfachen Handels mit Rohstoffen müssen wir die Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette kritischer Mineralstoffe stärken – von der Exploration und Raffination bis hin zur Verarbeitung hochwertiger Materialien und der Fertigung von Endprodukten“, so Lee.
Seoul werde diese Bemühungen durch südkoreanisch geführte Zentren für Seltene Erden in Zentralasien unterstützen. Diese Einrichtungen sollen gemeinsame Forschungsprojekte und die Ausbildung von Fachkräften fördern.
Der Gipfel markiert eine neue Phase in Seouls Engagement in Zentralasien. Das ressourcenarme Land will seine Bezugsquellen für Rohöl, Uran und andere strategische Mineralstoffe diversifizieren sowie seinen Unternehmen neue Geschäftsmöglichkeiten erschließen.
Regelmäßige Gipfeltreffen vereinbart
Die Gespräche haben einen Rahmen für regelmäßige zweijährliche Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs etabliert. Kasachstan wird die nächste Zusammenkunft 2028 in Astana ausrichten. Südkorea und Kasachstan haben in dieser Woche zudem Abkommen über Kernenergie, Rohöl und kritische Mineralstoffe unterzeichnet und ihre Beziehungen zu einer umfassenden strategischen Partnerschaft aufgewertet.
Auch die Treffen mit Usbekistan, Turkmenistan, Kirgisistan und Tadschikistan führten zu Vereinbarungen. Diese betreffen strategische Mineralstoffe, Energie, Infrastruktur, Handel, Investitionen und digitale Technologien.
Wirtschaft und Industrie im Fokus
Auf dem Wirtschaftsforschungsforum hob Chey Tae-won, Vorsitzender des SK-Konzerns, die Möglichkeiten zur Ausweitung der Zusammenarbeit hervor. „Wir werden die Zusammenarbeit bei kritischen Mineralstoffen über die reine Erschließung hinaus ausweiten und die gesamte Lieferkette umfassen – von der Raffination bis zur Materialproduktion“, sagte Chey. Er forderte zudem eine intensivere Zusammenarbeit im Bereich erneuerbarer Energien und der Kerntechnik.
Südkorea verfolgt mit seiner 2017 gestarteten „New Northern Policy“ das Ziel, die wirtschaftlichen Bindungen zu Zentralasien und anderen eurasischen Partnern zu vertiefen. Im Kern geht es darum, die Bezugsquellen für Energie und strategische Mineralstoffe zu diversifizieren und neuen Unternehmen aus Südkorea neue Chancen zu eröffnen.
Bedeutung für deutsche Anleger
Die Entwicklung ist auch für deutsche Investoren von Interesse. Südkorea ist ein wichtiger globaler Akteur in der Hightech-Industrie und bei der Fertigung von Elektrofahrzeugen, Batterien und Halbleitern. Eine Diversifizierung der Rohstoffquellen weg von der Dominanz Chinas könnte langfristig die Lieferkettenstabilität verbessern und die Abhängigkeiten reduzieren. Die verstärkte Zusammenarbeit mit Zentralasien signalisiert zudem wachsendes geopolitisches Engagement in einer Region, die reich an strategischen Rohstoffen ist.
