Stillstand in der deutschen Wirtschaft erwartet
US-Zölle, schwache Nachfrage und Arbeitsmarkt belasten Konjunkturausblick

Die Bundesregierung hat ihre Konjunkturprognose für das laufende Jahr erneut nach unten korrigiert. Wie der geschäftsführende Wirtschaftsminister Robert Habeck in Berlin mitteilte, geht die Frühjahrsprojektion nun von einer Stagnation des Bruttoinlandsprodukts aus. Damit würde die deutsche Wirtschaft im dritten Jahr in Folge kein Wachstum verzeichnen. Ursprünglich hatte die Bundesregierung noch mit einem Anstieg des BIP um 0,3 Prozent gerechnet. Bereits diese Prognose war eine deutliche Absenkung gegenüber den zuvor geschätzten 1,1 Prozent gewesen.
Das Bundeswirtschaftsministerium beschreibt die aktuelle Lage als "schwieriges Fahrwasser". Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen stellten große Herausforderungen dar. In besonderem Maße belaste derzeit die unvorhersehbare Handelspolitik der Vereinigten Staaten die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland. Der neue US-Protektionismus habe nach Einschätzung des Ministeriums direkte und indirekte Auswirkungen auf das deutsche Wirtschaftswachstum. Habeck betonte, es sei im Interesse Deutschlands, dass die laufenden Verhandlungen zwischen der EU und den USA zu einer Lösung im Zollkonflikt führen.
Die zuletzt von US-Präsident Donald Trump angekündigten Zölle und deren teils kurzfristige Aussetzung hätten weltweit zu einer erhöhten wirtschaftlichen Unsicherheit geführt. Dies habe sich in Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten und einer Verschlechterung der globalen Wachstumsaussichten niedergeschlagen. Insbesondere die exportorientierte deutsche Wirtschaft sei hiervon betroffen, zumal die Auslandsnachfrage bereits zuvor schwach gewesen sei.
Für das kommende Jahr rechnet die Bundesregierung mit einem leichten Wachstum von 1,0 Prozent. Dabei sollen finanzpolitische Maßnahmen der nächsten Bundesregierung positive Impulse liefern, deren Wirkung jedoch erst mittelfristig zu erwarten sei. Gleichzeitig zeigt sich die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt trüb. Eine typische Frühjahrsbelebung bleibe aus, die Zahl der Arbeitslosen dürfte steigen. Erst im Jahr 2026 rechnet die Bundesregierung wieder mit einer Zunahme der Beschäftigung und einem Rückgang der Arbeitslosigkeit.
Die Inflation soll laut Frühjahrsprojektion leicht sinken – von 2,2 Prozent im Vorjahr auf 2,0 Prozent im laufenden Jahr und 1,9 Prozent im Jahr 2026. Eine mögliche Verlagerung chinesischer Exportgüter aufgrund der US-Zölle könne dabei dämpfend wirken. Parallel zur Regierung hatten auch führende Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Prognosen gesenkt und rechnen nur noch mit einem BIP-Wachstum von 0,1 Prozent im Jahr 2025.
