Starbucks schließt rund 250 Cafés und senkt Eröffnungsziel
Der Kaffeekonzern streicht etwa ein Prozent seiner nordamerikanischen Standorte und rechnet mit 300 Millionen US-Dollar Restrukturierungskosten.

Starbucks zieht die Reißleine bei schwachen Standorten: Der Kaffeekonzern schließt rund 250 Cafés in Nordamerika. Das entspricht etwa 1 Prozent der mehr als 18.000 Standorte in der Region. Das Unternehmen bestätigte die Maßnahme am Donnerstag.
Die Schließungen sind Teil der Turnaround-Strategie von CEO Brian Niccol. Der Umbau des US-Geschäfts zielt auf eine bessere Kundenerfahrung, insbesondere auf die persönliche Interaktion in den Cafés. Für Niccol ist es die zweite Schließungsrunde in Nordamerika innerhalb seiner zweijährigen Amtszeit.
Betroffen sind laut Unternehmen unterdurchschnittlich performende Standorte. Wo genau die Cafés liegen, die geschlossen werden, war zunächst nicht bekannt. Die meisten Schließungen sollen vor dem Ende des Geschäftsjahres 2026 abgeschlossen sein.
Die Details
Von den mehr als 18.000 Standorten in Nordamerika fallen rund 250 weg. Das sind etwa 1 Prozent des Filialnetzes. Starbucks rechnet durch die Schließungen mit Restrukturierungsaufwendungen von rund 300 Millionen US-Dollar.
Davon entfallen etwa 200 Millionen US-Dollar auf die vorzeitige Beendigung von Mietverträgen und Abfindungen für Mitarbeiter. Die verbleibenden 100 Millionen US-Dollar sind nicht-kashaltige Aufwendungen aus der Veräußerung und Abschreibung unternehmenseigener Restaurantanlagen.
Auch beim Ausbau des Netzes korrigiert Starbucks nach unten. Für das Geschäftsjahr 2026 plant das Unternehmen nun netto 440 neue Cafés. Zuvor hatte die Prognose bei 600 bis 650 Standorten gelegen. Die neuen Cafés sollen aus den internationalen Märkten stammen.
Das Geschäftsjahr von Starbucks endet später in diesem Monat. Die meisten Schließungen sollen vor dem Ende des Geschäftsjahres 2026 erfolgen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die jüngste Ankündigung ist Teil einer längeren Reihe von Sanierungsschritten. Bereits am 27.01.2026 berichtete aktien.news, dass Niccol sein erstes volles Jahr im Amt genutzt hatte, um die Kaffeekette grundlegend zu transformieren. Mit Millionen-Investitionen konzentrierte er sich auf das Kundenerlebnis in den US-Filialen — von intensiven Barista-Schulungen über Keramiktassen bis zum Austausch defekter Steckdosen. Zudem überarbeitete er das Handbuch für Kundenservice und Begrüßungsrituale, beschränkte die Nutzung der Café-Toiletten auf zahlende Kunden und machte die Gewürz-Bars wieder für alle zugänglich. Parallel schloss das Unternehmen bereits Hunderte US-Standorte.
Am 29.01.2026 folgte der Investorentag in New York City. Dort stellte Starbucks seine langfristige Unternehmensstrategie vor und veröffentlichte erstmals seit über einem Jahr wieder eine Jahresprognose. Für das Geschäftsjahr 2026 prognostizierte das Unternehmen einen bereinigten Gewinn pro Aktie zwischen 2,15 und 2,40 US-Dollar. Die weltweiten und US-amerikanischen flächenbereinigten Umsätze sollten um mindestens 3 Prozent wachsen. Die Starbucks-Aktie hatte im vergangenen Jahr rund 5 Prozent an Wert verloren, die Marktkapitalisierung lag bei etwa 108 Milliarden US-Dollar. Niccol machte damals deutlich, dass die Neuausrichtung erst am Anfang steht.
Auch beim Personal wurde gespart. Am 16.05.2026 berichtete aktien.news über die Entlassung von 300 Verwaltungsmitarbeitern in den USA — die dritte Runde von Stellenstreichungen seit Niccols Amtsantritt. Der ehemalige Chef der Burrito-Kette Chipotle verfolgt damit eine klare Strategie: Kosten senken, Strukturen verschlanken und die Profitabilität langfristig steigern. Fast zwei Jahre nach seinem Amtsantritt zeigten seine Maßnahmen offenbar erste messbare Erfolge, hieß es damals.
Am 22.05.2026 weitete Starbucks sein Sparprogramm auf Kanada aus. Das Unternehmen informierte seine Mitarbeiter darüber, dass Stellen gestrichen und die kanadischen Unternehmensfunktionen umorganisiert werden. Mehrere Dutzend Angestellte waren betroffen. Wichtig für Kunden und Filialangestellte: Positionen auf Filialeebene fielen nicht weg, und Starbucks behielt seinen Verwaltungssitz in Toronto. "Kanada bleibt ein entscheidender Teil unseres Geschäfts, und diese Änderungen ermöglichen es uns, unsere Investitionen gezielter einzusetzen", teilte das Unternehmen mit.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Nachricht ein weiteres Signal, dass der Turnaround bei Starbucks noch nicht abgeschlossen ist. Das Unternehmen kombiniert Kostensenkungen mit einer Straffung des Filialnetzes — ein klassisches Muster in der Sanierung eines Einzelhändlers. Die Schließung unterdurchschnittlich performender Standorte kann die Umsatzqualität je verbleibender Filiale verbessern, belastet aber kurzfristig die Ergebnisrechnung.
Die 300 Millionen US-Dollar Restrukturierungsaufwendungen sind dabei ein Einmaleffekt, der die Gewinnentwicklung im laufenden Berichtszeitraum drückt. Rund zwei Drittel davon sind zahlungswirksam, weil sie mit Mietverträgen und Abfindungen zusammenhängen. Der Rest ist buchhalterisch und belastet nicht die Liquidität.
Gleichzeitig reduziert Starbucks sein Expansionstempo. Statt 600 bis 650 neuer Cafés sind nur noch 440 netto geplant. Das Wachstum soll aus dem internationalen Geschäft kommen, nicht aus Nordamerika. Anleger sollten daher genau verfolgen, ob die internationalen Märkte die Lücke füllen können, die das langsamere US-Wachstum hinterlässt.
Ausblick
Der Zeitplan ist eng: Die meisten Schließungen sollen vor dem Ende des Geschäftsjahres 2026 über die Bühne gehen, das später in diesem Monat endet. Die neuen Cafés für das Geschäftsjahr 2026 stammen aus den internationalen Märkten. Ob die reduzierten Eröffnungszahlen die Prognose vom Investorentag — bereinigter Gewinn je Aktie zwischen 2,15 und 2,40 US-Dollar sowie mindestens 3 Prozent flächenbereinigtes Umsatzwachstum — gefährden, lässt sich anhand der vorliegenden Informationen nicht beurteilen.
Kurz erklärt
- Restrukturierungsaufwendungen: Einmalige Kosten, die durch den Umbau eines Unternehmens entstehen, etwa Abfindungen oder Vertragsauflösungen.
- Nicht-kashaltige Aufwendungen: Buchhalterische Belastungen, die den Gewinn mindern, aber nicht zu einem tatsächlichen Geldabfluss führen.
- Flächenbereinigter Umsatz: Umsatzkennzahl, die nur Filialen berücksichtigt, die schon länger geöffnet sind, und so das organische Wachstum zeigt.
