SpaceX wählt Qualcomm für 5G-Netz: Aktie bleibt auf „Hold"
Qualcomm liefert Basisstations-Chips für zehntausende Starlink-Mobile-Standorte ab 2027; finanzielle Konditionen nannten die Unternehmen nicht.

SpaceX hat für sein geplantes bodengestütztes 5G-Netz einen zentralen Ausrüster gefunden. Qualcomm teilte am Mittwoch mit, dass SpaceX seine Dragonwing-Plattformen für die zellulare Infrastruktur des landesweiten Netzes von Starlink Mobile ausgewählt hat. Der Rollout soll 2027 beginnen, im Rahmen der mehrjährigen Vereinbarung sollen zehntausende Standorte eingerichtet werden. Finanzielle Konditionen nannte keine der beiden Firmen.
Für Anleger ist die Nachricht insofern bemerkenswert, als SpaceX damit einen Lieferanten für den bodenseitigen Teil seines Vorhabens hat, ein US-amerikanischer Mobilfunkanbieter zu werden. Die Aktie reagierte dennoch mit einem Rückgang: Zum Zeitpunkt der Notiz notierte sie nahe 136 US-Dollar, ein Minus von rund 3 Prozent am Tag und fast ein Drittel unter dem Rekord-Schlusskurs von 201,80 US-Dollar. Qualcomm dagegen legte zu.
Offen bleibt die Frage, ob das Geschäft Starlink Mobile in einen echten Konkurrenten für die großen US-Anbieter verwandelt. Der Autor der zugrunde liegenden Analyse sieht den Plan zwar vorankommen, bezweifelt aber, dass er sich bisher stark auf die Aktie auswirkt.
Qualcomm liefert zwei Plattformen und die Software der Funkschicht
Qualcomm stellt zwei Plattformen bereit: das QRU100 für die Funkgeräte und das QDU100 zur Signalverarbeitung sowie die Layer-1-Software, die die physische Funkschicht des Netzwerks betreibt. Die Funkgeräte nutzen 64 Sende- und 64 Empfangspfade – eine Antennenkonfiguration, die darauf ausgelegt ist, mehr Verkehr auf denselben Frequenzbändern zu bewältigen. Mit anderen Worten: SpaceX entwirft und rollt das Netzwerk weiterhin selbst aus.
„Wir freuen uns über die Zusammenarbeit mit Qualcomm Technologies und die Nutzung ihrer branchenspezifischen Expertise und Plattform, um unseren Zeitplan für die Entwicklung unserer End-to-End-Architektur für Basisstationen zu beschleunigen", sagte Michael Nicolls, Senior Vice President bei Starlink, in der Pressemitteilung von Qualcomm.
Die Frequenzbänder kamen zuerst
SpaceX hat über ein Jahr damit verbracht, die Frequenzbänder zu kaufen, die dieses Netzwerk benötigt. Es hat vereinbart, etwa 19,6 Milliarden US-Dollar in Form von Aktien und Zahlungen zur Tilgung der Schulden von EchoStar für Lizenzen zu zahlen, die bis zu 65 MHz Spektrum abdecken; diese Transaktion erwartet SpaceX gegen Ende November 2027 abzuschließen. Am 8. Oktober stimmte SpaceX zudem dem Kauf eines landesweiten Portfolios an 800-MHz-Frequenzbändern zu, das SpaceX voraussichtlich bis Mitte nächsten Jahres besitzen wird.
In der Telefonkonferenz zum Ergebnis des dritten Quartals am 20. Oktober sagte Präsidentin Gwynne Shotwell, dass S-Band-Frequenzbänder den Großteil des Verkehrs bewältigen sollten, während das 800-MHz-Spektrum „im Grunde dazu dient, Gebäude zu durchdringen". Der Mobilfunkdienst ist jedoch noch weit entfernt. Shotwell erklärte, die kurzfristige Priorität von SpaceX bestehe darin, seine Mobile-V2-Satelliten bis 2027 zu starten und seine Spektrumkäufe zu integrieren, um den Dienstbeginn Anfang 2028 zu ermöglichen.
Die Branche wartet seit Wochen auf Klarheit über SpaceX' Mobilfunkpläne
Bereits am 10.10.2026 berichtete aktien.news, dass die Aktien von Funkmastbetreibern kräftig zulegten, weil Anleger hofften, der geplante Mobilfunkdienst von SpaceX werde das Geschäftsvolumen dieser Unternehmen deutlich steigern. Auslöser war eine Ankündigung vom Donnerstag, wonach SpaceX vorbehaltlich der behördlichen Genehmigung bis zu 14 Megahertz an Funkfrequenzen erwerben wollte.
Am 12.10.2026 berichtete aktien.news, dass der Schock in der US-Telekommunikationsbranche tief sitzt: Nachdem SpaceX den Kauf eines umfangreichen Frequenzportfolios bekanntgegeben und damit einen massiven Ausverkauf bei Telekommunikationsaktien ausgelöst hatte, blieb die entscheidende Frage offen, was SpaceX als nächsten konkreten Schritt plant – ein eigenes Netz, Kooperationen oder Zukäufe.
Am 14.10.2026 berichtete aktien.news, dass SpaceX sein Geschäft auf breitere drahtlose Dienstleistungen ausweitet und dies unangenehme Nachrichten für die Aktionäre von Verizon, AT&T, T-Mobile und AST SpaceMobile sei. Die zugrunde liegende Analyse des US-Finanzportals The Motley Fool wurde am 11. Oktober 2026 als Video veröffentlicht; konkrete Kursziele, Umsatzprognosen oder Bewertungsmodelle nannte die Quelle nicht.
Am 23.10.2026 berichtete aktien.news, dass SpaceX einem Bericht zufolge daran arbeitet, mindestens 80.000 Mobilfunkstandorte zu sichern, um Starlink in einen landesweiten drahtlosen Netzbetreiber zu verwandeln. An der Börse löste das eine klare Zweiteilung aus: Die Aktien von AT&T, Verizon Communications und T-Mobile US rutschten ab, während die Betreiber von Mobilfunkmasten Crown Castle und American Tower zulegten.
Für deutsche Anleger bleibt die Bewertung der entscheidende Faktor
Die Umsätze von Starlink Mobile erscheinen laut dem neuesten quartalsweisen Bericht in SpaceXs Unternehmens- und Regierungsabsatz. Diese Position kletterte im dritten Quartal um 91 Prozent im Jahresvergleich auf 2,1 Milliarden US-Dollar. SpaceX teilt den mobilen Anteil jedoch nicht gesondert aus, und der Bericht führt den Großteil des Wachstums dieser Position auf mehr Flugzeugaktivierungen zurück.
Die Umsatzspanne für Konnektivität stieg im dritten Quartal um 69 Prozent im Jahresvergleich auf 5,2 Milliarden US-Dollar, etwas schneller als das Wachstum von 66 Prozent im zweiten Quartal. Das operative Einkommen des Segments verdoppelte sich fast und stieg um 99 Prozent auf 2,4 Milliarden US-Dollar. Die operative Marge sprang auf rund 45 Prozent, gegenüber etwa 38 Prozent sowohl im Vorjahresquartal als auch im zweiten Quartal. Die Konnektivität machte etwa 85 Prozent des gesamten operativen Einkommens von SpaceX in Höhe von 2,8 Milliarden US-Dollar aus.
Das Geschäft mit künstlicher Intelligenz, das SpaceX als Super Intelligence bezeichnet, erwirtschaftete ein operatives Einkommen von 431 Millionen US-Dollar. CEO Elon Musk sagte in der Telefonkonferenz, er sehe „einen klaren Weg zu mehreren hundert Milliarden Dollar pro Jahr an Konnektivitätsumsätzen". Die Konnektivität läuft derzeit mit rund 21 Milliarden US-Dollar pro Jahr, sodass dieser Pfad bedeuten würde, das Segment um ein Vielfaches zu vergrößern.
Die Mobilfunkstandorte erhöhen zudem die große Rechnung. Das Management erwartet, dass die Kapitalausgaben allein im vierten Quartal zwischen 35 Milliarden und 40 Milliarden US-Dollar liegen werden, da mehr KI-Rechenkapazitäten online gehen. Wie hoch die Kosten für das Bodennetzwerk sein werden, hat SpaceX nicht gesagt.
Die Bewertung von SpaceX liegt derzeit bei rund 1,85 Billionen US-Dollar. Das Management sieht Einnahmen von 33 Milliarden bis 37 Milliarden US-Dollar für das erste Quartal 2027 voraus. Würde der Mittelwert für ein volles Jahr gelten, würde die Aktie bei rund dem 13-fachen des Umsatzes handeln. Der Autor der Analyse hält diesen Preis für bereits ambitioniert und bezweifelt, dass ein Mobilfunknetz, das möglicherweise erst nach 2028 nennenswerte Umsätze generiert, in den nächsten Jahren viel beiträgt. Er betrachtet die SpaceX-Aktie bei etwa 136 US-Dollar weiterhin als „Hold".
Der Rollout der Basisstationen soll 2027 beginnen
Der Zeitplan steht im Quelltext an mehreren Stellen fest: Der Rollout der Basisstationen soll 2027 starten, zehntausende Standorte sind im Rahmen der mehrjährigen Vereinbarung geplant. Die kurzfristige Priorität liegt auf dem Start der Mobile-V2-Satelliten bis 2027 und der Integration der Spektrumkäufe, um den Dienstbeginn Anfang 2028 zu ermöglichen. Der Abschluss der EchoStar-Transaktion wird gegen Ende November 2027 erwartet, das 800-MHz-Portfolio soll SpaceX voraussichtlich bis Mitte nächsten Jahres besitzen. Nennenswerte Umsätze aus dem Mobilfunknetz erwartet der Autor der Analyse erst nach 2028.
Drei Fachbegriffe erklären die Technik hinter dem Netz
- Basisstation: bodengestützte Funkeinrichtung, die Mobilfunkgeräte mit dem Netz verbindet.
- Spektrumlizenz: behördliche Genehmigung zur Nutzung bestimmter Funkfrequenzen.
- Operative Marge: Verhältnis des operativen Gewinns zum Umsatz eines Geschäftsbereichs.
