SpaceX Q3: Umsatz steigt 161 Prozent, Starlink und KI überzeugen
SpaceX übertrifft im dritten Quartal die Erwartungen deutlich – Starlink wächst, Starship macht Fortschritte, doch die KI-Ausgaben steigen rasant.
Space Exploration Technologies (Ticker SPCX) hat am Dienstag, den 20. Oktober, nach Börsenschluss seine Ergebnisse für das dritte Quartal vorgelegt. Der Umsatz erreichte 14,58 Milliarden US-Dollar und lag damit deutlich über dem Konsensschätzwert der Wall Street von 12,72 Milliarden US-Dollar. Auch beim Gewinn übertraf das Unternehmen die Erwartungen klar: Der verwässerte Gewinn belief sich auf 0,35 US-Dollar je Aktie, Analysten hatten im Schnitt lediglich 0,13 US-Dollar je Aktie erwartet.
Für deutsche Anleger ist der Bericht insofern von Bedeutung, als SpaceX erst seit dem Börsengang im Juni dieses Jahres börsennotiert ist und damit zu den jüngeren Titeln am Markt zählt. Der Quartalsbericht liefert nun einen weiteren Datenpunkt nach dem ersten Zahlenwerk im August und dem 100-Tage-Jubiläum im September. Vor Veröffentlichung des Berichts hatte der Autor des zugrunde liegenden Motley-Fool-Berichts dargelegt, worauf er achten würde – und kam zu dem Schluss, dass die aktuellen Zahlen in mehreren wichtigen Aspekten besser ausfielen als erwartet.
Besonders im Fokus standen drei Bereiche: das Satelliteninternet Starlink, das Raketengeschäft rund um Starship sowie das KI-Segment, das SpaceX inzwischen unter dem Namen „Super Intelligence" führt. In allen drei Feldern gab es Neuigkeiten, die über den reinen Zahlenvergleich hinausgehen. Entscheidend war vor allem die Frage, ob die stärkeren Umsätze auch zu einer besseren Profitabilität führen – und genau das war der Fall.
Die Details
Im Starlink-Geschäft richtete sich der Blick vor allem auf den durchschnittlichen Umsatz pro Nutzer (ARPU). Diese Kennzahl entwickelte sich in die richtige Richtung: Sie stieg auf 69 US-Dollar pro Monat, nach 66 US-Dollar im vorangegangenen Quartal. Das ist ein moderater Anstieg, doch der Trend gilt als das eigentlich Wichtige. Zumindest derzeit scheint die Expansion des Unternehmens in entwickelte Märkte den globalen Durchschnitt nicht negativ zu beeinflussen. Der Autor des Berichts betont jedoch, dass die Frage der Preisgestaltung noch nicht abgeschlossen sei: Ein höherer Anteil des Wachstums aus Entwicklungsländern dürfte den ARPU und die Margen dieses Segments langfristig senken. Insgesamt fielen die Ergebnisse für das Segment stark aus, mit einem Umsatzanstieg von 69 Prozent und einer nahezu Verdopplung des operativen Gewinns im Jahresvergleich.
Im Raumfahrtgeschäft sah das Wachstum dagegen nicht gut aus. Das war jedoch zu erwarten, da sich das Unternehmen darauf konzentriert, so viele Starlink-Satelliten wie möglich in die Umlaufbahn zu bringen. Die Startgeschäfte verbuchen für diese Missionen keine Umsatzerlöse – einer der Hauptgründe, warum das Connectivity-Segment so gut abschneidet. Spannend war daher, was das Management zu Starship zu sagen hatte, der nächsten Generation der Rakete, die wiederverwendbar sein und deutlich größere Nutzlasten befördern soll als die Falcon 9, das aktuelle Rückgrat von SpaceX. Während der Ergebnispräsentation sagte Elon Musk, dass SpaceX seinen nächsten Starship-Flug im November erwartet, bei dem versucht werden soll, sowohl den Booster als auch die Oberstufe bei der Rückkehr zur Erde einzufangen. Das Management plant zudem, die Oberstufe erneut zu starten und Anfang nächsten Jahres einen Tankvorgang im Orbit durchzuführen.
Das KI-Geschäft ist derzeit das beobachtenswerteste Segment. Der Umsatz erreichte 7,6 Milliarden US-Dollar, gegenüber 2,6 Milliarden US-Dollar im vorangegangenen Quartal. Der operative Gewinn betrug 431 Millionen US-Dollar. Cursor, das KI-Coding-Unternehmen, das SpaceX im August übernommen hat, trug nur 608 Millionen US-Dollar zu den Umsätzen bei, sodass der Großteil des Wachstums organisch erfolgte. Belastend wirkte sich Cursor allerdings auf den operativen Gewinn aus: Ohne die mit dem Unternehmen verbundenen Aktienoptionskosten hätte dieser im Quartal etwa 1,6 Milliarden US-Dollar betragen. Die Kapitalausgaben für KI (Capex) sind weiterhin extrem hoch und haben moderat zugenommen, von 15,8 Milliarden US-Dollar auf 16,4 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen erwartet jedoch, dass sie im vierten Quartal steigen werden. CFO Bret Johnsen wies die Anleger darauf hin, mit gesamten Unternehmens-Capex in Höhe von 35 Milliarden bis 40 Milliarden US-Dollar im nächsten Quartal zu rechnen, wobei der Löwenanteil in KI fließen soll.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 5. August 2026 berichtete aktien.news, dass SpaceX kurz nach 16:00 Uhr (ET) seinen ersten Quartalsbericht der Unternehmensgeschichte vorgelegt hatte. Der Bericht umfasste das zweite Quartal, also den Zeitraum von April bis Juni. Der ausgewiesene Quartalsumsatz belief sich damals auf 7,8 Milliarden US-Dollar, während Analysten laut dem Finanzdatenanbieter FactSet lediglich etwas mehr als 6,8 Milliarden US-Dollar erwartet hatten. SpaceX übertraf die Konsensschätzungen damit um rund eine Milliarde Dollar.
Am 10. August 2026 berichtete aktien.news, dass der Börsengang Anfang Juni als einer der ambitioniertesten Markteintritte der Geschichte galt. Nach anfänglichen Kursgewinnen gaben die Anteilscheine im Juli deutlich nach und notierten weit unter ihrem Höchststand nach dem Börsengang. Die Zahlen für das zweite Quartal zeigten ein Unternehmen, dessen Wachstum sich in allen drei Kernsegmenten beschleunigte.
Am 16. September 2026 berichtete aktien.news, dass laut einem Bericht von The Motley Fool gerade das KI-Geschäft SpaceX in den exklusiven Club der Unternehmen mit einer Bewertung von drei Billionen Dollar katapultieren könnte. Das Unternehmen ist in drei miteinander verzahnten Geschäftsbereichen tätig: wiederverwendbare Raketen, Satellitenkommunikation und KI-Infrastruktur.
Am 23. September 2026 berichtete aktien.news, dass SpaceX seine ersten 100 Tage als börsennotiertes Unternehmen hinter sich hatte. Die Aktie erlebte seit dem Börsengang am 12. Juni eine extreme Achterbahnfahrt, notierte nun aber wieder nahe dem Ausgabepreis. Mit einem Schlusskurs von 154,72 US-Dollar am 22. September lag sie nahezu auf dem Niveau des Ausgabepreises von 150 US-Dollar, zu dem sie am 12. Juni den Handel aufgenommen hatte. Dazwischen lag ein Kurssturz von mehr als 50 Prozent vom Höchst- zum Tiefststand im Juli, gefolgt von einer Erholung.
Was das für Anleger bedeutet
Der Bericht zeigt ein Unternehmen, das in diesem Quartal in vielen Punkten positiv überraschte. Starlink wuchs, ohne dass der ARPU erneut sank, die KI-Umsätze nehmen wirklich Fahrt auf, und bei Starship wurden bedeutende Fortschritte erzielt. Für Anleger, die den Titel seit dem Börsengang verfolgen, sind das ermutigende Signale – zumal die Aktie zuletzt wieder nahe ihrem Ausgabepreis notierte.
Zugleich beschleunigen sich die Capex-Ausgaben, und die Finanzkennzahlen des Unternehmens sehen auf Cash-Basis erheblich schlechter aus. Ob diese Ausgaben letztlich ausreichende Renditen erzielen werden, um die Aktionäre zu belohnen, bleibt die entscheidende Frage. Wer in SpaceX investiert, muss also bereit sein, die hohen Investitionen in KI-Infrastruktur als langfristige Wette zu akzeptieren. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Konkrete Meilensteine gibt es vor allem beim Raketengeschäft: Der nächste Starship-Flug wird im November erwartet, wobei der Versuch unternommen werden soll, Booster und Oberstufe einzufangen. Anfang nächsten Jahres will das Management die Oberstufe erneut starten und einen Tankvorgang im Orbit durchführen. Bei den Kapitalausgaben rechnet CFO Bret Johnsen für das vierte Quartal mit gesamten Unternehmens-Capex von 35 Milliarden bis 40 Milliarden US-Dollar, überwiegend für KI.
Kurz erklärt
- ARPU: Der durchschnittliche Umsatz pro Nutzer gibt an, wie viel Erlös ein einzelner Kunde einem Unternehmen im Schnitt einbringt.
- Capex: Kapitalausgaben bezeichnen Investitionen in langlebige Anlagegüter wie Rechenzentren, Anlagen oder Infrastruktur.
- Wiederverwendbare Rakete: Eine Rakete, deren Stufen nach dem Start geborgen und für weitere Flüge erneut eingesetzt werden können.
- Oberstufe: Der obere Teil einer Rakete, der die Nutzlast nach dem Abtrennen der ersten Stufe weiter in die Umlaufbahn bringt.
