SpaceX verbucht 561 Millionen Dollar Gewinn aus Boring-Co-Beteiligung
Der nicht realisierte Investitionsgewinn machte mehr als die Hälfte des sonstigen Einkommens aus und trieb das Nettoergebnis über 4 Milliarden Dollar.

SpaceX hat in seiner quartalsweisen Finanzberichterstattung einen nicht realisierten Gewinn von 561 Millionen US-Dollar aus seiner Beteiligung an The Boring Co. verbucht. Der Anteil an Elon Musks Tunnelbauunternehmen brachte dem Raumfahrtkonzern im dritten Quartal einen Investitionsgewinn in dieser Höhe ein, wie SpaceX am Donnerstag mitteilte. Dieser Gewinn machte mehr als die Hälfte des „sonstigen Einkommens" des Unternehmens in diesem Zeitraum aus.
Er steigerte damit auch das Nettoergebnis, das bei etwas über 4 Milliarden US-Dollar lag. Die Zahlen stammen aus der Quartalsberichterstattung, die SpaceX bei der US-Börsenaufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission (SEC) eingereicht hat. Für deutsche Anleger ist der Vorgang deshalb interessant, weil er die enge Verflechtung zwischen den Unternehmen aus dem Umfeld von Elon Musk sichtbar macht.
Denn die Beteiligung an der Boring Co. ist nicht die einzige Verbindung, die SpaceX in dem Bericht offenlegt. Das Unternehmen gab zugleich an, im Laufe des Quartals Megapack-Energiespeichersysteme von Tesla im Wert von 151 Millionen US-Dollar erworben zu haben. Beide Angaben zusammen zeigen, wie stark die Bilanz von SpaceX inzwischen von Transaktionen innerhalb des Musk-Imperiums geprägt ist.
Die Details
Die Boring Co. wurde 2017 innerhalb von SpaceX gegründet und ein Jahr später als eigenständiges Unternehmen ausgegliedert. Ziel des Unternehmens ist es, den Transport durch den Bau unterirdischer Tunnel mit Stationen zu revolutionieren, an denen Fahrgäste ein- und aussteigen können. Im September hob Boring Co. nach Angaben aus dem Bericht 3 Milliarden US-Dollar an Kapital ein – unterstützt von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Die Finanzierungsrunde erfolgte zu einer Bewertung von 23 Milliarden US-Dollar; neben den VAE beteiligten sich eine Reihe weiterer langjähriger Unterstützer von Musk.
Trotz dieser Bewertung ist die operative Basis des Tunnelbauers bislang überschaubar. Boring Co. hat etwa ein Dutzend Stadtprojekte angekündigt, doch die einzigen derzeit für die Öffentlichkeit nutzbaren Tunnel befinden sich in Las Vegas. Dort können Fahrgäste mit Tesla-Fahrzeugen zwischen dem Convention Center in der Innenstadt und verschiedenen Casino-Resorts über die Las Vegas Convention Center Loop reisen.
Ein weiteres Projekt betrifft Nashville im US-Bundesstaat Tennessee. Im Juli des Vorjahres schloss Boring Co. eine Vereinbarung zum Bau von rund 32 Kilometern (20 Meilen) Tunneln. Die sogenannte Music City Loop soll so entworfen werden, dass sie zahlende Fahrgäste in Teslas Fahrzeugen zwischen der Innenstadt und dem Flughafen befördert. Das beschleunigte Projekt löste nach seiner Freigabe parteipolitische Kontroversen aus und hat diese Woche neue Sicherheitsbedenken hinsichtlich der Risiken von Straßeneinbrüchen (Sinkholes) aufkommen lassen.
In den Vereinigten Arabischen Emiraten plant Boring Co. den Angaben zufolge mehr als 150 Kilometer (93 Meilen) an Tunneln. Dazu gehört ein im Februar des Vorjahres angekündigtes Projekt namens Dubai Loop.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuellen Zahlen sind Teil einer Reihe von Berichten, mit denen SpaceX seit diesem Jahr mehr Transparenz gegenüber den öffentlichen Märkten herstellt. Bereits am 05.08.2026 berichtete aktien.news, dass SpaceX seinen ersten Quartalsbericht der Unternehmensgeschichte vorgelegt und die Erwartungen übertroffen hatte. Der damals ausgewiesene Quartalsumsatz belief sich auf 7,8 Milliarden US-Dollar, während Analysten der Wall Street laut dem Finanzdatenanbieter FactSet lediglich etwas mehr als 6,8 Milliarden Dollar erwartet hatten. SpaceX übertraf die Konsensschätzungen damit um rund eine Milliarde Dollar.
Schon zuvor hatte sich die Struktur des Unternehmens verändert. Am 04.02.2026 berichtete aktien.news, dass SpaceX nach der Fusion mit Elon Musks KI-Unternehmen xAI eine private Marktbewertung von 1,25 Billionen US-Dollar erreichte – nur noch 26 Prozent unter der Marktkapitalisierung von Tesla mit 1,58 Billionen Dollar. Damals lag Musks Anteil an SpaceX bei geschätzten 43 Prozent, verglichen mit nur 13 Prozent an Tesla.
Auch die langfristigen Erwartungen an das Wachstum sind dokumentiert. Am 15.06.2026 meldete aktien.news, dass Musk auf der Plattform X schrieb, er wäre überrascht, wenn der Umsatz im Jahr 2031 nicht mehr als 1 Billion US-Dollar betragen würde. Zuvor war SpaceX an einem Freitag zum sechstgrößten US-Unternehmen aufgestiegen.
Und die Berichterstattung war von Beginn an mit Tesla verknüpft. Am 04.08.2026 berichtete aktien.news, dass SpaceX am Dienstag nach Börsenschluss zum allerersten Mal als börsennotiertes Unternehmen seine Geschäftsergebnisse vorlegte. Marktbeobachter verfolgten den Bericht mit besonderer Spannung – nicht nur wegen SpaceX selbst, sondern auch wegen der möglichen Auswirkungen auf Tesla.
Was das für Anleger bedeutet
Für Privatanleger ist die entscheidende Information, dass ein erheblicher Teil des ausgewiesenen Gewinns nicht aus dem operativen Geschäft stammt. Bei dem Betrag von 561 Millionen US-Dollar handelt es sich um einen nicht realisierten Gewinn aus einer Beteiligung – also um eine Bewertungsänderung, die sich in künftigen Perioden auch wieder umkehren kann. Der Beitrag zum Nettoergebnis, das bei etwas über 4 Milliarden US-Dollar lag, ist entsprechend mit Vorsicht zu lesen.
Zugleich zeigt der Bericht, dass zwischen den Musk-Unternehmen reale Geschäftsbeziehungen bestehen: SpaceX kaufte im Quartal Megapack-Energiespeichersysteme von Tesla im Wert von 151 Millionen US-Dollar. Solche Transaktionen zwischen verbundenen Unternehmen werden von Anlegern traditionell besonders aufmerksam beobachtet, weil sie das Ergebnis beider Gesellschaften beeinflussen können.
Ein weiterer Punkt betrifft die Verflechtung selbst. Musk sagte während des Earnings Calls von SpaceX am Dienstag, er halte eine Fusion der beiden Unternehmen für eine „gute Idee", und fügte hinzu, dass beide Unternehmen spezielle Ausschüsse eingesetzt hätten, um eine potenzielle Transaktion zu besprechen. Einem Bericht zufolge sieht ein Analyst langfristigen Schub für SpaceX-Aktien, falls eine Tesla-Fusion stattfindet. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Konkrete Termine nennt die Berichterstattung nur wenige. Boring Co. plant den Angaben zufolge mehr als 150 Kilometer Tunnel in den VAE, darunter die im Februar des Vorjahres angekündigte Dubai Loop. In den USA steht das Nashville-Projekt mit rund 32 Kilometern im Fokus, das nach seiner Freigabe politische Kontroversen ausgelöst hat und diese Woche neue Sicherheitsbedenken hervorrief.
Offen ist zudem, wie es mit einer möglichen Fusion von SpaceX und Tesla weitergeht. Musk zufolge befassen sich spezielle Ausschüsse beider Unternehmen mit einer potenziellen Transaktion. Weitere Angaben zu Zeitplan oder Struktur enthält der Bericht nicht.
Kurz erklärt
- Nicht realisierter Gewinn: Ein Buchgewinn aus einer Beteiligung, der erst beim tatsächlichen Verkauf zahlungswirksam wird.
- Bewertung: Der Marktwert eines Unternehmens, der sich aus Finanzierungsrunden oder Börsenkursen ableitet.
- SEC: Die US-Börsenaufsichtsbehörde, bei der börsennotierte Unternehmen ihre Quartals- und Jahresberichte einreichen.
