S&P stuft Nike auf „A" herab: China-Schwäche belastet Cashflow
Ratingagentur senkt Kreditwürdigkeit wegen langwierigem Turnaround und Umsatzeinbruch in China.

S&P Global Ratings hat die Kreditwürdigkeit von Nike Inc. (NYSE:NKE) von „A+" auf „A" herabgestuft. Als Begründung verweist die Ratingagentur auf einen langwierigen Turnaround-Prozess in den wichtigsten Lifestyle-Segmenten sowie auf eine schwere Einbuße beim Umsatz im Großraum China. Die Herabstufung spiegelt eine schärfere operative Verlangsamung wider, als dies von den Kreditanalysten zuvor erwartet wurde.
S&P warnt, dass der Bekleidungsriese in den nächsten zwei bis drei Jahren mit negativen Cashflows rechnen muss. Umstrukturierungskosten und notwendige Reinvestitionen belasten die Profitabilität stark. Als Hauptursache nennt die Agentur persistente Ungleichgewichte bei den Lagerbeständen im Großhandel.
Die Ratingagentur prognostiziert, dass der konsolidierte Umsatz von Nike im Geschäftsjahr 2027 um mehr als 7% schrumpfen wird. Im Geschäftsjahr 2028 soll sich diese Tendenz weiter verschärfen. Verstärkt wird der Druck durch zusätzliche Umstrukturierungsaufwendungen in Höhe von 1 Milliarde US-Dollar, die mit einer laufenden Unternehmensumstrukturierung verbunden sind.
China als zentraler Belastungsfaktor
Ein starker Rückgang im Großraum China bleibt ein zentraler Treffer für die Ratingentscheidung. Im ersten Quartal des Geschäftsjahrs brach der Umsatz dort um 26% ein. Für das gesamte Geschäftsjahr erwartet S&P einen Rückgang von rund 30%. Damit vollzieht Nike einen dramatischen Rückzug aus einem geografischen Markt, der zu seinem Höhepunkt mehr als ein Fünftel des Gesamtumsatzes des Unternehmens generierte.
Um den Verlust von Marktanteilen gegenüber agilen inländischen Konkurrenten wie Anta Sports einzudämmen, reorganisiert Nike sein regionales Markteintrittskonzept. Die Strategie sieht vor, die Kontrolle über direkte digitale Kanäle Anfang 2027 zurückzugewinnen. Gleichzeitig will das Unternehmen mit Großhandelspartnern zusammenarbeiten, um die Präsenz in physischen Geschäften sowie lokal angepasste Produktdesigns zu stärken.
Neben Asien sieht sich Nike weiterhin mit wechselnden Konsumentenpräferenzen in seinen Kernsegmenten Lifestyle und Jordan-Streetwear konfrontiert. Diese machen mehr als 60% des Gesamtumsatzes aus. Zwar erzielten gezielte Kategorienverschiebungen innerhalb der „Sport Offense"-Strategie im Bereich Leistungsathletik ein hohes Wachstum im einstelligen Bereich. Der intensive Wettbewerb von spezialisierten Marken wie On und Hoka begrenzt jedoch weiterhin die allgemeine Dynamik.
Bilanzpuffer und negativer Ausblick
Trotz der operativen Gegenwinde verfügt Nike über eine beträchtliche Bilanzpuffer. Diese ist durch insgesamt 11,4 Milliarden US-Dollar an liquiden Mitteln gesichert. S&P erwartet, dass das Unternehmen seine prognostizierten jährlichen Cash-Burn-Raten von 1,2 Milliarden US-Dollar nach Ausschüttung von Dividenden decken kann. Dazu soll Nike Aktienrückkäufe aussetzen, Kapitalausgaben reduzieren und Kassenreserven nutzen, um bevorstehende Schuldenfälligkeiten bis Anfang 2027 zu bedienen.
Der negative Ausblick unterstreicht das Potenzial für weitere Ratingkürzungen in den kommenden 12 bis 24 Monaten. Dies gilt insbesondere dann, falls die Stabilisierung des Geschäfts ins Stocken gerät oder sich die Free-Cashflow-Kennzahlen weiter verschlechtern. Analysten wiesen darauf hin, dass die Erholung von Nikés Fähigkeit abhängt, die Markenrelevanz wiederherzustellen und die Kanalrealignments umzusetzen. Zudem muss das Verhältnis von bereinigtem freiem operativem Cashflow zur Verschuldung über 25% gehalten werden.
Für deutsche Anleger ist die Herabstufung ein wichtiges Signal: Sie zeigt, dass der Turnaround des Sportartikelherstellers länger dauern dürfte als bislang angenommen. Die Kombination aus China-Schwäche, Lagerproblemen im Großhandel und hohen Umstrukturierungskosten dürfte die Aktie in den kommenden Quartalen weiter belasten. Die solide Liquiditätsausstattung gibt Nike jedoch Spielraum, um die Restrukturierung ohne akute Finanzierungsprobleme durchzuziehen.
