S&P 500 Bullenmarkt wird vier: Was die Geschichte lehrt
Der aktuelle S&P-500-Bullenmarkt feiert am 12. Oktober seinen vierten Geburtstag – mit einem Kursgewinn von rund 119 Prozent.

Der S&P 500 startete seinen aktuellen Bullenmarkt am 12. Oktober 2022 mit einem Schlussstand von 3.577,03 Punkten. Am 6. Oktober schloss der Index bei einem Rekordhoch von 7.818,93 Punkten – ein Gewinn von rund 119% über fast vier Jahre. Solche Zahlen können Anleger nervös machen, besonders wenn ein runder Jahrestag näher rückt.
Doch das bloße Alter eines Bullenmarkts war historisch kein verlässliches Warnsignal. Jeder S&P-500-Bullenmarkt seit 1957, der seinen vierten Geburtstag erreichte, lief danach weiter. Die entscheidende Frage ist nicht ob, sondern wie lange – und wie viel Gewinn noch folgte.
Die Details
Seit der Index in seiner heutigen Form aus 500 Aktien im Jahr 1957 existiert, schafften es sechs Bullenmärkte bis zum vierten Geburtstag. Ihre weiteren Verläufe unterschieden sich erheblich:
- Der Bullenmarkt, der im Oktober 1957 begann, endete etwa sieben Wochen nach seinem vierten Geburtstag im Dezember 1961.
- Die Bullenmärkte von 1982 und 2002 endeten jeweils fast exakt im Alter von fünf Jahren.
- Der Markt, der 1974 startete, dauerte etwas mehr als sechs Jahre.
- Die Bullenmärkte von 1987 und 2009 hielten jeweils mehr als zwölf Jahre bzw. fast elf Jahre durch.
Fünf der sechs Märkte erreichten damit ein Alter von etwa fünf Jahren oder mehr. Auch die Kursgewinne nach dem vierten Geburtstag variierten stark: Der Index kletterte nach dem Bullenmarkt von 1957 um rund 7%, nach dem von 2002 um etwa 16%, nach den Märkten von 1974 und 1982 um etwa 37% bis 38%. Nach dem Bullenmarkt von 2009 verdoppelte sich der Index sogar, und nach dem von 1987 vervierfachte er sich annähernd.
Der aktuelle Bullenmarkt kam im Frühjahr 2025 einem vorzeitigen Ende gefährlich nahe. Vom Rekord-Schlussstand vom 19. Februar 2025 bis zum tiefsten Schlussstand am 8. April 2025 verlor der S&P 500 rund 18,9%. Gemessen am Intraday-Tief lag der Rückgang bei mehr als 20%, weshalb einige Anleger einen neuen Bullenmarkt bereits ab April 2025 datieren. Nach der gängigen Definition – ein Bullenmarkt endet, wenn der Index mindestens 20% unter seinem Rekordhoch schließt – überlebte der aktuelle Markt jedoch knapp.
Solche knappen Verfehlungen sind historisch keine Seltenheit. Während des Bullenmarkts von 2009 bis 2020 fiel der Index im Jahr 2011 um 19,4% und im Jahr 2018 um 19,8%. Während der Rallye von 1987 bis 2000 sank er 1990 um 19,9% und 1998 um 19,3%. Beide Bullenmärkte liefen danach noch jahrelang weiter und wurden zu den zwei längsten seit 1957.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 20. Mai 2026 berichtete aktien.news, dass drei Jahre in Folge mit starken Aktienrenditen – 2023, 2024 und 2025 – die Stimmung unter Fondsmanagern auf ein Rekordniveau gehoben hatten. Laut der monatlichen Fondsmanager-Umfrage der Bank of America war der Anteil derjenigen, die in Aktien übergewichtet sind, auf ein Niveau gestiegen, das zuletzt im Januar 2022 verzeichnet wurde.
Am 9. Mai 2026 thematisierte aktien.news die Frage, ob ein Einstieg in den S&P 500 auf Rekordkurs noch sinnvoll sei. Der Index hatte zu diesem Zeitpunkt bereits um fast 8% im laufenden Jahr zugelegt – das vierte Jahr in Folge mit positiver Jahresbilanz.
Am 28. Mai 2026 beleuchtete aktien.news den Vanguard S&P 500 ETF im Kontext des Rekordhochs und wies auf die breite Diversifikation des Index über 500 der größten börsennotierten US-Unternehmen hin. Am 17. August 2026 berichtete aktien.news zudem, dass Stratege Julian Emanuel von Evercore ISI den laufenden Bullenmarkt noch lange nicht am Ende sieht und ein Kursziel von 9.000 Punkten für den S&P 500 innerhalb der nächsten zwölf Monate nannte – ausgehend von einem damaligen Schlussstand von 7.785,76 Punkten.
Was das für Anleger bedeutet
Ein weiterlaufender Bullenmarkt ist nicht dasselbe wie ein guter Einstiegszeitpunkt. In vier der sechs historischen Fälle fiel der S&P 500 nach dem Ende des Bullenmarkts unter das Niveau, das er an seinem vierten Geburtstag hatte. Wer beispielsweise im Oktober 2006 kaufte – etwa ein Jahr vor dem Höhepunkt des Bullenmarkts von 2002 – befand sich im März 2009 bei den Tiefstständen mit Verlusten von etwa 50% (ohne Dividenden).
Auch die aktuelle Bewertung gibt Anlass zur Aufmerksamkeit. Basierend auf Daten von FactSet notiert der S&P 500 derzeit beim rund 26-fachen der Gewinne, die seine Unternehmen in den letzten 12 Monaten ausgewiesen haben. Der 10-Jahres-Durchschnitt liegt laut FactSet bei 23,6-fachen Gewinnen. Gemessen an den für die nächsten 12 Monate erwarteten Gewinnen liegt der Index hingegen in der Nähe seines 10-Jahres-Durchschnitts.
Anleger können eine hohe Bewertung jahrelang bezahlen, bevor ein Bullenmarkt endet. Ein solcher Aufschlag kann jedoch bedeuten, dass der Rückfall tiefer ausfällt, wenn es so weit ist. Warren Buffett schrieb in seinem Aktionärsbrief von 2013, dass sein Testament dem Treuhänder, der das Vermögen für seine Frau verwaltet, vorschreibt, 90% davon in einen kostengünstigen S&P-500-Indexfonds zu investieren. Der Vanguard S&P 500 ETF berechnet beispielsweise 0,03% pro Jahr.
Ausblick
Der Quelltext macht keine konkreten Prognosen zum weiteren Verlauf des aktuellen Bullenmarkts. Historisch gesehen begann ein Bärenmarkt nach dem vierten Geburtstag eines Bullenmarkts mal nach wenigen Wochen, mal erst nach mehr als einem Jahrzehnt. Ein Bärenmarkt kann laut Analyse nächsten Monat oder erst in einigen Jahren beginnen – die Geschichte hat dabei wenig geholfen, den genauen Zeitpunkt vorherzusagen.
Für Käufer von Indexfonds lautet die Schlussfolgerung aus der historischen Betrachtung: Der Kalender allein ist kein guter Grund, zu verkaufen oder mit dem Kauf aufzuhören. Regelmäßige Investitionen in einen S&P-500-Fonds bedeuten, dass einige Käufe möglicherweise nahe einem Hoch stattfinden – andere jedoch nach dem nächsten Einbruch.
Kurz erklärt
- Bullenmarkt: Eine anhaltende Phase steigender Aktienkurse, die üblicherweise endet, wenn ein Index mindestens zwanzig Prozent unter sein Rekordhoch fällt.
- Bärenmarkt: Eine Phase fallender Kurse, die eintritt, wenn ein Index mindestens zwanzig Prozent unter sein vorheriges Hoch sinkt.
- Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV): Eine Kennzahl, die den Aktienkurs ins Verhältnis zum Unternehmensgewinn setzt und zur Bewertung der Teuerheit eines Index oder einer Aktie dient.
