S&P 500: BTIG sieht Bären weiterhin im Vorteil
BTIG bleibt im Lager der Bären: Der S&P 500 zeigt totale Flachheit, während die Marktbreite schrumpft und die Medianaktie 4,5 Prozent verliert.

Der Kampf zwischen Markt-Bullen und -Bären über die künftige Richtung des S&P 500 gewinnt an Intensität – und nach Einschätzung des globalen Finanzdienstleisters BTIG könnten die Bären die Oberhand behalten. „Bisher hat sich keine Seite als richtig oder falsch erwiesen, und wir befinden uns weiterhin in einem Patt aus schwacher Marktbreite versus starkem SPX“, sagte Jonathan Krinsky, Chief Market Technician bei BTIG. Der Index habe in den vergangenen fünf Wochen „totale Flachheit“ gezeigt, während die Medianaktie um 4,5 Prozent gefallen sei.
Damit beschreibt BTIG eine klassische Divergenz: Während der breite Index optisch stabil bleibt, bröckelt die Substanz unter der Oberfläche. Genau diese Entwicklung ist es, die die Bären argumentieren lässt, dass der S&P 500 „nicht mehr lange standhalten kann“. Als Begründung führen sie gleich mehrere Faktoren an: die weiter schrumpfende Marktbreite – also die Anzahl der Aktien, die den Index tatsächlich antreiben –, steigende Anleiherenditen sowie sich erweiternde Credit Spreads. Credit Spreads bezeichnen die Renditedifferenz zwischen relativ sicheren und risikoreicheren Schuldtiteln; ein Ausweiten gilt an den Märkten traditionell als Warnsignal für wachsende Risikoaversion.
Bullen setzen auf „massive positive Korrektur“
Auf der anderen Seite stehen die Bullen, die überzeugt sind, dass der SPX auf eine „massive positive Korrektur“ vorbereitet ist. Dieses Szenario ist laut BTIG bislang jedoch ausgeblieben – auch angesichts weiter steigender Zinsen. Die Optimisten und die Pessimisten liefern sich damit ein Patt, das sich in den Kursen als Seitwärtsbewegung niederschlägt.
BTIG selbst ordnet sich klar auf der Bärenseite ein. „Obwohl die anhaltenden Divergenzen länger bestanden haben, als viele, einschließlich unsererseits, gedacht hätten, sind wir weiterhin der Auffassung, dass dies erst endet, wenn wir sehen, wie die Widerständigen nachgeben, indem sie tiefer brechen“, so das Unternehmen. Der entscheidende Impuls für eine Auflösung des Patts müsse also erst noch kommen.
Als konkrete Belege für die angespannte Lage verweist BTIG auf mehrere Indikatoren. So notierten Mid-Caps deutlich unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt und seien seit den jüngsten Höchstständen um 8 Prozent gesunken. Zudem seien die Volumina bei US-Staatsanleihen „explodiert“ – ein Phänomen, das historisch mit einer Korrektur des S&P 500 einhergehe. „Bisher haben wir das nicht gesehen. Noch eine andere Art zu sagen: ‚Etwas muss nachgeben‘“, fasst BTIG die Situation zusammen.
Versorger als taktische Chance
Trotz der insgesamt skeptischen Haltung sieht BTIG in einem Sektor durchaus Potenzial: Versorgungsunternehmen könnten „für einen taktischen Aufschwung interessant sein“, da das Risiko-Ertrags-Verhältnis für den Sektor günstig aussehe. „Die Renditen sind heute höher, doch die Versorger führen, ein gutes Zeichen“, heißt es in der Einschätzung.
Für deutsche Anleger ist die Analyse insofern relevant, als der S&P 500 als wichtigster Gradmesser für die Stimmung an den globalen Aktienmärkten gilt. Divergenzen zwischen Index und Marktbreite haben in der Vergangenheit häufig Phasen erhöhter Volatilität angekündigt. Ob sich die Bären mit ihrer These durchsetzen, hängt laut BTIG maßgeblich davon ab, ob die bisher widerstandsfähigen Titel nachgeben und tiefer brechen. Bis dahin bleibt es bei dem beschriebenen Patt – mit einem Index, der auf den ersten Blick stabil wirkt, während sich unter der Oberfläche die Vorzeichen mehren, die für eine Korrektur sprechen.
