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Small Caps unter Druck: Russell 2000 mit schwächstem Quartal seit 2020

Der US-Small-Cap-Index Russell 2000 droht das schwächste Quartal gegenüber dem S&P 500 seit dem Corona-Schock 2020 abzuschließen.

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Small Caps unter Druck: Russell 2000 mit schwächstem Quartal seit 2020

Der Russell 2000 steht kurz vor einem unrühmlichen Meilenstein. Der wichtigste US-Index für Small-Cap-Aktien hat im dritten Quartal den S&P 500 um mehr als 9 Prozentpunkte unterboten. Sollte dieser Trend bis zum Quartalsende am Mittwoch anhalten, wäre dies die stärkste Unterperformance des Russell 2000 gegenüber dem S&P 500 seit dem ersten Quartal 2020 – damals lag er fast 11 Prozentpunkte zurück.

In Zahlen ausgedrückt: Der Index liegt in diesem Quartal um mehr als 6 Prozent im Minus und ist damit auf Kurs, eine Serie von fünf aufeinanderfolgenden Gewinnquartalen zu beenden. Allein im September verzeichnete der Russell 2000 Verluste von mehr als 4 Prozent. Für Anleger, die kleinere US-Unternehmen als eigenständige Anlageklasse halten, ist das ein deutlicher Stimmungsumschwung.

Der Auslöser liegt nach Einschätzung von Marktbeobachtern nicht in den Unternehmen selbst, sondern am Zinsmarkt. Small Caps stehen unter Druck, weil die Zinsen und die Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen steigen. Höhere Zinsen gelten als besonders schädlich für kleinere Unternehmen, die tendenziell stärker auf Kredite angewiesen sind, um ihr Wachstum zu finanzieren.

„Es geht hier primär um die Zinsen", sagte Sam Stovall, Chief Investment Strategist bei CFRA Research. „Wenn die Zinsen steigen, üben sie tendenziell einen größeren negativen Einfluss auf die Finanzen von Small-Cap-Aktien aus."

Die Details

Den geldpolitischen Hintergrund liefert die US-Notenbank Federal Reserve. Sie hat in diesem Monat ihren ersten Zinsanstieg seit drei Jahren verkündet. Händler mit Fed-Funds-Futures erwarten, dass die Notenbank die Zinsen in naher Zukunft weiter anheben wird, was die Kreditkosten zusätzlich in die Höhe treiben dürfte.

Auch am langen Ende der Zinskurve hat sich die Lage verschärft. Die Renditen der 10-Jahres- und der 30-Jahres-Staatsanleihen erreichten in der vergangenen Woche ihre höchsten Werte seit mehr als einem Jahrzehnt. Anleihehändler machen sich zunehmend Sorgen über hartnäckige Inflation und die anschwellende Schuldenlast der US-Regierung.

Stovall zufolge spiegelt der Kursrückgang bei den Small Caps auch eine unterschwellige Angst der Anleger wider, dass ein Zinserhöhungszyklus der Fed die US-Wirtschaft in eine Rezession treiben könnte. Genau diese Sorge trifft kleinere, kreditabhängige Firmen härter als große Konzerne, die sich über den Kapitalmarkt zu deutlich besseren Konditionen finanzieren können.

Wichtig ist die Einordnung über die längere Frist. Trotz der Turbulenzen in diesem Quartal liegt der Russell 2000 im Jahr 2026 immer noch um mehr als 13 Prozent im Plus. Er ist zudem auf Kurs für sein viertes Jahr in Folge mit zweistelligen Gewinnen. Seit Jahresbeginn 2023 hat der Small-Cap-Index kumulativ rund 60 Prozent hinzugewonnen.

Relativiert wird dieses Bild allerdings durch den Vergleich mit dem breiten Markt: Der S&P 500 ist im selben Zeitraum etwa doppelt so stark gestiegen. Die aktuelle Unterperformance ist also vor dem Hintergrund einer mehrjährigen Aufholbewegung zu lesen, die zuletzt an Fahrt verloren hat.

Hintergrund: Was bisher geschah

Der Umschwung im dritten Quartal 2026 markiert eine deutliche Zäsur nach einem außergewöhnlich starken Jahr für Nebenwerte.

Bereits am 23. Januar 2026 berichtete aktien.news, dass der Russell 2000 den breit gefassten S&P 500 am 14. Handelstag in Folge übertraf – laut Dow Jones Market Data die längste Phase relativer Stärke seit Mai 1996. Der Index hatte seit Jahresbeginn acht neue Schlussrekorde aufgestellt und lag mit 9,5 Prozent im Plus.

Nur vier Tage später, am 27. Januar 2026, meldete aktien.news erneut eine Serie von 14 Handelstagen mit Outperformance gegenüber dem S&P 500. Damals verwies der Bericht auf einen Bewertungsabschlag des S&P 600 Small-Cap-Index von rund 25 Prozent gegenüber dem S&P 500 auf Basis der erwarteten Gewinne.

Am 16. Mai 2026 folgte ein spürbarer Rückschlag: Der Russell 2000 sank um 2,4 Prozent und schloss bei 2.793,30 Punkten – der stärkste Tagesrückgang seit dem 13. November. Dennoch hatte der Index im bisherigen Jahresverlauf alle wichtigen US-Indizes übertroffen, mit Ausnahme des technologielastigen Nasdaq.

Am 10. Juli 2026 übertrafen die Nebenwerte den breiten Markt dann sehr deutlich: Der Russell 2000 erzielte bis zum Handelsschluss am Mittwoch ein Plus von 19,1 Prozent seit Jahresbeginn, während der S&P 500 um 9,3 Prozent und der Nasdaq Composite um 11,3 Prozent zulegten. Der S&P Small Cap 600 schloss sich dem Trend an und stieg ebenfalls um mehr als 19 Prozent.

Was das für Anleger bedeutet

Der Russell 2000 gilt als führender Referenzindex für kleine US-Unternehmen und ist für viele Anleger die Benchmark, an der sich diese Anlageklasse messen lassen muss. Das laufende Quartal zeigt, wie eng die relative Entwicklung von Small Caps an die Erwartungen über den weiteren Zinspfad gekoppelt ist.

Bemerkenswert ist die Bewertungsseite. Angesichts der Kursrückgänge liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des Russell 2000 nach Ansicht von Stovall auf einem Abschlag von ungefähr 34 Prozent gegenüber seinem 20-Jahres-Durchschnitt. Diese Kennzahl setzt den Kurs ins Verhältnis zu den erwarteten Gewinnen und gilt als grober Maßstab dafür, wie teuer oder günstig ein Marktsegment bewertet ist.

Ein Bewertungsabschlag allein ist jedoch kein Auslöser für Käufe. Stovall rechnet damit, dass Anleger zunächst abwarten, bis sie mehr Klarheit über den Verlauf der Kreditkosten haben. „Anleger nehmen wahrscheinlich alle Gewinne mit, die sie in Small Caps erzielt haben, und sagen im Grunde: ‚Ich bleibe lieber außen vor, bis die Lage wieder besser aussieht'", sagte er.

Für deutsche Privatanleger bedeutet das vor allem eines: Die relative Stärke oder Schwäche von Nebenwerten ist derzeit weniger eine Frage der Unternehmensgewinne als eine Frage der Zins- und Inflationsentwicklung in den USA. Die beschriebenen Kennzahlen beziehen sich ausschließlich auf den US-Markt und lassen sich nicht ohne Weiteres auf europäische Indizes übertragen.

Ausblick

Der unmittelbar nächste Termin ist das Quartalsende am Mittwoch. Erst dann steht fest, ob der Russell 2000 tatsächlich die stärkste Unterperformance gegenüber dem S&P 500 seit dem ersten Quartal 2020 verbucht.

Am Zinsmarkt erwarten Händler von Fed-Funds-Futures weitere Anhebungen durch die Federal Reserve in naher Zukunft. Damit dürften die Kreditkosten nach Einschätzung der Marktteilnehmer weiter steigen.

Stovall formuliert die Bedingung für eine Trendwende klar: „Sollte sich einmal ein etwas helleres Bild aus Zinsperspektive zeichnen, könnten wir sehen, wie Anleger wieder in den Small-Cap-Bereich abwandern." Bis dahin rechnet er mit Zurückhaltung bei kleineren US-Unternehmen.

Kurz erklärt

  • Russell 2000: Ein US-Aktienindex, der die Kursentwicklung kleinerer börsennotierter Unternehmen abbildet und als Leitmaßstab für Small Caps gilt.
  • Small Caps: Kleinere börsennotierte Unternehmen, die im Vergleich zu Großkonzernen häufig stärker auf Fremdkapital angewiesen sind.
  • KGV: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis setzt den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn und dient als Kennzahl für die Bewertung eines Marktsegments.
  • Fed-Funds-Futures: Terminkontrakte, mit denen Marktteilnehmer ihre Erwartungen an den künftigen Leitzins der US-Notenbank ausdrücken.
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