Software-Aktien im freien Fall: KI-Disruption löst massive Verkaufswelle aus
ServiceNow, Salesforce und Intuit brechen zweistellig ein. Anleger fürchten Verdrängung durch künstliche Intelligenz.

Die Software-Branche erlebt einen dramatischen Ausverkauf. ServiceNow verlor am Dienstag fast 7 Prozent und summiert die Verluste seit Jahresbeginn auf 28 Prozent. Salesforce gab ebenfalls rund 7 Prozent nach und liegt nun 26 Prozent im Minus für 2026. Besonders hart traf es Intuit, die Muttergesellschaft von TurboTax, mit einem Tagesverlust von fast 11 Prozent – seit Jahresbeginn ein Minus von über 34 Prozent.
CNBC-Börsenexperte Jim Cramer warnt Anleger vor vorschnellen Käufen. Der Markt befinde sich in einer Phase der Neueinschätzung, ausgelöst durch die Angst vor künstlicher Intelligenz. "Die Wall Street hat entschieden, dass alles, was Software ist, weggeworfen werden muss", erklärte Cramer in seiner Sendung "Mad Money". Der technologielastige Nasdaq Composite verlor am Dienstag 1,4 Prozent.
Auslöser der jüngsten Verkaufswelle war die Einführung neuer juristischer KI-Tools von Anthropic für dessen Cowork-Produkt. Diese Entwicklung verstärkte die Befürchtung, dass künstliche Intelligenz traditionelle Software-Geschäftsmodelle fundamental bedroht. Anleger reagierten mit einem wahllosen Ausverkauf über die gesamte Branche hinweg.
Schrumpfende Bewertungen bei stabilen Gewinnen
Das Paradoxe an der aktuellen Situation: Die Software-Unternehmen verzeichnen keine Gewinneinbrüche. "Die Gewinne verschwinden nicht, man zahlt nur weniger dafür", so Cramer. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse schrumpfen, weil Investoren sich Sorgen um die Zukunftsfähigkeit der Geschäftsmodelle machen. Das Problem für Anleger: Niemand weiß, wie tief die Bewertungen noch fallen können.
Während Software-Aktien unter Druck stehen, profitieren deren Kunden. Unternehmen wie Procter & Gamble, FedEx und Union Pacific gehörten zu den Gewinnern der Dienstagssitzung. "Jeder Kunde – eine Bank, ein Konsumgüterunternehmen oder ein Industrieunternehmen – ist Gold wert, zumindest im Moment", betonte Cramer. Viele dieser Aktien hätten sich jedoch bereits deutlich nach oben bewegt, was die Chancen begrenze.
Selektive Käufe statt Panikverkäufe
Cramer setzt auf Selektivität in diesem schwierigen Marktumfeld. Für seinen CNBC Investing Club kaufte er Aktien von CrowdStrike. Seine Begründung: Cybersicherheitsanbieter würden zwar mit der Software-Kategorie in einen Topf geworfen, diese Art von Geschäft sei aber mit KI-Tools schwerer zu reproduzieren als andere Software-Lösungen.
Die Marktlogik deutet darauf hin, dass sich der Schmerz auf die Software-Anbieter beschränken könnte, während die Nutzer profitieren. "Aber andererseits ist der Markt nicht immer logisch", warnte Cramer. Anleger sollten die Entwicklung genau beobachten und nicht blind in fallende Kurse investieren, bis sich die Bewertungen stabilisiert haben.
